„Die Aufgabe ist, intelligenter zu arbeiten, Arbeit zu reorganisieren.“

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

„In vielen Fällen führt diese Beschleunigung zu einer Überlastung der menschlichen Arbeitskraft. Die Frage lautet also, wie kann ich das vermeiden?“
„In vielen Fällen führt diese Beschleunigung zu einer Überlastung der menschlichen Arbeitskraft. Die Frage lautet also, wie kann ich das vermeiden?“ (Bild: Treston)

Lean Ergonomics-Experte Ulrich Fröleke erklärt, was sich hinter dem Begriff Lean Ergonomics verbirgt und wie sich Produktionsprozesse damit auf intelligente und wirtschaftliche Art und Weise reorganisieren lassen.

Herr Fröleke, Sie gelten in der Branche als ein ausgesprochener Experte für Lean Production und Ergonomie und befassen sich bei Treston Deutschland mit dem Thema. Warum sind diese beiden Begriffe, die ja u. a. über das Toyota Production System weltweit bereits in den 1980er Jahren bekannt wurden, heute immer noch topaktuell?

Herstellungsprozesse haben sich während der letzten zwei Jahrzehnte massiv verändert und beschleunigt. Das heißt der Druck auf Produktion, Mitarbeiter und Unternehmen wächst. „Just-in-time“ oder etwa „On-demand“ sind populäre Konzepte, die in vielen Branchen auf ganz unterschiedliche Art und Weise umgesetzt wurden. Die Begriffe sind gewissermaßen eine Fortsetzung des Lean-Gedankens. Sie implizieren theoretisch das Vorhandensein von schlanken Produktionsprozessen, aber sie implizieren nicht das Vorhandensein von ergonomischen Arbeitswelten. In vielen Fällen führt diese Beschleunigung zu einer Überlastung der menschlichen Arbeitskraft. Die Frage lautet also, wie kann ich das vermeiden?

Lassen Sie mich raten … durch Lean Ergonomics?

Richtig. Die Aufgabe ist, intelligenter zur arbeiten, Arbeit zu reorganisieren. Menschen müssen entlastet werden, damit sie ihre Arbeit so lange und so konstant wie möglich ausüben können. Dabei bedingen diese beiden Konzepte einander. Das hat schon das Toyota Production System gezeigt. Bis heute ist diese Verbindung zwischen Lean-Prinzipien und Ergonomie und den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die halbautomatisierte Herstellungsprozesse fahren – in denen also Menschen arbeiten –, nicht klar, obwohl sie vielleicht schon über schlanke Produktionsstrukturen verfügen und sogar ergonomisch Arbeitswelten entworfen haben, von denen das eine allerdings nicht zum anderen passt.

Es kommt also auf die Sichtweise an, wie Lean Production und Ergonomie sich einerseits konzeptionell ergänzen und wie das dann praktisch in der Produktion umgesetzt wird?

Ja. Denn nur wer konzeptionell von dieser Verbindung überzeugt ist, wer bereit dazu ist, wird erkennen, dass eine Integration von Lean und Ergonomie zu Lean Ergononmics enorme Potentiale für Unternehmen bietet, die sich positiv auf die Produktivität, die Wettbewerbs­fähigkeit und die Mitarbeiter auswirken.

Wenn Sie von Überzeugung sprechen, meinen Sie den Unternehmer?

Ja. Es liegt an ihm, zu erkennen und zu entscheiden. Und zwar aus einem ganz einfache Grund: Komparative Wettbewerbsvorteile gelten nicht ein Leben lang, sie sind ständig vom Wandel bedroht. Wer einzig und allein ans Ergebnis denkt, der wird langfristig scheitern, es sei denn, er ist bereit, auf diesen Wandel aktiv zu reagieren ihn zu gestalten. Zum Beispiel durch Prozessorganisation und Prozessoptimierung mit Lean Ergonomics. Wir vertreten allerdings die Auffassung, dass die Geschäftsführung Lean Ergonomics nicht ohne den Mitarbeiter umsetzten sollte, denn er ist es schließlich, der unter diesen Bedingungen arbeiten muss. Auch wenn Ergonomie per se gut gemeint ist, kann dieser Schuss nach hinten losgehen, wenn der Mitarbeiter außen vor bleibt.

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Bei aller Ergonomie und optimierten leanen Abläufen aber nicht nur an physischen Verschleiß denken...  lesen
posted am 06.12.2017 um 14:31 von Unregistriert


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