EMS-Provider Deutsch-israelische Synergien: Das Beste aus zwei Welten

Redakteur: Johann Wiesböck

Eine internationale Zusammenarbeit bietet viele Chancen, aber auch Risiken. Für das Augsburger EMS-Unternehmen BMK hat sich sein Engagement in Israel gelohnt – interkulturell und technologisch.

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Blick in die BMK-Fertigung am Standort in Israel
Blick in die BMK-Fertigung am Standort in Israel
(Bild: V-W.CO.iL)

Die Synergien einer internationalen Zusammenarbeit in interkultureller aber auch in technologischer Sicht zu nutzen, schafft einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – sowohl für die kooperierenden Unternehmen als auch für deren Kunden. BMK ist ein mittelständischer Elektronikdienstleister mit Hauptsitz in Augsburg. 2005 gründete das Unternehmen eine Tochtergesellschaft in Israel. Aufgrund von bestehenden Geschäftsbeziehungen in diesem interessanten Markt, wollte BMK für israelische Unternehmen auch lokal produzieren. Israel verfügt über viele innovative High-Tech-Unternehmen, die ins Ausland expandieren. Für diese Unternehmen stellt sich BMK als richtiger Partner auf.

Im folgenden Interview geben Avi Cohen, CEO von BMK IL, und Simon Barth, Teamleiter in der Business Unit International bei BMK in Augsburg, Einblicke in die länderübergreifende Zusammenarbeit und deren Synergien.

Wie stellt sich die menschliche Zusammenarbeit dar? Gibt es interkulturelle Unterschiede?

S. Barth: Die menschliche Zusammenarbeit ist sehr gut. Natürlich stellt man Unterschiede in der Mentalität fest. Sofern man überhaupt eine pauschale Aussage treffen kann, ist die israelische Mentalität unkompliziert und durch eine hartnäckige Vorgehensweise gekennzeichnet. Wir haben in der Zusammenarbeit eine Mischung aus zielgerichteter und intelligenter Vorgehensweise kennengelernt.

A. Cohen. Die Zusammenarbeit ist sehr gut und kooperativ. Ich sehe keine interkulturellen Unterschiede, die die Zusammenarbeit negativ beeinflussen könnten. Wir sehen interkulturelle Unterschiede als Vorteil bei der Zusammenarbeit. Jede Seite bringt etwas mit, in der Art und Weise, wie wir Dinge denken und managen, die dazu beitragen, die finalen Ergebnisse zu verbessern.

Was zeichnet den israelischen Markt aus?

Avi Cohen, CEO BMK IL: „Ich sehe interkulturelle Unterschiede als Vorteil. Jede Seite bringt etwas mit, in der Art und Weise, wie wir Dinge denken und managen. Das verbessert die Ergebnisse.“
Avi Cohen, CEO BMK IL: „Ich sehe interkulturelle Unterschiede als Vorteil. Jede Seite bringt etwas mit, in der Art und Weise, wie wir Dinge denken und managen. Das verbessert die Ergebnisse.“
(Bild: BMK)

A. Cohen: Ich würde sagen, Lieferzeit und Flexibilität sind sehr wichtige Faktoren in allen Bereichen elektronischer Produkte von der Vorproduktionsphase bis zur Serienproduktion. Insbesondere auf dem israelischen Markt wird erwartet, dass alles viel schneller und flexibler wird. Zum Beispiel beträgt unser durchschnittlicher Standardproduktionszyklus in BMK IL nur wenige Tage. Und wir sind trotzdem der Meinung, dass wir hier weiter verkürzen müssen, um ihn an die Kundenerwartungen anzupassen.

S. Barth: Aus deutscher Sicht ist eine Marktbesonderheit in Israel die ausgeprägte Start-up-Szene. Außerdem sind viele Unternehmen technologische Vorreiter im Bereich Elektronik und Software. Daher besteht ein großer Bedarf an hoher Flexibilität und schnellen Reaktionen, die erforderlich sind, um erfolgreich zu sein. BMK IL hat spannende Kunden beispielsweise aus den Segmenten Medizin- und Halbleiter in denen laufende Innovation Standard ist.

