Kommentar Der 2020er Einbruch ist der Schwerste seit den 1930er Jahren

Autor / Redakteur: Dr. Andreas Gontermann* / Kristin Rinortner

Für das Jahr 2020 prognostiziert der IWF einen Rückgang der globalen Wirtschaft von 4,5 Prozent. Das wurde nur vom „Schwarzen Donnerstag“ 1929 übertroffen. Auch die deutsche Industrie – vor allem Automobil- und Maschinenbau – schwächelt. Kommt 2021 der Aufschwung?

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Dr. Andreas Gontermann, ZVEI-Chef-Volkswirt: „Der ZVEI erwartet für das Jahr 2020 einen Produktionsrückgang für die deutsche Elektroindustrie von sieben bis acht Prozent. Nächstes Jahr sollte es eine Erholung geben. Dabei bleibt die Unsicherheit erst einmal hoch.“
Dr. Andreas Gontermann, ZVEI-Chef-Volkswirt: „Der ZVEI erwartet für das Jahr 2020 einen Produktionsrückgang für die deutsche Elektroindustrie von sieben bis acht Prozent. Nächstes Jahr sollte es eine Erholung geben. Dabei bleibt die Unsicherheit erst einmal hoch.“
(Bild: ZVEI / Frederik Böttcher)

Zwar hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Ausblick auf die Entwicklung der globalen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr Mitte Oktober deutlich – um fast einen Prozentpunkt – aufwärts revidiert. Allerdings erwartet er immer noch ein Minus von viereinhalb Prozent. Der 2020er Einbruch ist damit der schwerste seit den 1930er Jahren. Den Rückgang aus der 2009er Finanzkrise (von „nur“ – 0,1 Prozent) übertrifft er um den Faktor 45!

Die Gruppe der Industrieländer dürfte dem jüngsten IWF-Bericht zufolge in diesem Jahr um knapp sechs Prozent schrumpfen. Für die Schwellenländer werden rund minus dreieinhalb Prozent veranschlagt. China ist die einzige große Volkswirtschaft, für die 2020 ein Wachstum erwartet wird, und zwar von etwa zwei Prozent.

Im Euroraum dürfte das Sozialprodukt um ca. achteinhalb Prozent zurückgehen und damit fast doppelt so stark wie in den USA (–4,3 Prozent). Japan wird ein BIP-Rückgang von mehr als fünf Prozent vorausgesagt, Großbritannien von fast zehn Prozent.

Kommt 2021 der Aufschwung?

Für 2021 geht der IWF von einer Erholung der Weltwirtschaftsleistung um fünf Prozent und des Welthandels um gut acht Prozent (nach –10,4 Prozent 2020) aus. Gleichwohl unterliegen die Prognosen allergrößten Unsicherheiten. Solange das Virus nicht effektiv eingedämmt ist, wird es einen nachhaltigen, sich selbst tragenden Aufschwung kaum geben können.

Dank umfangreichster staatlicher Unterstützungsmaßnahmen (Stichwort: Kurzarbeitergeld, Zuschüsse, Kredite, Garantien, Bürgschaften, Aussetzung Insolvenzantragspflicht, befristete Mehrwertsteuersenkung etc.) kommt Deutschland bislang besser durch die Pandemie als die meisten anderen Euroländer.

Allerdings erwartet der Internationale Währungsfonds auch für die hiesige Wirtschaft einen heftigen Rückgang um fünfeinhalb Prozent in diesem Jahr. Die Industrieproduktion dürfte dabei um etwa ein Zehntel einsacken. Besonders betroffen sind hier die Automobilwirtschaft und der Maschinenbau.

Aufgrund des sehr hohen Offenheitsgrades der deutschen Wirtschaft ist das Land in dieser globalen Pandemie entsprechend anfällig – sowohl auf der Angebotsseite (Stichwort: internationale Lieferketten) als auch auf der Nachfrageseite (Stichwort: Auslandsmärkte). Aus früheren Rezessionen hat sich Deutschland regelmäßig „herausexportieren“ können. Das gestaltet sich diesmal deutlich schwieriger. Allein die Ausfuhren nach China sind hier noch eine echte Stütze.

Deutsche Elektroindustrie schwächelt weiter

Kommen wir zur deutschen Elektroindustrie. Die Corona-Krise hat die Branche nach einem bereits schwachen Jahr 2019 getroffen. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres 2020 sind die (preisbereinigte) Produktion und der (nominale) Umsatz der heimischen Elektrounternehmen um acht bzw. sieben Prozent gegenüber Vorjahr gesunken.

Auftragseingänge und Exporte gingen in ähnlicher Größenordnung wie der Umsatz zurück. Was die Ausfuhren in die zehn größten Abnehmerländer anbelangt, so konnten in den ersten drei Quartalen einzig die Lieferungen nach China und Polen zulegen – erstere um fünfeinhalb und letztere um knapp anderthalb Prozent.

Die Zahl der Gesamtbeschäftigten in der Elektrobranche liegt derzeit bei 876.400. Das sind 9.000 weniger als noch zu Jahresbeginn. Zuletzt waren noch 115.500 Beschäftigte in Kurzarbeit – also fast jeder Achte.

Freilich stellt sich die Entwicklung in den einzelnen Fachbereichen wie immer sehr heterogen dar. Für die gesamt Branche erwartet der ZVEI in diesem Jahr einen Produktionsrückgang von sieben bis acht Prozent. Nächstes Jahr sollte es eine Erholung geben. Dabei bleibt der Grad an Unsicherheit erst einmal hoch.

* Dr. Andreas Gontermann ist Chef-Volkswirt beim ZVEI.

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