Der EMS als Optimierer in einer intransparenten Supply Chain

| Redakteur: Margit Kuther

BMK: Der EMS kann helfen, die Markt-Transparenz zu erhöhen.
BMK: Der EMS kann helfen, die Markt-Transparenz zu erhöhen. (Bild: BMK)

Der Markt zeichnet sich durch eine mangelnde Transparenz zwischen Hersteller und Distributor oder Distributor und EMS aus. Die Hoffnung liegt auf der Digitalisierung.

In der Elektronikbranche kommt es immer wieder zu Allokationen. Entwicklungen wie derzeit in der Automotive-Branche (eMobility), IoT und der generelle Boom im Gesamtmarkt führen zu einer enormen Nachfrage und damit zur Verknappung von Bauteilen. Aktuell sind dies etwa Speicher und MLCCs (multi layer ceramic capacitor). Sobald bestimmte Teile auf dem Markt rar werden, werden oft überhöhte Reservierungen gesetzt. Diese Vorratshaltung führt zu einer zusätzlichen künstlichen Verknappung.

Finanzkrisen, Wirtschaftsabschwung, Katastrophen, etc. beeinflussen die wiederholenden Allokationszyklen. Weiterhin ist auf dem Elektronikmarkt ein Konsolidierungsprozess bei Halbleiterherstellern und Distributoren zu beobachten. Nach den Mergern werden Produktspektren durch die Hersteller überprüft und bereinigt (z.B. bei Überschneidungen). Dies kann zu Abkündigungen führen, die den Lebenszyklus von Bauteilen immer weniger planbar machen.

Im Zuge der Zusammenschlüsse werden bei den Herstellern Vertriebskanäle zusammengelegt und vereinheitlicht. Bei den EMS entsteht mehr Aufwand durch den Transfer von Hersteller-Lines von einem zu einem anderen Distributor. Die fusionierten Distributoren haben stärkere Marktstellungen inne. Unter Umständen hat der Bauteilanwender nur noch mit einem exklusiven Distributor zu tun, wo vor dem Merger verschiedene Distributoren tätig waren. Die Verfügbarkeit nimmt ab, da nur noch ein Distributor ein Lager hat, wo früher mehrere aktiv waren.

Digitalisierung könnte Bauteileverknapung mildern

Der Markt zeichnet sich aktuell durch eine mangelnde Transparenz zwischen Hersteller und Distributor oder Distributor und EMS aus. Die Hoffnung liegt auf der Digitalisierung, die helfen soll einen Überblick über die gesamte Supply Chain, also vom Bauteilhersteller über Distribution bis EMS zu bekommen.

Mit diesem Überblick könnte der Slip-Stick-Effekt (Haftgleiteffekt) verhindert werden, d.h. die Herstellerkapazitäten passen sich an die tatsächlichen Bedarfe an, harmonisieren sich. Transparenz durch Digitalisierung könnte helfen, den Zyklus zu durchbrechen. Stephan Baur, Gesellschafter bei BMK, bemerkt: „In der Zukunft kann die Digitalisierung in der Supply Chain zu Amazon-ähnlichen Abwicklungssystemen führen.“

Es besteht kein Zweifel: Die Handelslandschaft verändert sich. Einerseits gibt es Fusionen auf Hersteller- und Distributorenseite, die zu mächtigen Marktstellungen führen. Andererseits bekommen Distributoren Konkurrenz durch Hersteller, die eine eigene Verkaufsplattform entwickelt haben und durch Katalogdistributoren. Diese übernehmen mittlerweile immer häufiger Aufgaben von klassischen Broadlinern, also Distributoren mit großem sowie breitem Sortiment.

Der EMS hilft dabei, die Transparenz im Markt zu erhöhen

Der EMS, wenn er sich als Supply-Chain-Optimierer versteht, kann Ordnung in das Chaos bringen. Gerade mittelständische EMS können den gordischen Knoten lösen, wenn sie die Supply Chain besonders gut für ihre Kunden managen. Daniel Mecklenburg, Einkaufsleiter bei BMK: „Unser Ziel ist es, die preisoptimale Versorgungssicherheit in einem dynamischen, stark wachsenden Umfeld zu gewährleisten.“

Der EMS hilft dabei, die Transparenz im Markt zu erhöhen: Wo gibt es was, wann und in welchen Mengen? Webshop, Direkteinkauf, etc. „Der Mehrwert von BMK ist, dass wir viele Kanäle bespielen können und die notwendigen Schnittstellen koordinieren,“ fügt Herr Mecklenburg hinzu.

BMK optimiert die Supply Chain, indem beispielsweise bereits in der Produktentwicklung ein Baukasten festgelegt wird. Mit dessen Hilfe werden Alternativbauteile definiert. Zusätzlich wird, parallel zur Umsetzung des Schaltplandesigns, die Materialisierung des Prototyps gestartet. Die Entwickler geben eine Keyteile-Liste an die Einkäufer weiter. In diesem frühen Stadium berücksichtigen sie Lieferzeiten, Kosten und Lebenszyklus-Status (Risiko-Einschätzung).

Diese Strategie „Design for Logistic“ bindet den Einkauf früh mit ein, minimiert dadurch das Risiko für längere Beschaffungszeitläufe und beschleunigt die Time-to-Market. BMK hat seinen Einkauf speziell für diese Herausforderungen weiterentwickelt. Neben dem dezentralen Einkauf in den einzelnen Business Units hat BMK einen strategischen Einkauf, der Produkte weit im Vorfeld bewertet, Risikoanalysen durchführt und adäquate Lösungsansätze im Sinne der Kunden entwickelt und umsetzt.

„Bauteilverknappung, Allokationen, Fusionen - den Herausforderungen einer sich wandelnden Hersteller- und Distributorenlandschaft stellen wir uns als mittelständischer EMS und optimieren für unsere Kunden deren Supply Chain,“ resümiert Herr Mecklenburg.

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