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Deutsche Erfinderinnen reichen kaum Patentanmeldungen ein

| Redakteur: Julia Schmidt

Obwohl der Anteil weiblicher Absolventen in den Ingenieurwissenschaften stetig zunimmt, findet sich weiterhin nur ein verschwindend geringer Teil weiblicher Erfinder, die ihre Ideen auch zum Patent anmelden.

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Im Jahr 2016 wurden gerade einmal 4,4 Prozent aller nationalen Patentanmeldungen beim Deutschen Patent und Markenamt von weiblichen Erfindern eingereicht. Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft machen eine wenig patentaffine Studenfach- und Berufwahl unter Frauen als Hauptgrund aus.
Im Jahr 2016 wurden gerade einmal 4,4 Prozent aller nationalen Patentanmeldungen beim Deutschen Patent und Markenamt von weiblichen Erfindern eingereicht. Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft machen eine wenig patentaffine Studenfach- und Berufwahl unter Frauen als Hauptgrund aus.
(Bild: Clipdealer)

Frauen leisten in Deutschland weiterhin nur einen geringen Beitrag zum Patentgeschehen. Bei zuletzt sogar rückläufiger Tendenz entfielen im Jahr 2016 gerade einmal 4,4 Prozent aller nationalen Patentanmeldungen beim Deutschen Patent und Markenamt auf weibliche Erfinder. In den USA liegt der Anteil der Patentanmeldungen von Frauen immerhin bei 12 Prozent.

Der geringe Prozentsatz ist auch überraschend wenig, wenn man zum Vergleich den Prozentsatz der weiblichen Absolventen im Bereich der Ingenieurwissenschaften heranzieht. Hier liegt der Anteil mit etwa 23 Prozent im Jahr 2016 zwar immer noch weit hinter dem der männlichen Kommilitonen und ist damit in den letzten 10 Jahren nur um einen Prozentpunkt gestiegen.

Aber das zeigt auch, dass es eigentlich einen weit größeren Pool an potenziellen Erfinderinnen geben müsste. Woran liegt es also, dass deutsche Frauen kaum Patente anmelden? Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat dazu nun eine Studie veröffentlicht.

Studienfach- und Berufswahl sind entcheident

In der Studie beleuchten die Forscher viele verschiedene Aspekte beleuchtet. Es wurde etwa untersucht ob die Erfinderinnen alleine oder im gemischten Teams als Patentanmelder genannt wurden. Auch die Herkunft der Patentanmelderinnen wurde unter die Lupe genommen: Dabei zeigte sich, dass unter den in Deutschland wohnhaften Erfindern mit ausländischer Herkunft der entsprechende Anteil von Patentanmeldungen mit 8,2 Prozent im Verhältnis doppelt so hoch liegt. Und es zeigte sich, dass die Erfinderinnen eher in Großstädten tätig sind. Ein weiterer Aspekt war das Tätigkeitsumfeld: Bei Patentanmeldungen aus der öffentlich finanzierten Grundlagenforschung etwa an Hochschulen lag der Frauenanteil bei 8,4 Prozent, bei Unternehmen der Privatwirtschaft, hier werden die meisten Patentanmeldungen genereiert, hingegen nur bei 4,1 Prozent.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass der Hauptgrund für den niedrigen Frauenanteil die nur wenig patentaffine Studienfach- und Berufswahl wäre, durch die sukzessiv der Großteil der Akademikerinnen der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung verloren geht. So sei es trotz intensiver Bemühungen durch Veranstaltungen wie dem Girls‘Day kaum gelungen, Frauen stärker für patentrelevante technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge zu begeistern.

Das Ergebnis ist insbesondere vor dem Hintergrund enttäuschend, dass das Verhältnis von weiblichen und männlichen Absolventen in den Ingenieurwissenschaften in den USA ähnlich zu sein scheint, wie in Deutschland. Generell scheinen Frauen eher „patentfaul“ zu sein. Das ließe sich noch mit der Studien- und Berufswahl erklären. Warum aber insbesondere deutsche Frauen noch seltener Patente anmelden, konnte die Studie nicht aufzeigen. Da man leider internationale Vergleiche komplett außer Acht gelassen hat, kommt dieser Umstand in der Studie gar nicht vor. Dabei handelt es sich hierbei, um die eigentlich interessantere Frage.

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