Der große EP-Jahresrückblick 2018

| Autor / Redakteur: die EP-Redaktion / Julia Schmidt

KI, Machine Learning, 5G, Zölle, gescheiterte Übernahmen, Brexit, der Dieselskandal samt Dieselfahrverboten und mehrere Flüge zum Mars: 2018 hat sich viel getan, dass uns noch länger begleiten wird.
KI, Machine Learning, 5G, Zölle, gescheiterte Übernahmen, Brexit, der Dieselskandal samt Dieselfahrverboten und mehrere Flüge zum Mars: 2018 hat sich viel getan, dass uns noch länger begleiten wird. (Bild: gemeinfrei / CC0)

KI, Machine Learning, 5G, Zölle und Handelsstreit zwischen den USA und China, gescheiterte Übernahmen, erfolgreiche Übernahmen, der Brexit, der Dieselskandal samt Dieselfahrverboten und mehrere Flüge zum Mars: 2018 hat sich viel getan, dass uns auch über das Jahr hinaus noch lange begleiten wird.

2018 hatte einige spannende Entwicklungen zu bieten. So haben beispielsweise die Cloud-Schwergewichte Amazon, Facebook, Google und Microsoft begonnen, primär für ihre Rechenzentren hochspezialisierte CPUs selbst zu entwickeln – und auch einzusetzen. Damit graben sie vor allem Intel das Wasser ab. Mit TLBleed wurde neben Meltdown und Spectre eine weitere massive Sicherheitslücke in weit verbreiteten Prozessor-Architekturen bekannt, die die IT-Welt nachhaltig verunsichert hat. Betroffen ist nicht nur Intel, sondern auch andere Hersteller und IP-Anbieter wie AMD und ARM.

Künstliche Intelligenz wurde in vielen Bereichen zum beherrschenden Thema. Zahlreiche Start-Ups sammelten enorme Summen an Venture-Capital ein und brachten 2018 hochspezialisierte KI-Prozessoren auf den Markt. Mehrere große Leitunternehmen machten sich die Agilität und Innovationskraft der Start-Ups zunutze – und schluckten etliche davon. Als bekannt wurde, dass China ein Punktesystem zum Bewerten der Bevölkerung einsetzen will, das auf KI basiert und massenhaft private Informationen der Bürger verarbeitet, ist die internationale Kritik daran groß. Vor allem, weil das Reich der Mitte bereits ganze Städte als riesige Testfelder nutzt.

Das Internet of Things (IoT) hat 2018 endgültig den Hype-Status verlassen und ist in immer mehr realen Anwendungen angekommen. Für ihre Lösungen setzen die Anbieter auf ganz unterschiedliche drahtlose Kommunikationstechniken wie NB-IoT, Sigfox, LoRa oder auch MQTT. Der Ruf nach mehr Intelligenz in den Endknoten wird lauter. Die Inferenz, also das Anwenden angelernter neuronaler Netze, steigert aber auch den Bedarf an Rechenleistung. Gleichzeitig sollen die Geräte weniger Strom verbrauchen – an dieser Quadratur haben auch 2018 viele Hersteller gearbeitet und spannende Lösungs-Kits auf den Markt gebracht. Eng damit verwoben ist das Thema 5G: Der zukünftige Mobilfunkstandard hat nicht nur wegen der Einigung zu den Frequenzvergabe-Regeln in Deutschland Fahrt aufgenommen.

Januar

Eine Sicherheitslücke erschüttert die Tech-Branche: In Computerchips von Milliarden Geräten werden Schwachstellen bekannt, durch die Angreifer an vertrauliche Daten kommen könnten. Forscher demonstrieren, dass es möglich ist, sich Zugang zum Beispiel zu Passwörtern, Krypto-Schlüsseln oder Informationen aus Programmen zu verschaffen. Die Meltdown und Spectre genannten Lücken werden so gut es geht mit Software eingedämmt. Da es sich dabei aber um Schwachstellen tief in den Architekturen der Prozessoren handelt, müssen die Anbieter diese stark überarbeiten.

Das britische Unterhaus verabschiedet das umstrittene Gesetz zum Austritt des Königreichs aus der Europäischen Union. Anfang Februar ermächtigt das Parlament die Regierung, das Verfahren einzuleiten.

Februar

Die USA stellen ihre neue Nukleardoktrin vor. Sie wollen ihre Atomwaffen modernisieren und kleinere Bomben entwickeln. Die Strategie soll vor allem Russland abschrecken.

Broadcom hält an dem Vorhaben fest den Konkurrenten Qualcomm aufzukaufen und erhöht das Angebot auf 148 Milliarden US-Dollar – das entspricht mehr als einem Drittel des weltweiten Gesamtumsatzes mit Halbleitern im Jahr 2017.

Das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX testet erfolgreich seine Weltraumrakete „Falcon Heavy“. An Bord der 70 Meter hohen Rakete ist der kirschrote Tesla-Roadster des Technologie-Moguls Elon Musk. Die Rakete soll in einer Erde-Mars-Bahn um die Sonne kreisen.

