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Der vielfältige Einsatz von Glas im Display für Fahrzeuge

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Glas ist eines der ältesten Werkstoffe, den Menschen verwenden. Und Glas ist für moderne Displays nicht mehr wegzudenken. Welche Vorteile Glas für Automobil-Anwendungen bietet, diskutierten die Mitglieder des Deutschen Flachdisplay Forums (DFF) auf ihrem November-Treffen im Detail.

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Gruppenfoto der Teilnehmer: In Goslar diskutierten die Mitglieder des Deutschen Flachdisplay Forums (DFF) über die Möglichkeiten von Glas für Displays.
Gruppenfoto der Teilnehmer: In Goslar diskutierten die Mitglieder des Deutschen Flachdisplay Forums (DFF) über die Möglichkeiten von Glas für Displays.
(Bild: DFF)

Am 27. und 28. November trafen sich die Mitglieder des Deutschen Flachdisplay Forums (DFF) in Goslar, um sich über das Thema Glas für Displays in Automobil-Applikationen auszutauschen.

Los ging es am Nachmittag des ersten Tages: Es stand eine Betriebsbesichtigung bei Euroglas in Haldensleben bei Magdeburg auf der Agenda. Hier konnten sich die Teilnehmer hautnah ein Bild machen, wie aus den Ausgangsmaterialien, das sogenannte Gemenge, alle Materialien in der 1550 °C heißen Schmelze zu Floatglas werden.

Displayschutzgläser und Coverglas

Nachdem jetzt alle Teilnehmer wissen, wie Flachglas entsteht, stand der zweite Tag im Fokus von Fachvorträgen und den gegenseitigen Austausch. Das Thema Glasherstellung nahm Dieter Wagner, CEO bei EuropTec in Goslar, gleich auf und begrüßte die Teilnehmer in den Räumlichkeiten seines Unternehmens. Damit schloss sich auch der Bogen zum Vorabend: EuropTec ist ein Produktionsbetrieb für Gläser, die unter anderem für Displays verwendet werden. In seinem Vortrag gab Dieter Wagner einen kurzen Einblick über die Tätigkeitsfelder seines Unternehmens. Interessant sind hier vor allem die Einsatzgebiete als Displayschutzgläser aber auch für Bedien- und Steuergeräte im Maschinen- und Anlagenbau sowie der Automobilindustrie.

Schutzglas (Coverglas) und kapazitive Touchpanels – das war der Übergang zu Wilfried Reeh von Holitech Europe. Auch er stellte sein Unternehmen kurz vor und ging gleich auf das Thema Coverglass ein. Ein Display für Industrie und Automobil muss vor äußeren Einflüssen geschützt sein. Deshalb muss das verwendete Coverglas speziell gehärtet werden. Reeh stellte das Prinzip des sogenannten Thermal Hardenings vor. Weiter zeigte er auf, welche chemischen Hürden es beim Härten gibt. Allerdings ist Holitech aktuell nicht mit seinen Produkten für den Automobilmarkt vertreten.

Der Test eines Displays

Bereits im September wurde im Rahmen eines Treffens die Arbeitsgruppe „Display Durability Testing Working Group“ ins Leben gerufen. Hier geht es um den Test von Oberflächen, Materialien und Funktionalitäten bei einem Display. Geleitet wird die Test Group innerhalb des DFF von Prof. Dr. Wolfgang Weinhold (Innowep GmbH aus Würzburg). Prof. Weinhold ging kurz auf die unterschiedlichen Display-Typen ein. Warum ein Test für Displays komplex und aufwendig ist, zeigt die Tatsache, dass Displays über unterschiedliche Oberflächen und Touch-Funktionen verfügen. Dazu sind verschiedene Testarten notwendig. Hier könnte man sich von bereits existierenden Testverfahren aus der Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung bedienen.

Prof. Weinhold ließ auch das Thema menschliche Psychologie nicht außen vor, die bei der Bedienung eines Displays eine nicht unwichtige Rolle spielt. So ist das Druckempfinden des Fingers von Mensch zu Mensch unterschiedlich und bisher nicht messbar. Ein Beispiel ist, wenn das Display einen Tastenhub simuliert. Resümee: Es muss eine gemeinsame Sprache für das Testen eines Displays gefunden werden. Hier wird sich die Arbeitsgruppe in weiteren Treffen vertiefen.

Verkapselung von OLEDs

Dr. Armin Wedel vom Fraunhofer IAP aus Potsdam ging in seinem Vortrag auf die Verkapselung von OLEDs mit Glas ein und die damit verbundenen Vorteile. Denn bei bisherigen Entwicklungen wird die OLED mit Kunststoff verkapselt. Das hat allerdings den entscheidenden Nachteil, dass Kunststoff Wasser absorbiert. Im nächsten Schritt soll die Entwicklung vom Labor in den Serienprozess überführt werden. Auf einer speziellen Sheet-to-Sheet-Linie sollen künftig günstige passive Matrix OLEDs gefertigt werden. Glas kommt dabei nicht nur als Cover (Schutz) der OLED zum Einsatz, sondern ist auch Träger.

Eine spiegelnde Oberfläche ist für die Messtechnik eine Hürde und verfälscht die Messwerte. Egal ob die Oberfläche eines Displays das Sonnenlicht reflektiert oder die Oberfläche absichtlich spiegelt und zudem über eine funkelnde Oberfläche verfügt. Jürgen Neumeier von Instrument Systems aus München zeigte in seinem Vortrag, wie mithilfe von Algorithmen eine Kamera die Oberfläche eines solchen spiegelnden und funkelnden Displays untersuchen kann. Die auf mathematischen Funktionen beruhenden Algorithmen filtern das Funkeln heraus.

Abschließend gab Dr. Ulrich Rütten vom DFF noch aktuelle Informationen aus dem Forum bekannt und verabschiedete die Teilnehmer. Die Hosts, also die Gastgeber für die nächsten Veranstaltungen des DFF im Jahr 2020, stehen bereits fest.

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