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Das Risiko von Konsumerprodukten im autonomen Fahrzeug

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Die Automobilindustrie ist getrieben von schnellen Entwicklungszyklen. Doch der Einsatz von Konsumerprodukten im Fahrzeug ist gefährlich. Und mit Blick auf autonom fahrende Fahrzeuge wird Sicherheit noch wichtiger.

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Noch ist der Glaube verbreitet, dass es Komponenten geben wird, die die zusätzlichen Anforderungen der Automobil-Industrie nach Sicherheit erfüllen. Heute kommen aber nahezu alle verwendeten Komponenten wie Kameras, GPS Module oder Module aus dem Konsumbereich.
Noch ist der Glaube verbreitet, dass es Komponenten geben wird, die die zusätzlichen Anforderungen der Automobil-Industrie nach Sicherheit erfüllen. Heute kommen aber nahezu alle verwendeten Komponenten wie Kameras, GPS Module oder Module aus dem Konsumbereich.
(Bild: Continental)

Wer will nicht sein Smartphone im Fahrzeug nutzen oder Internet? Der Druck vom Endverbraucher auf die Automobilhersteller ist groß. Jeder möchte seine bekannte Elektronik im Auto verwenden. Allerdings gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen einem hochkomplexen Fahrzeug und Konsumerelektronik. Beim Smartphone ist sich der Kunde bewusst, dass die Lebensdauer verglichen mit einem Auto beschränkt ist.

Bei Tablet, Laptop oder Computer ist die kurze Lebensdauer von Software und Hardware allgemein akzeptiert. Will man als Anwender auf dem aktuellen Stand sein, oder ein System haben, das auch noch in einigen Jahren funktioniert, muss man regelmäßig die Software aktualisieren. Auch die Hardware muss regelmäßig erneuert oder gleich ausgetauscht werden. Einen Computer, der zehn Jahre ohne Softwareupdate auskommt, gibt es nicht.

Das Problem mit den Anforderungen im Automobil

Smartphones und Tablets müssen nicht bei -20 °C und auch nicht bei 80 °C funktionieren. Doch im Fahrzeug ist das ein geforderter Standard. Die vom ZVEI gesammelten 66 Qualitätsanforderungen basieren letztlich auf sehr schlechten Erfahrungen. Oft stecken Rückrufe hinter diesen Forderungen, und einmal erstellt, sind diese fast nicht mehr wegzubekommen.

Kunden wollen, dass im Auto immer alles funktioniert. Das Antennenmodul im Rückspiegel muss Temperaturen um die 100 °C aushalten. Vom Smartphone auf dem Armaturenbrett wird das nicht erwartet. Hier erntet der Benutzer nur ein mitleidiges Kopfschütteln, während der Automobilhersteller dafür sorgen muss, das alles im Auto immer einwandfrei funktioniert.

Selbstverständlich soll auch der Notruf im Auto immer funktionieren und das über viele Jahre hinweg. Dabei werden in diesen Fällen die gleichen Schlüsselkomponenten eingesetzt, wie im Smartphone oder den Internet-Modulen im Wohnzimmer. Der Grund ist einfach: Es gibt einfach keine kostengünstigen Telefon-Module, Internet-Bausteine oder GPS-Module, die nicht hoffnungslos veraltet sind. Es gibt selbstverständlich im Militär oder Luft und Raumfahrt bessere Module, aber zu Preisen, die im Auto realisierbar sind.

Es werden schlicht keine kostengünstigen voll qualifizierten und automobilgerechten Komponenten entwickelt. Der Standard Q 100 für automobilgerechte Qualifikation ist nur eine Scheinlösung. Der Test mit 60 Geräten nach Q 100 lassen nur Aussagen zu, dass mit diesen Tests auch 2,4 Prozent defekte Geräte nicht entdeckt werden können. Ebenfalls falsch ist die Aussage, es würden nur automobilgerechte Komponenten nach Q 100 eingekauft. Das von den OEMs geforderte PPM Level von 200 PPM bis 5 PPM für ein Endgerät kann mit dieser Methode nicht qualifiziert werden. Gelöst wird das Problem häufig durch Projektfreigaben, denn damit wird die Verantwortung auf Projektleiterebene verschoben.

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