Angemerkt Die Ära des Algorithmus und der Datenschutz als Menschenrecht

Redakteur: Peter Koller

Ein Vormittag im April 2017. Der Postbote läutet: „Hallo, hier ist ihr Amazon-Paket, das sie heute Nachmittag bestellen wollten...“ Science Fiction?

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Peter Koller, Chef vom Dienst, ELEKTRONIKPRAXIS
Peter Koller, Chef vom Dienst, ELEKTRONIKPRAXIS
(Archiv: Vogel Business Media)

Nicht mehr lange, wenn es nach einem Patent des Online-Händlers geht. Es beschreibt „vorausschauenden Versand“. Interessiert sich ein Kunde intensiv für ein Produkt, wird es schon mal an ein Versandzentrum in seiner Nähe geschickt. Erfolgt die Bestellung, ist es extrem schnell beim Kunden.

Das ist ein eher harmloses Beispiel für die Ära des Algorithmus, an dessen Schwelle wir uns befinden. Eine Ära, in der Bedürfnisse und Verhaltensweisen nicht nur nachträglich analysiert, sondern antizipiert werden. Natürlich sind Algorithmen nichts Neues. Der Namensgeber der Rechenvorschrift, der iranische Universalgelehrte Muhammed al-Chwarizmi, lebte vor mehr als 1000 Jahren.

Was Algorithmen zu Aktualität verhilft, sind zwei relativ neue Entwicklungen: Die umfassende Erhebung digitaler Daten (Big Data) und die Existenz fast unbegrenzter Rechenleistung. Die Kombination dieser drei Faktoren gewinnt besorgniserregende Macht. Die Algorithmen von Google entscheiden „nur“ über Erfolg oder Scheitern von Online-Shops, die der NSA im Drohnenkrieg wohl über Leben oder Tod.

Doch wie kann die Ära des Algorithmus nach vernünftigen Prinzipien gestaltet werden? Sehen wir uns die drei Faktoren an: Der Geist der exponentiell wachsenden Rechenleistung, Moores Law, ist aus der Flasche und kehrt nicht dorthin zurück.

Ein Zwang zur Algorithmus-Offenlegung wäre gut, weil es Transparenz schaffen würde. Leider utopisch, denn Algorithmen sind Geschäftsideen. Dass Google seinen Algorithmus offenlegt, ist so wahrscheinlich wie dass Coca Cola Flugblätter mit dem Brause-Rezept druckt.

Die Stellschraube können somit nur die persönlichen Daten sein, und es muss das Ziel einer modernen Zivilgesellschaft sein, den Daten-Verursachern die Kontrolle über diese zurückzugeben. Ein Thema nicht nur für Politiker, sondern in hohem Maße auch für Entwickler - diskutiert wird es daher auch auf unserem Embedded Software Engineering Kongress (1.-5.12.2014) in Sindelfingen.

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