Ende Februar wird bekannt, dass ausländische Hacker in das als sicher geltende Datennetz des Bundes und der Sicherheitsbehörden eingedrungen sind. Die mutmaßlich russische Attacke wurde bereits im Dezember 2017 erkannt.

März

Stephen Hawking, einer der berühmtesten theoretischen Physiker und Astrophysiker unserer Zeit, stirbt am 14. März im Alter von 76 Jahren.

Facebook schlittert mit dem Skandal um Cambridge Analytica in seine schwerste Krise. Die Datenanalyse-Firma, die im US-Wahlkampf 2016 auch für das Wahlkampfteam des späteren Präsidenten Donald Trump arbeitete, hatte sich vor Jahren unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Nutzern verschafft. Das wird erst jetzt bekannt, Facebook gerät in die Kritik.

Nach einem Veto von US-Präsident Trump zieht Broadcom das Übernahme-Angebot zu Qualcomm zurück und gibt das Vorhaben endgültig auf.

Erster tödlicher Unfall mit einem Roboterwagen: Ein selbstfahrendes Auto des Fahrdienst-Vermittlers Uber erfasst bei einer Testfahrt in Tempe im US-Staat Arizona eine Frau, die die Fahrbahn überquert. Die Software hatte Probleme, sie zu erkennen.

US-Präsident Donald Trump tritt mit höheren Zöllen auf Stahl und Aluminium aus China einen Handelskonflikt los. Die chinesische Regierung reagiert im April mit Strafzöllen gegen US-Produkte. Nachdem die US-Zölle Ende Mai auch für die EU gelten, kontert die Union mit eigenen Strafmaßnahmen.

AMD bestätigt offiziell Sicherheitslücken in Prozessoren und Chipsätzen. Kurz zuvor war CTS Labs mit dem Wissen, um die Sicherheitslücken an die Öffentlickeit gegangen. Betroffen sind ausgerechnet auch die neuen und so erfolgreichen Ryzen-SoCs auf Basis der schnellen Zen-Architektur.

Es gibt einen neuen Spieler auf dem Beleuchtungsmarkt: Aus Philips Lighting wird Signify.

April

Nachdem missglückten Übernahmeversuch von Qualcomm durch Broadcom, bremst das chinesische Kontrollgremium ihrerseits die zunächst sicher geglaubte Übernahme von NXP durch Qualcomm aus. Dadurch bleibt der EU ein wichtiger Halbleiterhersteller erhalten.

Chinesische Firmen, wie etwa Yangtze Memory Technology Co. Ltd. (YMTC) und Hefei Chang Xin (Innotron Memory), positionieren sich als zukünftige Massenhersteller von Hochtechnologie-Halbleiterprodukten und wollen noch 2018 mit ersten Testläufen starten. Die Firmen teilen sich dabei offenbar gezielt auf die Bereiche NAND-Flash, DRAM und Mobile-DRAM auf.

Mai

Google verblüfft die Branche mit einer Sprachsoftware, die nicht von einem Menschen zu unterscheiden ist. Google Duplex macht sogar Pausen, als würde jemand nachdenken – und füllt sie mit Lauten wie „Ähm“ und „Umm“ aus. Auf Bewunderung folgt die Forderung, die Software müsse sich stets als Maschine zu erkennen geben.

Die DSGVO tritt in Kraft. In Europa gelten erstmals einheitliche Datenschutzregeln. Laut der EU-Datenschutzgrundverordnung müssen Verbraucher darüber informiert werden, für welchen Zweck Daten wie Name, E-Mail-Adresse, Anschrift oder Ausweisnummer erhoben werden – und dem dann zustimmen. Prompt gibt es erste Beschwerden über US-Internet-Konzerne.

Juni

Die umstrittenen US-Zölle von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium treten bei Importen aus EU-Ländern, Mexiko und Kanada in Kraft.

Microsoft übernimmt GitHub für 7,5 Milliarden US-Dollar. Verärgerte Entwickler rufen zu einem Massenexodus auf. Ebenfalls im Juni kauft Wave Computing die Rechte an der darbenden MIPS-Befehlssatzarchitektur – und damit offenbar Großes vor (siehe weiter unten in diesem Rückblick).

Am 12. Juni kommt es zum jetzt schon historischen Handschlag zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong-un.

Intel-Chef Brian Krzanich verliert seinen Job wegen einer früheren Beziehung zu einer Mitarbeiterin. Der 58-Jährige reicht seinen Rücktritt ein, nachdem der Chipkonzern von der Affäre erfährt. Die Beziehung sei einvernehmlich gewesen, Krzanich habe damit jedoch gegen den Verhaltenskodex verstoßen. Zum Jahresende hat Intel immer noch keinen neuen ständigen Chef.

Google bringt seinen Smartphone-Bezahldienst nach Deutschland und kommt damit dem Rivalen Apple zuvor. Unter den Partnern zum Deutschland-Start sind die Commerzbank zusammen mit Comdirect sowie die Online-Banken N26 und Boon.

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