Materialmangel bremst Außenhandel Deutscher Export-Boom schon wieder vorbei?

Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Nach überraschend hohen Absatzzahlen im ersten Halbjahr 2021 schwächeln die deutschen Exporte bereits wieder. Zwar gab es im Juli noch einmal einen kleinen Anstieg, aber die Probleme zeichnen sich deutlich ab. Verbände warnen vor den Folgen anhaltenden Materialmangels.

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Wartestellung: Container warten darauf, auf ein Schiff verladen zu werden. Nach einem unerwartet starken Export im ersten Halbjahr hat sich das Wachstum des Außenhandels zuletzt abgeschwächt. Sorgen machen Experten die sinkenden Importe – sie deuten auf anhaltenden Materialmangel hin.
Wartestellung: Container warten darauf, auf ein Schiff verladen zu werden. Nach einem unerwartet starken Export im ersten Halbjahr hat sich das Wachstum des Außenhandels zuletzt abgeschwächt. Sorgen machen Experten die sinkenden Importe – sie deuten auf anhaltenden Materialmangel hin.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Wachstum der deutschen Exporte hat sich im Juli abgeschwächt. Der um Saison- und Kalendereffekte bereinigte Wert der Ausfuhren wuchs im Vergleich zum Vormonat nur noch um 0,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden berichtete. Im Juni hatte es noch einen überraschenden Sprung um 1,3 Prozent gegeben.

Den Unternehmen machen Lieferengpässe und Materialmangel zunehmend zu schaffen, wie der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bestätigte. „Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen sowie die temporären Schließungen chinesischer Häfen bringen das Uhrwerk der internationalen Lieferketten derzeit aus dem Takt“, beschrieb DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier die Lage.

Exporte weiter im Plus – aber Dynamik gebremst

Mit einem Gesamtwert von 115 Milliarden Euro lag der Export im Juli dennoch 12,4 Prozent oberhalb des Wertes aus dem Vorjahresmonat, der allerdings sehr stark von der Coronakrise geprägt war. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau aus dem Februar 2020 haben sich die Exporte der vorläufigen Statistik zufolge um lediglich 1,6 Prozent gesteigert.

„Volle Auftragsbücher allein sind noch keine Garantie für künftige Exporterfolge. Probleme in den globalen Lieferketten, hohe Logistikkosten und ungeklärte Handelsstreitigkeiten sind dunkle Wolken am Konjunkturhimmel“, warnte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

„Deutliches Warnzeichen“: Importe gehen zurück

In den ersten sieben Monaten des Jahres wurden aus Deutschland insgesamt Waren und Dienstleistungen im Wert von 788,1 Milliarden Euro exportiert. Umgekehrt kamen in dem Zeitraum Importe von 679 Milliarden Euro nach Deutschland. Im Monatsvergleich zum Juni gingen die Einfuhren im Juli um 3,8 Prozent zurück.

Der Rückgang der Importe ist für den Chef-Volkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, ein deutliches Warnzeichen. „Der Zufluss von Materialien aus dem Ausland stockt. Dies wird auch die Industrieproduktion noch länger belasten.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich der stellenweise nur tröpfchenweise fließende Nachschub an Vorprodukten auch in den Exportzahlen niederschlagen werde. Die Automobilproduktion sei besonders stark betroffen.

Unternehmen bereiten sich auf eine Flaute vor

Laut einer Umfrage können 42 Prozent bestehende Aufträge nicht abarbeiten, 26 Prozent müssten ihre Produktion drosseln oder gar stoppen. Die Unsicherheiten blieben mindestens bis zum Jahresende groß, so dass mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen erst im kommenden Jahr mit einer Erholung der Lieferschwierigkeiten rechne. Dem BDI zufolge arbeiten die Unternehmen mit Hochdruck an der Diversifizierung ihrer Lieferketten und alternativen Beschaffungswegen.

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