Der Weg zur passenden Plattform für die eigene IoT-Applikation

| Autor / Redakteur: Jan Rodig * / Sebastian Gerstl

Die acht zentralen Module einer modernen IoT-Plattform
Die acht zentralen Module einer modernen IoT-Plattform (Bild: tresmo)

Eine IoT-Plattform vereint vernetzte Produkte und Services zu neuen Erlösquellen – wenn sie zur eigenen Anwendung passt. Folgende Gedanken helfen bei der Wahl der richtigen Plattform.

Die richtige IoT-Plattform ist die Voraussetzung dafür, dass vernetzte Produkte und digitale Services neue Erlösquellen für Unternehmen werden. Doch sie haben eine Voraussetzung: die richtige IoT-Plattform für die eigenen Anforderungen. Bei ihrer Auswahl sollten Unternehmen einige gängige Fehler vermeiden. Denn eine falsche Entscheidung bei der IoT-Plattform kann teuer werden. Im schlimmsten Fall fangen Unternehmen mit ihrem IoT-Vorhaben fast wieder bei Null an.

Daher sollte die Plattformauswahl und -implementierung gut durchdacht werden. Eine IoT-Plattform ist zwar keine Grundvoraussetzung für einen IoT-Service, sie vereinfacht die Sache aber enorm. Denn als Mittler zwischen den vernetzten Dingen wie Maschinen, Autos oder anderen Gegenständen und den Anwendungen wie Web-Applikation oder mobilen Apps bringen sie wichtige Grundfunktionen gleich mit. IoT-Plattformen sollten folgende elementare Funktionalitäten enthalten:

  • Connectivity
  • Datenstandardisierung und Datenmanagement
  • Datenvisualisierung
  • Device- und Service-Management
  • Externe Schnittstellen
  • Unterstützung der Entwicklung
  • Sicherheits-Features

Das Angebot an IoT-Plattformen ist in den letzten Jahren förmlich explodiert: Aktuell gibt es rund 500 kommerzielle Lösungen. Bei der Auswahl unterlaufen Unternehmen oft drei typische, strategische Fehler: Sie entscheiden sich bei „Make or Buy“ falsch, sie wählen eine ungeeignete oder zu teure Plattform oder sie machen sich zu stark abhängig von einer IoT-Plattform.

Für die Nutzung kommerzieller IoT-Plattformen spricht vor allem eine kostengünstigere Entwicklung der eigenen Lösung und eine deutlich schnellere Time-to-Market. Schließlich müssen Unternehmen das Rad nicht von Grund auf neu erfinden. Die Nachteile sind zumeist hohe laufende Kosten, Bedenken bezüglich Datenhoheit und -sicherheit sowie mögliche langfristige Lock-in-Effekte.

„Make or Buy“ – die richtige Entscheidung treffen

Die meisten Firmen entscheiden sich für eine solche kommerzielle Lösung. Ob diese als Private-Cloud-, Public-Cloud- oder Hybrid-Cloud-Lösung betrieben wird, ist neben dem Sicherheitsbedürfnis vor allem eine Kostenfrage. Selbst betriebene Lösungen haben einen deutlich höheren Instandhaltungsaufwand. Der Aufbau einer eigenen Plattform ist hingegen eher etwas für Großunternehmen, B2B-Hersteller mit einem breiten Wertschöpfungsfokus sowie Unternehmen in bestimmten Branchen – beispielsweise Industrieautomation – oder mit einer speziellen strategischen Positionierung. Verglichen mit Eigenentwicklungen verkürzen kommerzielle Plattformen die Entwicklungszeit für komplexe IoT-Projekte um ein bis zwei Jahre auf etwa die Hälfte.

