Deutsche Bauelemente-Distribution wartet weiter auf Wachstums-„Impfstoff“

Redakteur: Margit Kuther

Der Umsatz der im Fachverband Bauelemente-Distribution organisierten Distributionsunternehmen ging im dritten Quartal um 11,9% auf 708 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal zurück. Am meisten schwächelten Passive und Halbleiter.

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FBDi-Quartalszahlen: Im 3. Quartal 2020 sank der Umsatz der Distributoren um 11,9% im Vergleich zum Vorjahresquartal.
FBDi-Quartalszahlen: Im 3. Quartal 2020 sank der Umsatz der Distributoren um 11,9% im Vergleich zum Vorjahresquartal.
(Bild: FBDi)

Die leichten Hoffnungen nach dem Abflauen der ersten COVID-19-Welle auf eine Erholung des Bauelemente-Distributionsmarktes haben sich nicht ganz eingestellt, so das Ergebnis des FBDi. Neben einem Umsatzrückgang um 11,9% bröckelten auch die Aufträge weiter ab, um 8,1% auf 626 Mio. Euro. Im 9-Monats-Vergleich liegt der Distributionsmarkt um 16% im Minus.

Die Book-to-Bill-Rate – das Verhältnis vom Auftragseingang zum Umsatz – von 0,88 deutet auf eine weitere Abschwächung des Umsatzes bis Jahresende hin. Positiv wäre eine Book-to-Bill-Rate von 1 oder höher. Einen kleinen Lichtblick gibt es doch, denn die Book-to-Bill-Rate war bereits schlechter: mit 0,83 hatte sie im 3. Quartal 2019 einen einen historisch niedrigen Wert – und zwar vor der Corona-Pandemie.

Ergebnisse nach Komponenten

Mit -17,9% (84 Mio. Euro) beim Umsatz schwächeln vor allem die passiven Bauelemente, gefolgt von den Halbleitern (-11,9% auf 482 Mio. Euro) und der Elektromechanik (-3,8% auf 91 Mio. Euro). Sensoren, Displays, Baugruppen und Stromversorgungen verloren ebenfalls an Umsatz. In der Umsatzverteilung stellen die Halbleiter 68% des Gesamtumsatzes, Passive nur noch 12%, Elektromechanik 13%, Stromversorgungen 4% und alle anderen Produktgruppen zusammen 3%.

Es fehlt jegliche Visibilität in die Geschäftsentwicklung

FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger: „Die wirtschaftliche Lage in unserer Branche hat sich zwar sequentiell leicht verbessert, aber im Jahresvergleich liegt der Umsatz deutlich unter dem ohnehin schon schwachen Vorjahr. Die schwache Auftragslage wird auch für die nächsten Monate keine großen Sprünge erwarten lassen, trotz positiver Signale aus China und einen „soften“ zweiten Lockdown, der die produzierende Industrie verschont hat. Nach wie vor fehlt jegliche Visibilität in die kurz- bis mittelfristige Geschäftsentwicklung.“

Die Wirtschaft trotzt Corona, Brexit & Co.

Allerdings ist die Stimmung in der Gesamtwirtschaft nach wie vor vorsichtig positiv, trotz COVID-19, US-Wahl und Brexit. Steinberger: „Die im Oktober von IHS Markit veröffentlichten PMIs (Production & Manufacturing Indices) blieben weiterhin über dem Wert 50, was Glauben an Wachstum suggeriert.

Hinzu kommt die Hoffnung auf Impfstoffe, die mittelfristig zur Normalität des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens beitragen werden und dem globalen Handel wieder Auftrieb geben sollten. Kurzfristig dürfte es weiterhin eng bleiben, die nächsten ein, zwei Quartale werden wohl von Vorsicht und Abwarten geprägt sein, mit den entsprechenden Auswirkungen auch auf die industrielle Lieferkette.“

Innovationen, hervorgegangen aus der Krise

Die Frage, wie es insgesamt weitergehen soll, bleibt aus FBDi-Sicht nach Meinung von Steinberger weiter offen: „Die Fokussierung der derzeitigen Diskussion auf COVID-19 und die Folgen sollte nicht den Blick darauf verstellen, welche ebenso kritischen Zukunftsaufgaben in den nächsten Jahren der Lösung oder zumindest der Richtungsentscheidung harren.

Der große Konsens zum Klimawandel und seinen Folgen in den Statements muss entsprechende Entscheidungen auf politischer Ebene zur Folge haben. So können langfristig die wirtschaftlichen Folgen der derzeitigen Krise – Milliardenschulden, Steuerausfälle – in Innovationsführerschaft übersetzt werden und sich in einem Wachstumssegment Schlüsselindustrien mit positiven Effekten sowohl für die Umwelt als auch die Wirtschaft entwickeln.“

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