Israel ist bekannt für kreative Hightech- und Spezialunternehmen in Elektronik und IT. Aber die Unternehmen selbst sind in Deutschland nicht so bekannt. Woran liegt das?

A. Cohen: Es gibt eine Mischung von Unternehmen in Israel. Ein großer Teil sind High-Tech-Unternehmen, die in Israel gegründet wurden und im Rahmen der Unternehmensentwicklung in die USA expandieren. Einige bekannte Beispiele sind Check Point, Mobily, Mellanox, SolarEdge, Waze, Wix, Fivver, und viele mehr. Könnte sein, dass dies auf die politische Nähe beider Länder und die enge Verflechtung der Wirtschaftssysteme der USA und Israel zurückzuführen ist. Diese Unternehmen sind deshalb in Deutschland nicht so bekannt. Der Schritt nach Europa gewinnt aber an Bedeutung.

Deutschland ist marktbedingt stark in Industrie, Automotive und Medizinelektronik und auch bei Embedded-Software. In welchen Disziplinen sind die Israelis besonders gut?

A. Cohen: Israel ist stark in den Hightech-Bereichen: Telekommunikation, Energie, Wasserentsalzung, Medizinische Elektronik, Landwirtschaft und natürlich Software - von der Webanwendung bis zur Cyber Security. Darüber hinaus ist das Verteidigungssegment sehr bedeutsam. Wir sehen, dass sich das High-Tech-Segment im Allgemeinen weiterentwickelt und alle anderen Sektoren aus technologischer Sicht vorantreibt. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung pro Kopf gelten als die weltweit höchsten.

In welchen Bereichen arbeiten Sie eng zusammen? Wo entstehen Synergien?

Simon Barth, Teamleiter in der Business Unit International bei BMK in Augsburg: „Sofern man überhaupt eine pauschale Aussage treffen kann, ist die israelische Mentalität unkompliziert und durch eine hartnäckige Vorgehensweise gekennzeichnet.“
Simon Barth, Teamleiter in der Business Unit International bei BMK in Augsburg: „Sofern man überhaupt eine pauschale Aussage treffen kann, ist die israelische Mentalität unkompliziert und durch eine hartnäckige Vorgehensweise gekennzeichnet.“
(Bild: BMK)

S. Barth: Wir sehen hier vor allem die Bereiche Produktion und -technik, Test Support/-entwicklung, die Supply Chain sowie bei Prozessen allgemein. Generell tauschen wir Erfahrungen in der Produktion auf Projektbasis aus, um Synergien zu nutzen. Auch in der Produktionstechnik steigern wir die interne Wertschöpfung, indem wir schneller interner Dienstleister sind. So kann z.B. BMK IL auf den deutschen Werkzeug- und Anlagenbau sowie die Testentwicklung zugreifen.

Der strategische Einkauf von BMK bündelt Synergien aus den Standorten in Europa, Israel und China. Das weltweite Netzwerk und die hohen Volumina schaffen für die Kunden Vorteile in Preis und Lieferzeit. Durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch zu Digitalisierungsthemen wie Traceability oder MES profitieren wir gegenseitig voneinander.

Die Synergien zwischen den BMK Firmen unterstützen das Unternehmenswachstum und tragen dazu bei, strategischen Kunden ausgezeichneten Support zukommen zu lassen.

A. Cohen: BMK IL und BMK D arbeiten in allen Bereichen zusammen. Angefangen bei F&E-Unterstützung, DF'x-Berichterstattung, Testdesign, strategischer Beschaffung und Fertigung. Es kommt auf die Kundenbedürfnisse an und darauf, was wir mit unseren Synergien dazu beitragen können. Normalerweise ist die Basis für die Synergie der Mehrwert für den Kunden. Dies kann Fachwissen in einem bestimmten Bereich, Wettbewerbsfähigkeit aufgrund globaler Beschaffung oder Lead Time-Verbesserung als Teil der Lieferkette sein.

