Das Risiko von Konsumerprodukten im autonomen Fahrzeug

Seite: 2/3

Firmen zum Thema

Konsumermarkt vs. Automobilkomponenten

Noch glauben die Hersteller, dass es eines Tages Komponenten geben wird, die diese zusätzlichen Anforderungen der Automobilindustrie nach Sicherheit erfüllen. Heute kommen aber nahezu alle verwendeten Komponenten wie Kameras, GPS Module oder Module für Internet-Verbindungen aus dem Konsumbereich. Momentan ist nicht absehbar, wann sich das ändern wird. Im Vergleich zum Konsumermarkt ist der Komponentenmarkt für die Automobilbranche ein Nischengeschäft. Es werden daher nur sehr wenige Komponenten speziell auf die erhöhten Qualitätsanforderungen der Autoindustrie entwickelt. Bei Telekommunikationsanwendungen sind die Qualitätsanforderungen sogar noch geringer.

Komponenten für Telefone oder Kameras speziell für das Automobil zu entwickeln ist zu teuer und die Stückzahlen sind zu gering. Grund ist, dass die notwendigen Anforderungen sehr hoch und die Entwicklungszyklen in der Telekommunikation zu kurz sind, um mit der Anwendung im Auto synchron zu sein. Aber es gibt noch ein zweites Problem: In den letzten Jahren hat sich bei den OEMs ein ausgesprochener Anspruch in Richtung Null-Fehler-Toleranz entwickelt. Das heißt, der Tier 1 oder Komponentenhersteller wird in die Pflicht genommen, einen großen Teil des Schadens für den Ausfall des Produktes den Automobilhersteller zu ersetzen.

Jetzt versteht man sofort die Zurückhaltung, wenn es um das autonome Fahren geht. Auch wenn man versucht die Haftpflicht zu begrenzen, die Gesetze in vielen Staaten werfen im Fall eines tödlichen Unfalls die Frage auf: Wer ist schuld? Liegt ein schuldhaftes Verhalten in der Produktion oder im Design von Soft- oder Hardware vor? Wurden State-of-the-Art-Regeln verletzt?

Die Klärung der Schuldfrage gilt unverändert und ist ein Recht wie eine Pflicht. Sie wird dann zum unwägbaren Risiko, wenn der Fahrer nicht mehr eingreifen kann und die Beweiskette nicht einwandfrei belegbar ist. Kann der Fahrer nicht mehr aktiv eingreifen und es kommt zu Unfällen oder Rückrufen, kann das bei heutigen Schadenersatzforderungen schnell zu vernichtenden Ansprüchen führen.

Fehlertolerantes und robustes System

Sind wir wirklich fehlerfrei? Diese Frage muss man sich bei den extrem komplexen Komponenten in der Herstellung und Programmierung unbedingt stellen. Der Weg kann nur im fehlertoleranten und robusten System liegen. Hier gibt es einige interessante Ansätze; auch zum sogenannten Self Healing. Davon ist man gegenwärtig jedoch noch weit entfernt.

Aktuell arbeiten die Entwickler beim vernetzten Fahrzeug an der Kryptographie, um das Hacken von Fahrzeugen zu unterbinden. Ein Komponentenhersteller hat das in einer ZVEI-Veranstaltung auf den Punkt gebracht. Angenommen: Wir verkaufen eine Schlüsselkomponente an einen Tier-1-Lieferant mit ein Umsatz von einer Million Euro. Die Komponente wird in eine Elektronik eingebaut, die dem Tier-1 etwa 200 Mio. Umsatz bringt. Ein OEM verbaut schließlich das Modul in sein Fahrzeug und macht einen Umsatz von zwei Milliarden Euro. Im schlimmsten Fall sagt die Versicherung dann, dass seit einem bestimmten Datum zehn Prozent aller Fahrzeuge ausfallen. Zudem kommt es zu tödlichen Unfällen. Die Folgen sind Sammelklagen und ein Rückruf mit Schäden in Milliardenhöhe. Hat eine einzelne Komponente diesen Ausfall verursacht, ist das aufgrund des Risikos einer immensen Schadenersatzforderung kein Business-Modell für die Komponentenhersteller.

Solange Modellversuche zum sammeln von Erfahrungen laufen, mag es bezüglich der Haftung zu Ausnahmefällen kommen. Aber für das Massenprodukt im Angesicht von Haftungsrisiken gibt es heute keine Lösung, um unternehmenskritische Geschäfte zu vermeiden. Jeder wird beim Hype des autonomen Fahrens mitmachen, ohne sich ernsthaft zu engagieren. Die Presse bejubelt Fahrzeuge als innovativ, die in jedem Crash-Test gnadenlos durchfallen. Es werden Modelle begrüßt, die sich aufgrund der zu erwartenden Stückzahlen, mit Gewinn und Risiken nicht rechnen lassen.

(ID:45167664)