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Deutschland rutscht in eine Rezession

| Autor / Redakteur: dpa / Julia Schmidt

Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft mit Wucht. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent.

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Europas größte Volkswirtschaft stürzt zu Beginn der Corona-Krise in eine Rezession. Das Schlimmste ist damit aber wohl noch nicht überstanden.
Europas größte Volkswirtschaft stürzt zu Beginn der Corona-Krise in eine Rezession. Das Schlimmste ist damit aber wohl noch nicht überstanden.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay )

Export, Privatkonsum und Unternehmensinvestitionen brechen in der Corona-Krise ein: Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag (25.5.) mitteilte. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit erste Daten. Noch schlechter dürfte Ökonomen zufolge das zweite Quartal ausfallen.

Der Einbruch zum Jahresanfang war der stärkste Rückgang im Quartalsvergleich seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der zweitstärkste seit der deutschen Wiedervereinigung. Obwohl die Ausbreitung des neuartigen Virus die Wirtschaftsleistung im Januar und Februar nicht wesentlich beeinträchtigte, „seien die Auswirkungen der Pandemie damit bereits für das erste Quartal 2020 gravierend“, erklärten die Statistiker.

Investition und Konsum deutlich zurückgegangen

Die Schließung zahlreicher Geschäfte ab Mitte März zur Eindämmung der Pandemie bremste den Privatkonsum. Die Konsumausgaben der Verbraucher brachen im ersten Vierteljahr um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Der Privatkonsum ist eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur und macht gut die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Der Export von Waren und Dienstleistungen verringerte sich im ersten Quartal um 3,1 Prozent.

Unternehmen investierten deutlich weniger in Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen (minus 6,9 Prozent). Gestiegene Bauinvestitionen (plus 4,1 Prozent) und Konsumausgaben des Staates (plus 0,2 Prozent) verhinderten einen noch stärkeren Absturz.

Im März hatte sich die Pandemie in Europa ausgebreitet. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte brachten das Wirtschaftsleben in großen Teilen zum Erliegen. Bereits im Schlussquartal 2019 war die deutsche Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zurückgegangen. Sinkt das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer „technischen Rezession“.

Die Prognosen sind düster

Noch heftiger werden die Folgen der Krise nach Einschätzung von Ökonomen im zweiten Vierteljahr sein. „Die Wirtschaftsleistung dürfte nochmals erheblich niedriger ausfallen als im Durchschnitt des schon gedrückten ersten Vierteljahres“, hieß es im jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Diverse Prognosen im Markt gehen von einem Einbruch des deutschen BIP um bis zu 14 Prozent aus.

Für das Gesamtjahr rechnete die Bundesregierung zuletzt mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft Europas dürfte demnach um 6,3 Prozent schrumpfen, obwohl es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen soll. In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 war das BIP um 5,7 Prozent gesunken.

Ökonomen und Verbände erwarten teilweise einen noch tieferen Einbruch. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag befürchtet nach seiner jüngster Prognose einen BIP-Rückgang von zehn Prozent im Gesamtjahr. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet mit einem Minus von 7,1 Prozent.

Die Bundesregierung will Anfang Juni ein Konjunkturprogramm beschließen. Ziel ist es, die Wirtschaft im Zuge der schrittweisen Lockerung der Corona-Beschränkungen anzukurbeln. In der schwarz-roten Koalition wird aber um die richtigen Inhalte sowie die Kosten gestritten.(dpa)

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