Welche Chancen birgt die länderübergreifende Zusammenarbeit? Wo liegt das größte Potenzial für die Kunden?

A. Cohen: Ein Synergievorteil ist die One-Stop-Shop-Lösung, die wir intern teilen. Unsere Kunden können von lokaler und globaler Versorgung unter einem Dach und von Kommunikationsverbindungen profitieren und gleichzeitig den Vorteil von Lösungen für die Lieferkette/Supply Chain, Services und Wettbewerbsfähigkeit der Gruppe nutzen, die auf den Produkt- und Marktanforderungen basieren.

S. Barth: BMK IL kann seinen Kunden einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, da ein großer Konzern mit entsprechenden Ressourcen den Rücken stärkt. So können israelische Kunden auch auf ein europäisches Produktionsnetzwerk mit Fertigungen in Deutschland und Osteuropa (Tschechien) zugreifen. Eine entsprechende Second Source Strategie und der Zugriff auf Kapazität erhöht die Sicherheit. Außerdem gibt es keine Sprachbarrieren zu lokalen Kunden.

Welche Vorteile bringt das für die Supply Chain?

Der BMK-Standort in Israel
Der BMK-Standort in Israel
(Bild: BMK)

A. Cohen: BMK als Gruppe bildet eine lückenlose Lieferkette ab. Über eine Niederlassung in China (BMK China) beschaffen wir direkt kundenspezifische und kritische Artikel aus Fernost, optimiert die Lieferkette in dieser Region und verkürzt dadurch die Vorlaufzeit. Als Gruppe verfügen wir über eine zentralisierte strategische Beschaffung. Unser Netzwerk an globalen Produktionsstandorten bietet vielfältige Möglichkeiten nah am Vertriebsstandort zu produzieren.

S. Barth: Der strategische Einkauf von BMK hat ein hohes Volumen und sehr gutes Netzwerk. BMK IL nutzt dieses Einkaufsnetzwerk, um durch bessere Kontakte und höherem Volumen bessere Preise zu erzielen, so z.B. beim Sourcing von Batterien oder Leiterplatten. Zu manchen Lieferanten hat Israel kürzere und bessere Kontakte. Insgesamt verfügt BMK durch das weltweite Sourcing an den Standorten in Europa, Israel und China über ein weltweit gewachsenes Netzwerk. Preise und Lieferzeiten können so optimiert werden. Durch das Zusammenführen der besten Optionen aus den einzelnen BMK Standorten macht BMK den Unterschied.

Bei welchem konkreten Kundenprojekt kommt die Zusammenarbeit zum Tragen?

A. Cohen: Ein Beispiel für die Zusammenarbeit ist die gemeinsame Unterstützung eines strategischen Kunden, der Marktführer im Bereich der Medizintechnik ist. Im Rahmen des gegenseitigen Supports und dem Teilen von Know-how, stellten wir unserem Kunden in Israel fortschrittliche Lösungen zur Verfügung, die die F&E-Aktivitäten bei strategischen Produktherausforderungen unterstützen. Nach der erfolgreich verlaufenden Montage bei BMK D betont der BMK IL Kunde, dass die hohe Qualität aufgrund der hervorragenden Partnerschaft mit BMK D unter der Leitung von BMK IL beeindruckend ist. Das für den Kunden sehr wichtige und strategisches Projekt ist auch bei BMK in den Fokus gerückt: Von der Materialplanung bis zur Testdesign-Beratung. Muster wurden mit sehr strenger Sorgfalt und professionellem Fokus inklusive zusätzlicher Kontrollen, die Funktionsfähigkeit vom ersten Durchlauf an garantierten, gefertigt. Der Kunde unterstreicht, dass er die globalen Bemühungen der BMK-Teams sehr schätzt.

