Verbindungstechnik Das war der Anwenderkongress Steckverbinder 2022

Von Kristin Rinortner

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Der 16. Steckverbinderkongress bot Anfang Juli 2022 wieder zahlreiche Möglichkeiten, innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über Trends und Stand der Technik zu erhalten und vor allem neue Kontakte zu knüpfen.

Steckverbinderkongress 2022: Drei Tage Steckverbinder-Knowhow – 391 Teilnehmer trafen sich Anfang Juli in Würzburg, um sich auf Europas größter Veranstaltung zu Steckverbindern über aktuelle Trends, Praxiserfahrungen, Forschungen und Entwicklungen zu informieren. 50 Aussteller präsentierten aktuelle Produkte.
Steckverbinderkongress 2022: Drei Tage Steckverbinder-Knowhow – 391 Teilnehmer trafen sich Anfang Juli in Würzburg, um sich auf Europas größter Veranstaltung zu Steckverbindern über aktuelle Trends, Praxiserfahrungen, Forschungen und Entwicklungen zu informieren. 50 Aussteller präsentierten aktuelle Produkte.
(Bild: Elektronikpraxis )

Der 16. Anwenderkongress Steckverbinder zeigte erneut, dass Kontakte – elektrische und persönliche – das tragende Element von Netzwerken sind. „Sie hatten doch den Vortrag auf dem Steckverbinderkongress – ich hätte da noch eine Frage“. Referenten des Steckverbinderkongresses kann das beim gemütlichen Ausklang des Kongresstages bei einer Weinschorle auf der Würzburger Alte-Main-Brücke inmitten von Touristentrauben schon einmal passieren – aber das ist ja auch nicht der schlechteste Rahmen für ein informatives Gespräch.

Dass die Steckverbinder-Branche dieses Jahr den Austausch besonders intensiv suchte, lag an mehreren Faktoren: Für etliche Teilnehmer war es, pandemiebedingt nach vielen Monaten ohne Messen und Kongresse, endlich wieder eine langersehnte Gelegenheit zum persönlichen Kontakt, wie in den Gesprächen immer wieder deutlich wurde.

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Vor allem aber entwickelt sich die elektrische Steckverbindung von der einst simplen elektromechanischen Vorrichtung immer mehr zu einem der zentralen Bausteine der modernen Elektronik. Denn durch die Megatrends in der Industrie erhalten Steckverbinder einen enormen Entwicklungsschub: Digitalisierung und Datengeschwindigkeit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, e-Mobility und Handhabung, Individualisierung und Miniaturisierung sind hier treibende Faktoren.

Single Pair Ethernet, intelligenter Steckverbinder, 3D-Seriendruck

Von Single Pair Ethernet, intelligenten, miniaturisierten und modularisierten Steckverbindern über Fehleranalyse, Werkstoffe und Beschichtungen bis zur additiven Fertigung von Steckverbindern spannte sich daher das breite Themenspektrum des 16. Anwenderkongresses Steckverbinder. 391 Teilnehmer (58 Referenten und 50 ausstellende Firmen) trafen sich im Vogel Convention Center in Würzburg, um sich auf Europas größter Veranstaltung zu diesem Thema über aktuelle Trends, Praxiserfahrungen, Forschungen und Entwicklungen zu informieren. Viele hatten sich bereits auf der digitalen PreConference am Freitag vor der Veranstaltung auf selbige eingestimmt.

Stellvertretend für die vielen hochklassigen Vorträge und Workshops sollen anhand der Megatrends hier einige kurz angerissen werden: Am ersten Tag lag der Schwerpunkt mit Single Pair Ethernet (SPE) auf einem der derzeit wohl am kontroversesten diskutierten Themen im Steckverbinderbereich.