Eine geeignete IoT-Plattform finden

Die Folgen einer Fehlentscheidung zugunsten der erstbesten Plattform, ohne zuvor genau die Spezifikation der Anforderungen zu analysieren, können weitreichend sein. Ein Plattformwechsel führt zu hohen Folgekosten: Vom Einspielen neuer Firmware bis hin zum Austausch der Endgeräte kommt ein hoher Zusatzaufwand auf das Unternehmen zu. Von erheblichen Verzögerungen beim Time-to-Market, einem möglichen Imageschaden und dem Ärger mit einem zumindest teilweise gescheiterten Projekt ganz zu schweigen. Um das zu vermeiden, sollten sich Unternehmen vorab detailliert mit ihrem Projekt, dessen Zielen und genauen technischen Spezifikationen auseinandersetzen. Die Plattformevaluation erfolgt dann idealerweise systematisch anhand eines Fragenkatalogs, der sich sowohl an die Anbieter als auch an das eigene Projektteam richtet.

Die Grafik zeigt die Elemente einer typischen IoT-Lösung.
Die Grafik zeigt die Elemente einer typischen IoT-Lösung. (Bild: tresmo)

Aus den Erfahrungen aus über 30 IoT-Projekten hat tresmo eine Checkliste mit rund 80 Parametern zusammengestellt. Ein wichtiges Thema darin ist die „Cloud Connectivity“: Hier fragt sie beispielsweise die Zahl der gleichzeitig möglichen Verbindungen, die zu unterstützenden Kommunikationsprotokolle und die Absicherung des Transport Layers ab. Der Abschnitt „Serverseitige Interaktion mit IoT-Geräten“ beschäftigt sich mit den verfügbaren Schnittstellen, um Authentifizierung und Autorisierung sowie die Möglichkeit der Echtzeit-nahen Kommunikation.

Darüber hinaus sollten sich Unternehmen Gedanken machen über die Themen Skalierung, IT-Sicherheit und Datenschutz, Art und Weise der Abhängigkeit vom Anbieter (Vendor-Lock-in), IoT-Geräte-Produktion, Hosting, eingebettete SDKs (Software Developer Kits) sowie schließlich die Administration, den Support und entsprechende SLAs (Service Level Agreements). Trotzdem lässt sich ein Plattformwechsel im laufenden Projekt nicht immer vermeiden. Denn die Anforderungen können sich ändern oder das Preismodell rentiert sich vor dem Hintergrund neuer Anforderungen nicht mehr. Deshalb sollte diese Option möglichst von Beginn an in die Überlegungen einbezogen und eine Plattform gewählt werden, die niedrige Wechselbarrieren aufstellt.

Lock-in durch Anbieter von IoT-Plattform vermeiden

Die übergreifende IT-Architektur spielt eine zentrale Rolle, wenn es um die Vermeidung von Abhängigkeiten von der IoT-Plattform geht. Denn als Herzstück einer IoT-Lösung kann eine solche Plattform einen enormen Lock-in-Effekt haben. Das lässt sich vermeiden, indem man die Plattform so weit wie möglich abstrahiert. Zu den verfügbaren Möglichkeiten dafür zählen der Einsatz von Container-Technologien, das Schaffen individueller Schnittstellen sowie eine genaue Definition, welche Funktionen überhaupt auf der Plattform angesiedelt werden müssen. Im Ergebnis wird die IoT-Plattform dann ein leicht austauschbares Commodity – ein unschätzbarer Vorteil, wenn sich die Anforderungen aufgrund neuer Use Cases oder Produkte ändern oder wenn die Plattformanbieter ihre Kostenmodelle anpassen.

Gerade letztere Anpassungen sind eine große Herausforderung. Oft spezifizieren Unternehmen ihre Anforderungen an IoT-Plattformen nur vage und vergessen viele wichtige Kostentreiber. Da sich die Kostenmodelle vieler IoT-Plattformen zudem stark voneinander unterscheiden und auf verschiedenen Parametern aufbauen, können sich die Kosten für einen konkreten Einsatzzweck schon einmal leicht um den Faktor zehn unterscheiden. Wichtig ist: Es gibt nicht die eine günstigste Plattform. Vielmehr muss man sich das auf Basis sauber definierter Anforderungen jeden Fall im Detail anschauen und dabei auch die strategische Roadmap im Hinterkopf haben.

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* Jan Rodig ist CEO des IoT-Dienstleisters tresmo in Augsburg.

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