In welchem Bereich sehen Sie einen weiteren Kundenvorteil durch die Zusammenarbeit von Deutschland und Israel?

Der BMK-Standort in Augsburg
Der BMK-Standort in Augsburg
(Bild: BMK)

S. Barth: BMK IL Kunden können auf ein leistungsfähiges Netzwerk aus Entwicklung, Testentwicklung, Werkzeug- und Anlagenkonstruktion sowie Prototypenbau zugreifen - und das bei sprachlicher und geografischer Nähe. Zusätzlich ermöglicht BMK seinen Kunden einen einfachen Marktzugang nach Europa.

Wie findet der Austausch statt? Inwieweit kann die Digitalisierung die Zusammenarbeit unterstützen?

A. Cohen: Der größte Teil der Kommunikation ist digitalisiert. Derzeit erfolgt die gesamte Kommunikation über Videokonferenzen, E-Mails und Apps für die Zusammenarbeit. Während der Pandemie nahm die Nutzung der digitalen Kommunikation zu und wir lernten, alle Prozesse elektronisch abzubilden. Zwei Beispiele: Wir haben eine NPI-Produktion in Deutschland für einen wichtigen israelischen Kunden im Detail geplant - einschließlich Teamreisen. Und dann kam die Pandemie. Wir haben uns entschlossen, wie vorgesehen fortzufahren und den geplanten Liefertermin einzuhalten. Mithilfe der digitalen Kommunikation funktionierte alles reibungslos.

Ein weiteres Beispiel ist die Installation eines sehr komplexen Testsystems, das wir gemeinsam in Deutschland entworfen haben und das, wie gewohnt, durch das Testentwicklungsteam in Israel installiert werden sollte. Aufgrund der Pandemie mussten wir neue Wege gehen. Die Ingenieure aus Deutschland kommunizierten online während wir vor Ort das System installiert haben.

S. Barth: Vor der Pandemie haben wir uns regelmäßig besucht. Aktuell findet der Austausch ausschließlich über Online-Meetings statt. Die digitalisierte Zusammenarbeit vergrößert die Effizienz.

Ein Blick in die Zukunft: Was ist geplant?

A. Cohen: Wir wollen uns stetig weiterentwickeln und die Dienstleistungen, die wir weltweit anbieten, vertiefen, um unseren Kunden Mehrwert zu bieten und den Unterschied zu machen. Unsere Kunden profitieren davon, wenn wir eng zusammenarbeiten und Synergien nutzen. Mithilfe der digitalen Kommunikation, die fast von allen Branchen adaptiert ist, wollen wir neben der elektronischen Fertigung mehr Engineering-Dienstleistungen- und Fulfillment-Services vorantreiben.

S. Barth: Die interkulturelle Zusammenarbeit hat sich als äußerst bereichernd erwiesen. Wir denken, dass wir unseren Kunden einen einmaligen Mehrwert bieten. Dies wollen wir bekannter machen, weiter ausbauen und vertiefen.

Hintergrund zur BMK Group: BMK wurde 1994 gegründet. Hauptsitz ist Augsburg. Weitere Niederlassungen befinden sich in Israel, Tschechien, China und Deutschland. Das EMS-Unternehmen beschäftigt ca. 1.000 Mitarbeiter in Entwicklung, Fertigung und After-Sales Service.

BMK IL wurde 2005 gegründet. Standort dort ist in Migdal Tefen Ind Zone, im nördlichen Teil von Israel, Galil – Hightech Area rund um Haifa. Kapazität: 5 SMT-Linien, 4 Selektiv-Lötmaschinen und 1 Wellenlötmaschine in N2-Umgebung. Test: 2 ICT, Boundary Scan, Synergy Test System (Functional Test), 30 NPIs pro Monat, 55.000 PCBAs pro Monat.

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