Anwenderkongress Steckverbinder 2022 – Bildergalerie SPE-Tag und Tag 1
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Digitalisierung, Miniaturisierung und steigende Datenraten treiben SPE

Durchgängige Digitalisierung, Miniaturisierung und Datengeschwindigkeit in Smart Factory und Smart Building sind die treibenden Faktoren für die Entwicklung der SPE-Technik, die ihren Ursprung in der Automobilindustrie hat.

Vor allem Lieferkettenengpässe bremsen die breite Markteinführung derzeit noch etwas aus, doch das Marktpotenzial ist enorm: Allein in der Fabrikautomation werden bis zum Jahr 2030 rund 50 Millionen SPE-Knoten erwartet. Das zeigt ein Prognosemodell der Single Pair Ethernet System Alliance, die von Tim Kindermann (Phoenix Contact), Frank Moritz (Sick) und Thomas Keller (Rosenberger) vorgestellt wurde. Denn SPE ist der Schlüssel für die durchgängige Digitale Fabrik mit schnellem Zugriff auf Daten und nahtloser Kommunikation vom Sensor bis zur Cloud.

Der hybride SPE-Steckverbinder im Format M12

Und während anfangs die SPE-Konzepte mit Power over Data Line (PoDL) auf 50 W am Gerät begrenzt waren, umfassen die Einsatzmöglichkeiten für neue SPE-M12-Hybridsteckverbinder nun auch leistungsstarke IIoT-Geräte, wie z. B. Elektronik für Robotik, Servo- und Drehstromantriebe, wie Eric Leitjens (TE Connectivity) und Verena Neuhaus (Phoenix Contact) in ihrem gemeinsamen Vortrag dokumentierten.

Und nicht nur anhand der zahlreichen Fragen während der Vorträge, sondern auch am Zulauf zum Workshop „Hands on SPE: IDC, Durchgängigkeit IP20 --> M8 --> M12“ war das große Interesse an dem Thema festzustellen. Im Workshop wurden die möglichen Einsatzgebiete und Potentiale für kompakte SPE-Verkabelungen aufgezeigt.

Workshops aus der Praxis für die Praxis: SPE

Die Referenten Verena Neuhaus und Tim Kindermann (Phoenix Contact) stellten den 51 Teilnehmern Steckverbinder und Applikationsmuster verschiedener Hersteller in unterschiedlichen Schutzklassen und Gehäuseausführungen vor, welche die Vorteile einer miniaturisierten SPE-Verkabelung ausschöpfen können. Darüber hinaus wurden Möglichkeiten diskutiert, wie vorhandene Feldbus- und Ethernet-Verkabelungssysteme unterschiedlicher Anwendungsbereiche in eine neue SPE-Infrastruktur integriert werden können.

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Neuhaus bestätigte: „Das Interesse an Single Pair Ethernet ist sehr hoch. Aufgrund seines Potenzials für die industrielle Kommunikationsinfrastruktur wird das Thema heiß diskutiert, wie wir auch in den Workshops feststellten. Die liefen, wie auch die gesamte, perfekt organisierte Veranstaltung, wirklich sehr gut.“

Hands-on Dichtheitsprüfung, Crimpen und Kabelkonfektion

Auch die anderen Workshops (Dichtheitsprüfung: 72 Teilnehmer; Crimpen: 91 Teilnehmer) waren über die drei Kongresstage sehr gut besucht. Welches Kabel und welchen Steckverbinder benötigt der Anwender für seine Kabelkonfektionierung, welches Verbindungsverfahren (Crimpen, Löten oder Ultraschallverdichten) bietet sich unter Qualitäts-, Stückzahlen- und Kostengesichtspunkten an?

In den Workshops von Florian Adams (Euroconnectors), und Werner Häring (Lacon Electronic) wurden den 75 Teilnehmern Informationen aus der Praxis rund um die Qualifizierung von anspruchsvollen Kabelkonfektionen vermittelt: Materialauswahl, Verfahrensqualifizierung, Produktion, Qualitätssicherung und Kostenoptimierung.

