Halbleiterfertigung Datenanalyseplattform soll Chip-Ausbeute steigern

Von Johann Wiesböck

Merck und Palantir wollen mit KI und Big Data die Datenanalyse in der Halbleiterherstellung optimieren. Die Analyseplattform Athinia soll Lieferkette transparenter machen und dem Chipmangel entgegenwirken.

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Auf der Athina-Plattform können verschiedene Unternehmen ihre Daten anonymisiert und sicher aggregieren und austauschen, um über verschiedene Standorte und Werke hinweg ihre Prozesse zu verbessern und Entwicklungen zu beschleunigen.
Auf der Athina-Plattform können verschiedene Unternehmen ihre Daten anonymisiert und sicher aggregieren und austauschen, um über verschiedene Standorte und Werke hinweg ihre Prozesse zu verbessern und Entwicklungen zu beschleunigen.
(Bild: Merck)

Technologieunternehmen Merck hat eine Kooperation mit Betriebssystem-Programmierer Palantir Technologies bekanntgegeben. Ziel ist das Entwickeln und Bereitstellen einer gesicherten, kollaborativen Datenanalyseplattform für die Halbleiterindustrie. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Big Data soll die Athinia-Plattform dazu beitragen, zentrale Herausforderungen wie etwa den Chipmangel zu lösen, die Qualität sowie die Transparenz von Lieferketten zu verbessern und Markteinführungen zu beschleunigen. Laura Matz, Chief Science and Technology Officer von Merck, wird die Partnerschaft als CEO von Athinia leiten.

Athinia soll es Halbleiterherstellern und Materiallieferanten ermöglichen, Daten untereinander auszutauschen, zu aggregieren sowie zu analysieren, um so Effizienzsteigerungen zu erzielen. Darüber hinaus soll die Plattform den Branchenakteuren ein tiefgreifenderes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Materialien und Prozessen in Produktionsanlagen für Halbleiter verschaffen.

„Die Halbleiterindustrie steht vor beispiellosen Umwälzungen. Unternehmen benötigen daher eine sichere und kollaborative Datenplattform, die ihnen die notwendige Transparenz und Datenintelligenz verschafft, um Herausforderungen wie den Chipmangel und Probleme in der Lieferkette zu bewältigen“, sagte Kai Beckmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Merck und CEO Electronics. „Im Rahmen der Partnerschaft mit Palantir bündeln wir unsere Expertise in den Bereichen Materialwissenschaft, Data Analytics und Sicherheit, um unseren Kunden Effizienzsteigerungen und eine höhere Innovationsgeschwindigkeit zu ermöglichen.”

Nachfrage- und Angebotsschocks entgegenzuwirken

„Wir freuen uns, in Zusammenarbeit mit Marktführern in diesem Bereich ein Ökosystem zu schaffen, das es Unternehmen aus der Halbleiterindustrie und ihren Zulieferern ermöglicht, gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig auftretenden Nachfrage- und Angebotsschocks entgegenzuwirken“, sagte Shyam Sankar, Chief Operating Officer von Palantir. „Athinia wird Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette dabei unterstützen, neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen und ihre Produktdifferenzierung sowie ihr Wachstum zu beschleunigen.“

Durch die Nutzung von Palantirs einzigartiger Expertise beim Aufbau organisationsübergreifender Ökosysteme wird Athinia hochentwickelte Datenanalysen ermöglichen und so die kostspieligen Auswirkungen von Qualitäts- oder Leistungsabweichungen in der gesamten Wertschöpfungskette, vom Zulieferer bis zu den Halbleiterfabriken, begrenzen. Darüber hinaus soll die zentrale, sichere Plattform Halbleiterhersteller in die Lage versetzen, die Innovationsgeschwindigkeit bei ihren Herstellprozessen zu steigern und unter Einbindung der Lieferanten die Qualität des Eingangsmaterials zu verbessern.

