Dialog-Chef: „Die Elektronikindustrie muss sich auf die Seite Chinas schlagen“

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Jalal Bagherli, CEO von Dialog Semiconductor, zum Handelskrieg zwischen den USA und China: „Für Elektronik- und Chip-Firmen gibt es denke ich nicht viele Möglichkeiten. Es ist nicht so, dass wir China für die Zusammenarbeit wählen würden, aber wir haben schlicht keine andere Wahl. Es ist schlicht der Ort, an dem alles hergestellt wird.“
Jalal Bagherli, CEO von Dialog Semiconductor, zum Handelskrieg zwischen den USA und China: „Für Elektronik- und Chip-Firmen gibt es denke ich nicht viele Möglichkeiten. Es ist nicht so, dass wir China für die Zusammenarbeit wählen würden, aber wir haben schlicht keine andere Wahl. Es ist schlicht der Ort, an dem alles hergestellt wird.“ (Bild: Dialog Semiconductor)

Im aktuellen Handelskrieg zwischen den USA und China bleibe der Elektronikindustrie auf lange Sicht nichts anderes übrig, als sich auf die Seite Chinas zu schlagen. Dies sagte Jalal Bagherli, CEO von Dialog Semiconductor, in einem Interview mit dem britischen Sunday Telegraph.

Europa habe keine andere Wahl, als sich im immer weiter ausartenden Technologiestreit und Handelskrieg zwischen den USA und China langfristig auf die Seite Chinas zu schlagen. „Derzeit wird alles in China, und in Asien, produziert“, äußerte Jalal Bagherli, CEO des deutsch-britischen Chipherstellers Dialog Semiconductor, in der Sonntagsausgabe der britischen Tageszeitung The Telegraph.

„Es wird schlichtweg alles in China produziert“

„Für Elektronik- und Chip-Firmen gibt es denke ich nicht viele Möglichkeiten," zitiert das Blatt den Dialog-Chef. „Es ist nicht so, dass wir China für die Zusammenarbeit wählen würden, aber wir haben schlicht keine andere Wahl. Es ist schlicht der Ort, an dem alles hergestellt wird.“

Der Chiphersteller Dialog Semiconductor ist neben Infineon, NXP oder ST Microelectronics einer der größeren Hersteller von Prozessoren aus Europa. Das deutsch-britische Unternehmen beschäftigt derzeit weltweit über 2000 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz im englischen Redding, während die Verwaltungszentrale im deutschen Kirchheim unter Teck liegt. Dialog war kürzlich in den Schlagzeilen, als das Unternehmen Teile seiner Technologie-Lizenzen und seines Powermanagement-Segments an Apple verkauft hatte.

Im eskalierenden Handelskrieg zwischen den USA und China haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Firmen ihre Lieferungen an den Huawei-Konzern eingestellt. Nachdem das US-Handelsministerium den Elektronikkonzern wegen des Verdachts der Spionage auf eine Schwarze Liste hatte setzen lasten, drohen Unternehmen für den US-Markt Sanktionen, wenn sie weiter Geschäfte mit dem Telekommunikationsriesen machen. Dazu zählt unter anderem der britische Prozessorhersteller ARM, der Teil des japanischen Softbank-Konzerns ist. Das Unternehmen habe Mitarbeiter in einer internen Mail angewiesen, jegliche Interaktionen mit dem chinesischen Konzern einzustellen.

Ein Sprecher von Infineon hatte dagegen mitgeteilt, dass der deutsche Prozessorhersteller Huawei weiterhin beliefern werde. Andere europäische Konzerne wie NXP oder ST Microelectronics haben sich derzeit noch nicht öffentlich zu dem Thema geäußert. Auch TSMC, der weltweit größte Auftragsfertiger von Halbleitern mit Hauptsitz in Taiwan, hatte angekündigt, weiterhin mit Huawei und anderen chinesischen Unternehmen Geschäfte zu machen.

Wird der Handelskrieg und Huawei-Bann zur Chance für Europa?

Im Interview ließ Jalal Bagherli nicht durchblicken, wie Dialog Semiconductor zu dem Huawei-Bann steht. Allerdings betonte er, dass der chinesische Konzern „Produkte in Holland, in Deutschland und im Vereinigten Königreich herstellt und wir in Taiwan produzieren“. Dadurch seien die Geschäfte von Dialog Semiconductor mit dem chinesischen Unternehmen nicht von den drohenden Sanktionen betroffen, da diese in erster Linie den US-Markt und dessen direkte Wertschöpfungskette betreffen.

Daraus leitete er zudem Chancen für Unternehmen in Europa ab: „Wo es möglich ist gibt es jetzt Tendenzen, eher asiatische oder europäische Lieferanten auszuwählen als amerikanische,“ zitiert ihn der Telegraph. Unternehmen mit Handels- oder Produktionssitz in den USA sind unmittelbar von den Entscheidungen des US-Handelsministeriums betroffen, während europäische Firmen davon unabhängiger agieren können. Chinesische Anlagenbauer dürften nun vorzugsweise asiatische und europäische Komponentenlieferanten als Partner wählen.

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