Datenrettung Daten erstmals erfolgreich aus gebrochenem Firmware-Chip gerettet

Redakteur: Sebastian Gerstl

Einer internationalen Forschungsgemeinschaft aus Wissenschaftlern der Universität für Technologie und Wirtschaft in Budapest und Datenrettungsspezialisten der KUERT Unternehmensgruppe in Deutschland und Ungarn ist erstmalig die Transplantation eines Chipkerns aus einem gebrochenen Firmware-IC einer Western Digital Festplatte gelungen.

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Beschädigter Firmware-Chip: Erstmals ist es gelungen, durch Transplantation eines Chipkerns Daten aus einem gebrochenen Firmware-Chip zu retten.
Beschädigter Firmware-Chip: Erstmals ist es gelungen, durch Transplantation eines Chipkerns Daten aus einem gebrochenen Firmware-Chip zu retten.
(Bild: Bild: KUERT Datenrettung)

Dem Team aus ungarischen und deutschen Spezialisten ist es hierbei gelungen, Daten aus dem physikalisch beschädigten Firmware-Controllers an einer Western Digital 2.5" Festplatte zu rekonstruieren. Dabei griffen die Forscher auf den Einsatz von Röntgentechnik, Laser- und Ultraschalltechnologie zurück.

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Physikalisch gebrochene Chips stellen für Datenrettungsspezialisten in vielen Fällen eine unüberwindbare Hürde dar. Bei der Beschädigung des ICs handelte es sich um eine Bruchstelle im linken unteren Bereich des Chips. Die Röntgenuntersuchung des betroffenen Chips offenbarte zudem Brüche an der internen Chipverdrahtung zum Chip-DIE und starke Delaminierungen.

„Wir hatten bei dem uns vorliegendem Datenrettungsfall das Problem, dass sämtliche Branchenstandards zur Datenrekonstruktion ungeeignet waren. Somit mussten neue Ansätze entwickelt und umgesetzt werden“, sagt Zoltan Kertesz, Direktor Data Recovery Operations bei KUERT.

In Zusammenarbeit mit der technischen Universität in Budapest / Ungarn sowie in Kooperation mit weiteren Forschungseinrichtungen wurde ein Verfahren entwickelt bei dem, der „die“ des beschädigten Halbleiters mittels Einsatz von Lasertechnik freigelegt wurde. Danach wurden die Reste der internen Verdrahtungsrückstände, direkt am Chipkern entfernt. Ein neues Ersatz-IC wurde in der Zwischenzeit vorbereitet und entkernt. Im Anschluss wurde das intakte „die“ des physikalisch beschädigten ICs in den Ersatzhalbleiter transplantiert. Die nun intakte interne Verdrahtung des Ersatz-IC wurde mittels Einsatz von Ultraschall neu mit den Kontakten am implantierten Chipkern verbunden, quasi verschweißt. Die Arbeiten wurden dabei im Bereich von etwa 20 Mikrometern durchgeführt. Das entspricht etwa 30% des Durchmessers eines menschlichen Haars.

Danach erlaubte das Ersatz-IC mit transplantiertem Chipkern den Zugriff um die Firmware-Daten wieder mit den konventionellen Rettungsmethoden auslesen zu können und über die ausgelesen Daten auch wieder einen Zugriff auf die Datenebene der WD Festplatte erhalten zu können.

„Dieses Verfahren, was hinsichtlich der angewandten Technologie und der Kooperation aller Beteiligten branchenspezifisch weltweit einzigartig ist, erschließt uns vollkommen neue Möglichkeiten bei der Datenrettung von physikalisch beschädigten Firmware-Controllern. Theoretisch ist es auf unterschiedlichste Speichermedien von der microSD Card über die Firmware einer Festplatte bis hin zum SSD-Flugdatenschreiber anwendbar" sagt Martin Eschenberg, Marketingleiter bei der KUERT Datenrettung Deutschland GmbH in Bochum. „Einzige Voraussetzung ist ein intakter Chipkern in einem beschädigten IC und eine intakte oder latent beschädigte Speicherebene.“ Insbesondere dann, wenn es sich um einzigartige interne Hardwareverschlüsselungen handelt, sei demnach dieses Verfahren die derzeit weltweit einzige Möglichkeit, die auch eine praktische Anwendbarkeit verspreche.

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