Diese wiederum können von internen Effizienzsteigerungen durch intelligente Datenintegration profitieren und so ihre Rolle als Partner der von ihnen belieferten Betriebe stärken. Mithilfe der Athinia-Plattform zur ganzheitlichen Analyse von bisher in verschiedenen Silos gespeicherten Daten wollen Merck und Palantir zur Lösung derartiger Herausforderungen beitragen.

Merck und Palantir haben bereits unter Beweis gestellt, dass sie erfolgreich kollaborative Datenanalysetechniken einsetzen, um gemeinsame Kunden dabei zu unterstützen, Qualitätsabweichungen zu minimieren und die Effizienz zu steigern. Diese Erfahrungen und das Fachwissen von Palantir werden in Athinia einfließen und Kunden dadurch helfen, bessere Entscheidungen bei der Optimierung von Halbleitermaterialien zu treffen.

Potenzial von KI und Datenanalysen nutzen

Merck hat in jüngster Zeit mit führenden Halbleiterunternehmen zusammengearbeitet, um sich bei der Lösung zentraler Herausforderungen verstärkt das Potenzial von KI sowie Datenanalysen zunutze zu machen. „In Zusammenarbeit mit Merck haben wir eine Plattform für die gemeinsame Nutzung und den Austausch von Daten geschaffen, das ein modernes Predictive Manufacturing beim chemisch-mechanischen Planarisieren (CMP) ermöglicht, einem maßgeblichen Prozessschritt bei der Halbleiterherstellung. Im Zuge dieser Partnerschaft haben wir eine KI-basierte Methodik implementiert, um eine smarte Daten-Kooperation zu ermöglichen, die zu Prozess- sowie Qualitätsverbesserungen geführt hat. Durch die Ausweitung dieses Ansatzes auf die gesamte Wertschöpfungskette und die Schaffung eines Daten-Ökosystems kann der Einsatz des Predictive Manufacturing unserer Überzeugung nach in der gesamten Halbleiterindustrie beschleunigt werden“, sagte Raj Narasimhan, Corporate Vice President, Global Quality von Micron Technology, Inc.

Die Athinia-Plattform basiert auf der Software Foundry von Palantir, mit der Benutzer Daten aus unterschiedlichen Quellen strukturieren und analysieren, aussagekräftige Erkenntnisse gewinnen und die operative Entscheidungsfindung unterstützen können. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass sensible Daten in Einklang mit den geltenden Datenschutzbestimmungen, -vorschriften sowie -standards verarbeitet werden. Palantir Foundry bietet erstklassige Funktionen hinsichtlich Sicherheit, Zugriffskontrolle, Partitionierung, Auditierung sowie Rechenschaftspflichten und unterstützt damit eine verantwortungsvolle Datennutzung. Athinia agiert unabhängig vom Unternehmensbereich Electronics von Merck und ermöglicht ausschließlich den Austausch kodierter und anonymisierter Daten.

Zudem behalten Kunden die vollständige Kontrolle über ihre Daten und erhalten die Möglichkeit einer intelligenten, zweckgebundenen Zugriffsverwaltung. Die sichere Umgebung für die gemeinsame Nutzung und den Austausch von Daten soll den Beteiligten ein kontinuierliches Feedback durch eine ganzheitliche Sichtweise und ein Gesamtbild der innerbetrieblichen Prozesse vermitteln, mit dessen Hilfe Qualitätsabweichungen behoben werden können.

Merck und Palantir arbeiten bereits seit 2017 zusammen. Im Rahmen der Partnerschaft „Syntropy“ verfolgen beide Unternehmen das Ziel, die effektive Nutzung biomedizinischer Daten zu erschließen, die Krebstherapie zu revolutionieren und die Forschung zu beschleunigen. Syntropy stellt Forschern intuitive Analysetechniken zur Verfügung, damit sie ihre Daten aus unterschiedlichen Quellen aggregieren, analysieren und miteinander teilen können.

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