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Neue Modelle Denza: Lautloser B-Klasse-Ableger aus China

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Auch China hat große Ambitionen beim Elektroauto. Aber auch dort ist die erste Euphorie schon wieder verflogen. Daimler will sie nun mit dem eigens für China entwickelten Denza neu entfachen.

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(Foto: Daimler)

Es hat fast etwas Tröstliches. Nicht nur in Europa haben sie den Mund beim Thema Elektromobilität ein bisschen voll genommen. Auch die Chinesen, die sich mit dem Druck der Regierung und dem Geld eines schier ungebremsten Wirtschaftsbooms an die Spitze der Strom-Revolution setzen wollten, kamen bislang nicht so recht voran. Mit gerade einmal 10.000 Akku-Autos im letzten Jahr ist das Riesen-Reich noch Lichtjahre von jenen fünf Millionen EV-Zulassungen entfernt, die sich Peking für 2020 ins Programm geschrieben hat.

Doch so langsam kommt Bewegung in die Sache. Denn während die Regierung die finanziellen Anreize erhört, Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur pumpt und die Immobilienbranche zum massenhaften Aufstellen von Ladesäulen in den riesigen Wohnsilos verdonnert, bringen die chinesischen Automobilhersteller zusammen mit ihren ausländischen Joint-Venture-Partnern endlich vernünftige Elektroautos in den Handel. Nissan baut eine lokale Ausgabe des Leaf, bei Brilliance wird aus dem BMW X1 ein elektrischer Zinhoro und selbst Tesla plant eine Fabrik in China.

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Doch das wohl ambitionierteste Projekt läuft in Pingshan, zwei Stunden nordöstlich von Hongkong: Dort baut Mercedes gemeinsam mit BYD den Denza, der die Chinesen von diesem Herbst an vielleicht tatsächlich zum Elektroauto bekehren kann. Denn als allenfalls noch entfernter Verwandter der B-Klasse wurde er nicht nur gründlicher umkonstruiert und weiterentwickelt als die Kooperationsmodelle der Konkurrenz.

Als erstes E-Mobil seiner Klasse bietet er eine Reichweite, mit der man sich sogar in die Dauerstau von Shanghai oder Peking traut: „Auf dem Prüfstand schaffen wir über 300 Kilometer“, sagt Entwicklungschef Frank Schweickhardt. Und in der Praxis reichen die Akkus selbst dann für mehr als 200 Kilometer, wenn die Klimaanlage im Dauerlauf gegen die tropische Schwüle an der südchinesischen Küste kämpft.

Schweres Akkupaket

Möglich macht das ein Akku-Paket mit einer Kapazität von imposanten 48,5 kWh, für das Daimler eigens einen neuen Schnelllader entwickelt hat. Denn ohne die 22 kW-Station in der Garage bräuchte man nicht drei, sondern im dümmsten fall über 30 Stunden, bis die Batterien wieder voll sind. Anders als bei der elektrischen B-Klasse für Europa und den Rest der Welt kommen diese Akkus vom Kooperationspartner BYD statt von der Modemarke Tesla. Deshalb fußen sie auch nicht auf Lithium-Ionen-, sondern auf einer Lithium-Eisen-Phosphat-Technik.

Die bietet allerdings keine ganz so große Energiedichte, so dass die Akkus größer und schwerer werden. Nicht umsonst hat das Powerpack des Denza deshalb das Format eines Kinderbetts und wiegt mit dem Sicherheitsrahmen aus riesigen Aluminiumprofilen stolze 650 Kilo. „Doch dafür sind die Zellen wesentlich genügsamer“, argumentiert Schweickhardt: Sie müssen nicht klimatisiert werden, machen weniger Probleme mit den großen regionalen Temperaturschwankungen in China und können vor allem nicht abfackeln.

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