Die Resonanz fiel bei den Besuchern daher sehr positiv aus. Alexander Hornung (Global Technology Manager bei Stäubli) fasste den Workshop zum Beispiel so zusammen: „Wer einen wissenschaftlich fundierten Vortrag erwartet hat, ist hier vielleicht nicht ganz richtig. Aber für alle Praktiker wie mich ist dies ein wertvoller Workshop zu einem spannenden Thema mit praktischen Informationen, die auch durch Übungen vertieft werden. Sehr gut!“

Quo vadis „Intelligenter Steckverbinder“

Steckverbinder mit Funktionen und „Intelligenz“ ausstatten? Um das spannende Thema „Zustandsabhängig agierende Steckverbinder“ ging es beim Vortrag von Andreas Huhmann (Harting Stiftung). Ein intelligenter Steckverbinder erkennt selbständig die Zustände und stellt zum Beispiel sicher, dass er zustandsabhängig gezogen, gesteckt oder eben nicht gezogen und nicht gesteckt werden kann.

Dabei ist der „Stecker“ dann weder Steckverbinder noch Steckvorrichtung, sondern eine neue Art von Stecker, der die Nachhaltigkeit von Produktionsprozessen steigern kann: Huhmann: „Im Zuge des IIoT wird so der Steckverbinder letztendlich zum intelligenten Steckverbinder, der durch eine höhere Flexibilität und Resilienz den Produktionsprozess optimiert. Zudem kann dieser Steckverbinder auch als Schlüssel für die Nutzung von neuen Technologien, wie z.B. Gleichstrom in der Fertigung, verstanden werden.“

Name für den „Intelligenten Steckverbinder“ gesucht

Für seinen neuen intelligenten Steckverbinder der „dritten Dimension“ (bisher etwas sperrig Smec) sucht Andreas Huhmann noch einen Namen. Bisher bezeichnen ihn die Beteiligten etwas sperrig als Smec. Diese Vorschläge kamen schon während des Kongresses:

  • Inno Connector,
  • Intellector,
  • SPAC – der intelligente Steckverbinder,
  • PlugINovation (PINO),
  • Der Huhmann (The Hooman),
  • Smart Connector,
  • iza con,
  • Steckflex,
  • MULTI Connector,
  • SPAC-Verbinder (gesprochen Speckverbinder, steht für Sense Plan Act Communicate),
  • The Allrounder,
  • Sensor/Actuator Connector (SA-Connector).

Fällt Ihnen auch ein kreativer Name für den Huhmann-Steckverbinder ein? Dann schicken Sie bis zum 30. September 2022 eine kurze Mail mit dem Betreff „Huhmann-Stecker“ an Kristin Rinortner. Alle Vorschläge werden veröffentlicht, einem Leser-Votum unterzogen, der beste Vorschlag wird prämiert.

16. Anwenderkongress Steckverbinder – Bildergalerie Tag 2 und Workshops
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Alterung automobiler Steckverbinder

Die Komplexität von Steckverbindern ist spätestens mit den Ladekabeln und Ladesteckern für E-Autos auch beim Endverbraucher angekommen: Ladezeiten, Steckzyklen, Kontaktwiderstandsverhalten, Verschleißverhalten, thermische Stabilität etc. sind entscheidende Faktoren für die Benutzerfreundlichkeit des Fahrzeugs.

In ihrem Vortrag stellten Dr. Marcella Oberst und Dr. Isabell Buresch, beide TE Connectivity, dar, wann ein kritischer Alterungszustand von Auto-Steckverbindungen erreicht ist. Für Ladesteckverbindungen ist dieser Zeitpunkt maßgeblich vom Verschleiß der versilberten Oberflächen abhängig.

