Mess- und Prüftechnik Der Austausch eines ATE-Systems will gut überlegt sein

Autor / Redakteur: Bernd Hauptmann * / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Was ist zu beachten, wenn das automatische Testsystem (ATE) ausgetauscht werden soll/muss? Dabei ist der Austausch des Testsystems nicht die größte Herausforderung.

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Bessere Lösung: Der alte Receiver sollte reproduziert und die ATE-Ressourcen direkt verkabelt werden, um das beste Zusammenspiel zu erlangen
Bessere Lösung: Der alte Receiver sollte reproduziert und die ATE-Ressourcen direkt verkabelt werden, um das beste Zusammenspiel zu erlangen
(Seica)

Ein wesentlicher Nachteil eines ATE-Testsystems (Automatic Test Equipment) ist die kürzere Lebenszeit gegenüber dem Testobjekt. Und dabei spielt es keine Rolle, wie gut und verlässlich es gewartet wird.

Das trifft vor allem auf die Verteidigungs- und Luftfahrtmärkte zu. In dieser Branche müssen große Investitionen gestemmt werden. Als Beispiel soll das Kampfflugzeug F-16 dienen: Es wurde in den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt und im Jahr 1979 in Dienst gestellt. Schließlich avancierte es zu einem weltweiten Bestseller.

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Dank eines Mid-Life-Upgrade-Programms, welches 20 Jahre später stattfand, ist der F-16 immer noch nicht ausgelaufen und es wird erwartet, dass er seine operativen Fähigkeiten über die nächsten 10 oder 20 Jahre beibehalten wird. Mittlerweile sind die ATEs museumsreif, die zum Testen der F-16-Elektronik in den 1970er genutzt wurden. In der Tat übersteigt die Lebensdauer der ATEs typischerweise nicht ein oder zwei Jahrzehnte. Obwohl viele Zulieferer Service und Wartung für einige Jahre nach Auslauf ihres ATE-Modells zusichern, läuft die Unterstützung sehr viel schneller aus.

Vor einem Austausch nach Alternativen suchen

Bevor die Anwender den Austausch ihrer Maschinen planen, sehen sich sich nach alternativen Lösungen oder nach lebensverlängernden Maßnahmen für ihre Testanlagen um. Der lokale Zulieferer beispielsweise wäre bereit, die Testlösung weiter zu unterstützen, allerdings ohne hinreichende Absicherung, also verlängerter Service auf bestmöglicher Basis.

Austauschteile sind verfügbar, wenn aber mehrere ATEs am gleichen Ort stehen, könnten manche von ihnen als Ersatzteillager für Austauschteile dienen. Aber solche Maßnahmen erzielen nur den Effekt der Verlängerung, sie können das Lebensende eines ATE nicht aufhalten. Wie bei jedem anderen elektronischen Produkt steigt die Fehlerrate im Laufe der Zeit an.

Die notwendigen Reserven an Ersatzteilen verringert sich. Die Reparatur fehlerhafter Teile gestaltet sich immer schwieriger, die Verfügbarkeit von Komponenten ist knapp und deren Zuverlässigkeit immer schlechter. Als Konsequenz daraus steigen die Ausfallzeiten, die Reparaturkosten nehmen zu und die Tests werden ineffizient.

In einigen Fällen mag eine exakte Analyse des ATE-Status zu einem weniger schmerzhaften Abschluss führen, als der Austausch. Möglich wäre das, wenn nur ein spezifisches Untersystem in der ATE die Ursache der Probleme wäre und der Austausch des Subsystems mit einem neuen Bauteil das ATE wieder neues Leben verleihen würde. Ein Mid-Life-Upgrade, wie beispielsweise der Austausch veralteter Instrumente sowie der Routing Cards, kann ökonomisch rentabler sein als die komplette ATE auszutauschen.

Sind vorhandene Test Fixtures betroffen, sollte der ATE Receiver nicht beeinflusst werden. Dabei muss der Einfluss berücksichtigt werden, wie sich Änderungen auf die bestehenden Test Programm Sets (TPS) auswirken, auf die Kompatibilität der Performance ohne die Testabdeckungen zu reduzieren und schließlich auf die benötigte Debugg-Zeit. Abschließend sollte der Zeitausfall der Tester-Verfügbarkeit während der Migration berücksichtigt werden, wenn das Mid-Life-Upgrade durchgeführt wird, außer der Anwender hat mehrere ATEs zur Verfügung.

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