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Deutsche Industrie leidet unter Corona-Pandemie

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die Unternehmen der Elektroindustrie, des Maschinenbaus und der Chemie bekommen die Folgen der Coronavirus-Pandemie am heftigsten zu spüren. 56,2% aller vom ifo Institut befragten 3400 Firmen in Industrie, Handel und Dienstleistung sprechen von negativen Auswirkungen.

Die weltweite Coronavirus-Pandemie lähmt zusehends auch die deutsche Wirtschaft. Besonders betroffen sind Maschinenbau und Elektroindustrie sowie die Chemiebranche.
Die weltweite Coronavirus-Pandemie lähmt zusehends auch die deutsche Wirtschaft. Besonders betroffen sind Maschinenbau und Elektroindustrie sowie die Chemiebranche.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash )

Die deutsche Wirtschaft leidet erheblich unter den Folgen der Corona-Pandemie. 56,2% der Unternehmen spüren derzeit negative Auswirkungen. Das ergab eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts unter knapp 3400 Firmen in Industrie, Handel und bei Dienstleistern.

Am schlimmsten ist die Lage bei den Reiseveranstaltern und Reisebüros, wo fast 96% negativ betroffen sind. Auch das Gastgewerbe mit 79% ist stark betroffen. Für manche haben der Ausbruch des Coronavirus und die sogar positive Seiten - das gilt aber nur für 2,2% der von ifo befragten Firmen.

Lieferung von Vorprodukten oder Rohstoffen bereitet Probleme

Im Verarbeitenden Gewerbe lag der Anteil der Firmen, die negative Auswirkungen der Corona-Pandemie spüren, bei 63%. 76,4% der beeinträchtigten Firmen sagen, es fielen Dienstreisen aus oder verzögerten sich.

Die Lieferung von Vorprodukten oder Rohstoffen bereitet 52% der betroffenen Unternehmen Schwierigkeiten. Die Geschäftstätigkeit bei ausländischen Töchtern ist bei 46,3% beeinträchtigt, und 44,1% spüren einen Rückgang der Nachfrage. Am stärksten betroffen sind Unternehmen der Elektroindustrie, des Maschinenbaus und der Chemiebranche.

Die Maschinenbauer in Deutschland durchleben ein noch schwierigeres Jahr als erwartet. Zu den bereits seit längerem spürbaren Belastungen – Handelskonflikte, weltwirtschaftliche Schwäche, Strukturwandel im Automobilbau – gesellt sich nun noch das Corona-Virus mit seinen momentan nicht absehbaren Folgen für die Gesamtwirtschaft.

Ein unerwartet schwaches Schlussquartal (minus 7%) sorgte bereits dafür, dass die Produktion im Maschinenbau im Gesamtjahr 2019 um real 2,8%punkte sank. Die Auftragseingänge blieben im vergangenen Jahr um 9% unter ihrem Vorjahreswert.

Maschinenbau rechnet für 2020 mit Rückgang

„Die Ausbreitung des Corona-Virus wirft uns spürbar zurück. Selbst unter der Annahme, dass sich die Lage im zweiten Halbjahr entspannt und die Geschäfte wieder besser laufen, werden wir die zusätzlichen Rückgänge in diesem Jahr nicht mehr wettmachen können. Soweit das heute überhaupt berechenbar ist, erwarten wir für 2020 ein reales Produktionsminus von 5%“, sagt VDMA-Präsident Carl Martin Welcker.

Nach Aussagen von VDMA-Präsident Carl Martin Welcker wirft die Ausbreitung des Corona-Virus den deutschen Maschinen- und Angenbau spürbar zurück.
Nach Aussagen von VDMA-Präsident Carl Martin Welcker wirft die Ausbreitung des Corona-Virus den deutschen Maschinen- und Angenbau spürbar zurück.
(Bild: VDMA/Uwe Nölke look@team-uwe-noelke.de )

Dass in den Betrieben Kurzarbeit nun deutlich schneller eingeführt werden kann und die Sozialbeiträge für Ausfallstunden vollständig von der Bundesagentur für Arbeit ohne weitere Bedingungen übernommen werden können, hält der VDMA für richtig und wichtig. „Aber die neuen Kurzarbeitsregelungen müssen selbstverständlich für alle Betriebe gelten. Der Maschinenbau wurde hier bisher vergessen. Viele Unternehmen kämpfen seit Monaten mit Unterauslastung und brauchen dringend eine praktikable Lösung für eine Verlängerung der Kurzarbeit, die nicht zuletzt aufgrund der Pandemie notwendig ist“, fordert VDMA-Präsident Welcker. Folglich dürfe im „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ die Kurzarbeit nicht an umfassende Weiterbildung geknüpft werden. „Wir haben im Augenblick ganz andere Sorgen. Ein Zwang zu einer formalistischen Weiterbildung geht an der Realität völlig vorbei“, betont Welcker.

Elektroindustrie sehr verhalten ins neue Jahr gestartet

Die deutsche Elektroindustrie ist laut ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann sehr verhalten ins Jahr 2020 gestartet. Dabei seien Effekte des Corona-Virus in den Januar-Zahlen aber noch gar nicht enthalten.
Die deutsche Elektroindustrie ist laut ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann sehr verhalten ins Jahr 2020 gestartet. Dabei seien Effekte des Corona-Virus in den Januar-Zahlen aber noch gar nicht enthalten.
(Bild: ZVEI )

Die deutsche Elektroindustrie verzeichnete nach Angaben des Branchenverbandes ZVEI einen schwachen Jahresauftakt. So lag der Auftragseingang im Januar 2020 um 7,7% unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Während die Inlandsbestellungen um 15,3% schrumpften, gaben die Bestellungen aus dem Ausland nur moderat um 1,1% nach. Hier standen sich ein Zuwachs der Bestellungen aus dem Euroraum um 5,3% und ein Rückgang der Auftragseingänge aus Drittländern um 4,7% gegenüber.

„Die verhaltene Ordertätigkeit 2019 hat sich mit Beginn dieses Jahres zunächst einmal fortgesetzt. Dabei sind die Effekte durch den Corona-Virus in den Januar-Zahlen noch gar nicht enthalten“, sagte ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann.

Gegenüber dem Vormonat haben die Elektrounternehmen ihre Produktionspläne im Februar kaum angepasst – allerdings ist auch hier der Corona-Effekt noch kaum berücksichtigt.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Industry-of-Things.de.

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