Daten-Start-up aus Bayern mit Deutschem Zukunftspreis geehrt

| Autor / Redakteur: dpa / Julia Schmidt

Frank-Walter Steinmeier (2.v.l.), Bundespräsident, steht gemeinsam mit den Preisträgern des deutschen Zukunftspreises, Alexander Rinke (l-r), Martin Klenk und Bastian Nominacher, nach der Verleihung auf der Bühne. Der Preis wurde für das Projekt „Process Mining - Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Arbeit und Wertschöpfung in Unternehmen“ der Celonis SE vergeben.
Frank-Walter Steinmeier (2.v.l.), Bundespräsident, steht gemeinsam mit den Preisträgern des deutschen Zukunftspreises, Alexander Rinke (l-r), Martin Klenk und Bastian Nominacher, nach der Verleihung auf der Bühne. Der Preis wurde für das Projekt „Process Mining - Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Arbeit und Wertschöpfung in Unternehmen“ der Celonis SE vergeben. (Bild: Gregor Fischer/dpa)

Sie gründeten ihre Firma noch als Studenten: Junge Entwickler aus München sind mit der Analyse von Unternehmensdaten über Deutschland hinaus erfolgreich. Jetzt sind sie mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten geehrt worden. Was kann die Software?

Mit künstlicher Intelligenz holprigen oder fehlerhaften Abläufen in Unternehmen auf die Spur kommen: Erstmals sind Entwickler einer Software mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten geehrt worden. Frank-Walter Steinmeier übergab die Auszeichnung am Mittwochabend in Berlin an eine Gruppe um den 30 Jahre alten Mathematiker Alexander Rinke aus München. Es ist das jüngste prämierte Team in der mehr als 20-jährigen Geschichte des Preises für Technik und Innovation. Dieser ist mit 250 000 Euro dotiert.

Unternehmerische Prozesse analysieren, darstellen und effizienter gestalten

„Das Team hat ein vielseitiges und einfach zu handhabendes digitales Werkzeug geschaffen, mit dem sich unternehmerische Prozesse analysieren, darstellen und effizienter gestalten lassen“, erklärte das Bundespräsidialamt. Rinke und seine Mitstreiter, ein Informatiker und ein Wirtschaftsinformatiker, gründeten 2011 die Firma Celonis als Start-up aus der TU München heraus.

Die Firma, die auch einen Sitz in New York hat, gilt als Spezialist für Datenanalyse. Ihre Entwicklung zielt auf reibungslose Prozesse in Firmen ab. Damit könne man etwa für pünktlichere Züge und Flugzeuge oder eine schnellere Behandlung von Patienten im Krankenhaus sorgen, schilderte Rinke im Vorfeld der Verleihung. Generell könnten zum Beispiel Einsparpotenziale erkannt sowie mehr Kundenzufriedenheit und höhere Profite erreicht werden.

Dahinter steht sogenanntes Process Mining: Daten der Unternehmen würden „ausgegraben“ und zusammengetragen, um zu erkennen, wo es möglicherweise hakt - so wurde die Technologie bei der Verleihung erklärt. Gerade in großen Unternehmen seien Zusammenhänge oft nicht mehr zu überblicken.

290 Millionen Dollar für weiteres Wachstum

Inzwischen wurden 800 Arbeitsplätze in Europa, den USA und Asien geschaffen. Zu den Kunden zählen Unternehmen weltweit, darunter Siemens, BMW und Airbus, so Celonis. Erst vor wenigen Tagen besorgte sich die Firma bei Investoren 290 Millionen Dollar Geld für weiteres Wachstum. Sie wurde insgesamt mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet. Auf eine Frage zu Befürchtungen und Vorbehalten mancher Menschen in Bezug auf künstliche Intelligenz sagte Rinke, dadurch werde der Mensch nicht ersetzt, sondern unterstützt und verbessert.

Die Gewinner setzten sich gegen zwei weitere Teams aus Nordrhein-Westfalen sowie aus Bayern/Baden-Württemberg durch. Diese waren für die Nutzung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) als Rohstoff und eine Neuerung bei der Magnetresonanztomografie (MRT) nominiert. Erst vor zwei Jahren waren die Statuten des Preises dahingehend geändert worden, dass auch Innovationen, die auf Software und Algorithmen basieren, ausgezeichnet werden können.

Der Zukunftspreis des Bundespräsidenten, der seit 1997 vergeben wird, gilt als einer der bedeutendsten Wissenschaftspreise in Deutschland. Eine Jury bewertet die Innovationsleistung, es zählen aber auch die Marktfähigkeit und das Arbeitsplatz-Potenzial. Gefördert wird der Preis von deutschen Unternehmen und Stiftungen. Im vergangenen Jahr war eine Gruppe geehrt worden, die ein Medikament gegen ein gefährliches Virus entwickelt hatte. (dpa)

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