Dezentrale Power-Architektur beschleunigt den Design-Prozess

| Redakteur: Thomas Kuther

Welche Rolle spielen für RECOM als global agierendem Unternehmen die unterschiedlichen Normen und Richtlinien in einzelnen Ländern?

Für alle unsere weltweit einsetzbaren Produkte ergibt sich aus unterschiedlichen Normen ein Mehraufwand bei Entwicklung und Produktion. In der Regel haben wir neben der europäischen EN-Zertifizierung auch UL- und IEC-Zulassung mit CB-Bericht. Für manche Produkte machen wir sogar landesspezifische Zertifizierungen wie z.B. PSE für Japan.

Welche Branchen könnten zukünftig eine stärkere Rolle für Ihr Unternehmen spielen?

RECOM-Produkte sind bereits heute im gesamten Elektronik-Bereich im Einsatz und zwar überwiegend dort, wo Zuverlässigkeit einen hohen Stellenwert hat. Ich denke da z.B. an die Medizintechnik, wo Patientensicherheit im Vordergrund steht. Oder an die Bahntechnik, wo Zuverlässigkeit und raue Umweltbedingungen gefordert sind. Beide Bereiche werden wir weiter ausbauen.

Welche Folgen hat da die neue Bahntechnik-Norm EN50155:2016 für RECOM?

Zunächst bedeutet das eine Menge zusätzlicher Tests. Wir haben die Anzahl unserer Klimakammern mehr als verdoppelt, um diese Tests schnell fahren zu können. Gefordert sind statt vier jetzt sechs Temperaturbereiche (OT1-OT6). OT6 entspricht dem alten Tx (–40 bis 85 °C) – aber die Schwankungen der Umgebungstemperatur sind jetzt realistischer. Auch gibt es statt fünf Eingangs-Spannungen jetzt sieben. Neu sind 28 und 36 Volt, weil diese in S-Bahnen und Straßenbahnen häufiger verwendet werden. Kürzlich haben wir einen neuen DC/DC Wandler mit 10:1-Eingangsbereich vorgestellt. Der kann alle in der neuen Norm geforderten Spannungsbereiche abdecken.

Welche neuen Märkte und Anwendungsfelder möchte Ihr Unternehmen künftig mit Produkten und Services adressieren?

Rund um das Thema Sensorik und Datenübertragung entsteht ein Massenmarkt, der förmlich nach intelligenten Lösungen bei der Stromversorgung schreit. Man denke nur an Themen wie Energy Harvesting und IoT, wo aus einer durchweg instabilen Versorgungsspannung eine stabile gemacht werden muss. Auch das Auto wird ganz massiv „elektronisch“ - nicht nur der Antrieb. Hier entsteht eine Vielzahl neuer Applikationen, denen wir große Aufmerksamkeit schenken. Aber noch wichtiger ist für uns, die traditionellen Märkte mit zusätzlichen Produkten und Serviceleistungen zu versorgen. RECOM wird zum „One Stop Shop“, in dem unsere Kunden aus einer Hand fertig zertifizierte DC/DC- und AC/DC-Komponenten bekommen. Und zwar im gesamten Leistungsbereich von 0,25 bis 1000 Watt.

Wird Ihr heutiges Geschäftsmodell langfristig Bestand haben und welche neuen Chancen sehen Sie am Horizont?

Absolut! Allerdings ergänzen wir unser traditionelles Geschäftsmodell „high mix – low/medium volume“ durch „low mix – high volume“. Im Klartext: Wir bieten nicht nur eine breite Produktpalette für jede denkbare Applikation – sondern optimieren parallel dazu ausgewählte „High Runner“ für die Massenproduktion. Das ist insbesondere im Hinblick auf den chinesischen Markt wichtig, wo der Wettbewerbsdruck extrem ist. Die stehen dort einfach früher auf – nicht nur wegen der Zeitverschiebung! Dem müssen wir uns stellen, wenn wir langfristig eine Rolle spielen wollen. Deshalb sind wir offen für Akquisition und Joint Ventures – solange RECOM die Mehrheit hält.

Welche technischen Trends sehen Sie in der Power-Industrie?

Bei Wandler-Modulen geht der Trend nach wie vor in Richtung kleinerer Bauform und höherer Effizienz. Dabei ist der Trafo eine Schlüsselkomponente. Hier experimentieren wir mit neuen Konzepten und Materialien, die es uns in Zukunft ermöglichen werden, DC/DC-Wandler bei gleicher Leistung rund 25 Prozent kleiner zu machen. Im oberen Leistungsbereich zwischen 500 und 1000 Watt wird das Thema „Digital Controller“ immer wichtiger. Außerdem kooperieren wir eng mit Halbleiterherstellern. Einerseits um frühzeitig mit den passenden Produkten auf dem Markt zu sein. Andererseits um innovative Technologien wie GaN oder SiC effizient in eigenen Produkten einzusetzen.

Wie sehen Sie die Verlagerung von Hardware zu Software und was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Power-Produkte sind noch weitgehend analog geprägt. Zumindest für den Übertragungsweg der Energie wird dies auf lange Sicht so bleiben. Nicht nur, weil diese Technik preisgünstig und langlebig ist. Sondern weil auf absehbare Zeit Trafos nicht durch Software zu ersetzen sind … (schmunzelt). Mit wachsendem Anspruch aus der Applikation, z.B. einer dynamischen Parametrierung oder beim intelligenten Zusammenspiel mit dem Verbraucher sind Softwarelösungen gefragt. Gleiches gilt für die Steuerung von Powersystemen. Generell kann gesagt werden, je höher die Leistung desto attraktiver werden digitale Alternativen.

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