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Aufgemerkt Der Commodore 128 – ein Gerät, drei Systeme

| Redakteur: Franz Graser

In der Rubrik „Aufgemerkt“ stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik vor. Diesmal: Der Commodore 128.

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Mit der ins Gerät integrierten Tastatur besaß der C128 die typische Anmutung eines Heimcomputers der achtziger Jahre. Allerdings deuteten der abgesetzte Ziffernblock und die in Vierergruppen angeordneten Funktionstasten darauf hin, dass sich das Gerät an Anwender mit höheren Ansprüchen richtete.
Mit der ins Gerät integrierten Tastatur besaß der C128 die typische Anmutung eines Heimcomputers der achtziger Jahre. Allerdings deuteten der abgesetzte Ziffernblock und die in Vierergruppen angeordneten Funktionstasten darauf hin, dass sich das Gerät an Anwender mit höheren Ansprüchen richtete.
(Bild: Commodore-128.jpg / Evan-Amos, Wikimedia Commons / BY-SA 3.0 )

1985 ging die Ära der 8-Bit-Heimcomputer langsam ihrem Ende entgegen. Atari setzte mit seiner ST-Baureihe auf den 16/32-Bit-Mikroprozessor 68000 von Motorola. Commodore arbeitete fieberhaft an dem Amiga-Computer, über dessen sagenhafte Fähigkeiten in Fachkreisen eifrig spekuliert wurde.

Doch auf der CES in Las Vegas präsentierte Commodore noch einmal einen 8-Bit-Rechner als offiziellen Nachfolger des vielgeliebten Brotkastens C64. Der Commodore 128 vereinigte drei Systeme in einem Gerät. Zum Einen verfügte er über einen fast 100-prozentigen Kompatibilitätsmodus zum Vorgänger.

Zum Zweiten enthielt er einen nativen C128-Modus mit einem im Vergleich zum C64 umfangreicheren und komfortableren BASIC-Befehlssatz. Dieser Modus erlaubte es auch, den kompletten, gegenüber dem Vorgänger auf 128 Kilobyte erweiterten Hauptspeicher zu nutzen.

Allerdings war hierfür ein programmiertechnischer Trick notwendig. Da der Hauptprozessor des C128 nur 64 Kilobyte adressieren konnte, musste auf die sogenannte Bankswitching-Technik zurückgegriffen werden. Das bedeutete, dass der Rechner bestimmte Speicherbereiche je nach Bedarf aus- und einblenden konnte. So wurde zum Beispiel der Code von BASIC-Programmen getrennt von den Variablen gespeichert.

Zum Dritten wartete der Rechner mit dem damals im Business-Bereich weit verbreiteten Betriebssystem CP/M auf. Hierfür war im C128 neben dem MOS-Prozessor 8502 ein Z80-Chip von Zilog verbaut worden. Unter CP/M standen den Anwendern die damals gängigen Büroprogramme wie die Textverarbeitung WordStar, die Tabellenkalkulation VisiCalc oder das Datenbanksystem dBase zur Verfügung.

Da der C128 somit eine etwas ernsthaftere Zielgruppe ansprechen wollte als der vor allem als Spielerechner populäre C64, wies das Gerät eine hochwertigere Anmutung auf als der Vorgänger. Die Tastatur war zwar immer noch in den Rechner integriert, aber sie erhielt nach PC-Vorbild immerhin einen abgesetzten Ziffernblock und separate Cursortasten.

Darüber hinaus konnte der C128 im Textmodus 80 Zeichen pro Zeile darstellen, was ebenfalls ein Vorteil für Büroprogramme wie Wordstar oder VisiCalc war.

Zwar wurde der C128 leistungsmäßig von Ataris ST und auch bald vom Amiga aus dem eigenen Hause überflügelt. Da der 128er allerdings zunächst deutlich preiswerter war, wurden bis 1989 knapp 6 Millionen Exemplare weltweit verkauft. Damit war er zwar kein Flop. Als Vertreter der späten 8-Bit-Ära wurde er jedoch vergleichsweise schnell von den leistungsfähigeren 16-Bittern verdrängt.

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