Verschleißfestere Silber-Dispersionsschicht für Kontakte

Die beiden Referentinnen verglichen die Eigenschaften der von TE Connectivity entwickelten Silber-Dispersionsschicht Tendur mit Standard- und Hartsilber-Schichten hinsichtlich des Verschleißverhaltens. Mit Tendur können bis zu 50.000 Steckzyklen realisiert werden, während mit Standard- und Hartsilber die Beschichtung bereits nach 2.000 Steckzyklen durchgerieben ist.

Georg Bakk, Moog GmbH: Die E-Auto-Ladekabel-Problematik habe ich auch auf meinen Prüfständen.
Georg Bakk, Moog GmbH: Die E-Auto-Ladekabel-Problematik habe ich auch auf meinen Prüfständen.
(Bild: Hajo Stotz )

Das neue Schichtsystem kann also im Vergleich zu Standard-Silber zu kürzeren Ladezeiten beitragen. Kongressteilnehmer Georg Bakk (Moog GmbH) war an dem Thema besonders interessiert: „Diese Problematik der E-Auto-Ladekabel gibt es ja auch in ganz anderen Bereichen in der Industrie: Auf meinen Prüfständen kommen zum Beispiel neue Stecker von neuen Geräten mit Buchsen der Testanlage zusammen, die bereits seit Jahren eingesetzt werden – und wie ich nun in dem Vortrag bestätigt bekommen habe, kann das die Prüfwerte erheblich beeinflussen. Der Austausch solcher Informationen ist für mich daher das A&O des Steckverbinderkongresses.”

Viele Möglichkeiten zum Netzwerken und Erfahrungsaustausch

Doch nicht nur das reine Interesse an der Technik, sondern auch die Möglichkeit zum Netzwerken, alte Gesichter zu treffen, neue Netzwerke aufzubauen und sich mit Fachkollegen aus der Branche auszutauschen war für viele Kongressteilnehmer ebenfalls Anlass, die Würzburger Veranstaltung zu besuchen.

Marion Eßl, E. Hartner&Co GmbH: „Das ist für mich der erste Steckverbinderkongress überhaupt und eine hervorragende Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über Trends und Stand der Technik zu erhalten und vor allem neue Kontakte zu knüpfen. Das ist mir ganz gut gelungen.“
Marion Eßl, E. Hartner&Co GmbH: „Das ist für mich der erste Steckverbinderkongress überhaupt und eine hervorragende Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über Trends und Stand der Technik zu erhalten und vor allem neue Kontakte zu knüpfen. Das ist mir ganz gut gelungen.“
(Bild: Hajo Stotz )

Wie für Marion Eßl (Hartner, Wien): „Das ist für mich der erste Steckverbinderkongress und eine hervorragende Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über Trends und Stand der Technik zu erhalten und vor allem neue Kontakte zu knüpfen. Das ist mir ganz gut gelungen, aber eine Art digitale Kontaktbörse, bei der man angeben kann, dass man an Informationen zu bestimmten Themen und entsprechenden Kontakten interessiert ist, wäre da hilfreich und vielleicht noch eine Idee für den Veranstalter.”

Steckverbinderkongress 2022 – Entspanntes Netzwerken auf den Social Events.
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Neben dem Get together am Abend des SPE-Tages bot auch die traditionelle Abendveranstaltung, die bei schönstem Wetter als BBQ zum Abschluss des zweiten Veranstaltungstages auf dem Vorplatz und im Foyer des Vogel Conventions Centers stattfand, Gelegenheit und Raum für den fachlichen wie persönlichen Austausch. Der dann sogar in der Würzburger Innenstadt seine Fortsetzung fand – wie eingangs beschrieben.

17. Steckverbinderkongress 2023

Und auch die Fortsetzung der Veranstaltung ist bereits in vollem Gange: Der nächste Steckverbinderkongress findet vom 12. bis 14. Juni 2023 statt. Lassen Sie sich jetzt schon vormerken und verpassen Sie keine Information. Anregungen zu gewünschten Vortragsthemen schicken Sie gerne an Kristin Rinortner.

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