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Aktion Elektronik hilft Das Mawingu-Projekt – billiges Super W-LAN für Afrika

| Redakteur: Kristin Rinortner

In einem Pilotprojekt haben die kenianische Regierung, der kenianische Internetprovider Indigo Telecom und Microsoft ein Super-W-LAN-Netzwerk in Kenia getestet, das Afrikas unerschlossene Regionen mit einem preiswerten Breitbandzugang versorgen kann.

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Super-W-LAN: Afrikas unerschlossene Regionen sollen mit preiswerten Breitbandzugang versorgt werden. Das Pilotprojekt Mawingu wurde erfolgreich in Kenia in Betrieb genommen
Super-W-LAN: Afrikas unerschlossene Regionen sollen mit preiswerten Breitbandzugang versorgt werden. Das Pilotprojekt Mawingu wurde erfolgreich in Kenia in Betrieb genommen
(Bild: VBM-Archiv)

Ein stationärer Breitbandzugang ist für rund 3,9 Mrd. Menschen auf der Welt unerschwinglich, der mobile Internetzugang für etwa 2,6 Mrd. Menschen. Diese Situation ist insbesondere in Afrika akut, wo sich 90% bzw. 82% der Bevölkerung keinen stationären bzw. mobilen Internetzugang leisten können.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass in einem Land wie Kenia nur 2% der Bevölkerung einen Breitbandanschluss haben (Quelle: Communications Commission of Kenya, 4Q2012).

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Um dieses Problem zu meistern, haben das kenianische Ministerium für Information und Kommunikation, der kenianischen Internetprovider Indigo Telecom (federführend) und Microsoft eine Machbarkeitsstudie zu einem Super-W-LAN-Konzept initiiert, das einen zuverlässigen und bezahlbaren Breitbandzugang mithilfe von Solarenergie und neuen Super-W-LAN-Techniken demonstriert.

Super-W-LAN über weiße Räume

Das Pilotprojekt „Mawingu“ (Mawingu bedeutet auf Suaheli „Cloud“) bietet derzeit einen preiswerten Internetzugang für Kalema in der Grabenbruch-Region, das am Fuß des Bergs Nguruman nordöstlich des Magadi-Sees liegt, und für die ländlichen Gebiete im Süden von Nanyuki. Hier gibt es weder Strom noch Telefonleitungen, geschweige denn Internetzugang.

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Elektronik hilft 2013 – Spendenaktion für Ostafrika

Die Hungersnöte vor allem im Osten von Afrika treffen die Ärmsten der Armen. Mit einer Spendenaktion unter dem Titel „Elektronik hilft“ will die ELEKTRONIKPRAXIS wie schon in den vergangenen beiden Jahren einen Beitrag zu den Hilfsaktionen leisten.

So können Sie sich als Leser beteiligen: Spenden Sie direkt bei CARE Deutschland-Luxemburg e.V. Bitte als Verwendungszweck "Ostafrika – Elektronikpraxis hilft" angeben bzw. auswählen. Wir werden darüber berichten, was in Summe zusammengekommen ist.

Das „Mawingu“-Projekt stellt mithilfe solarbetriebener Basisstationen, die auf den nicht mehr genutzten anaolgen TV-Frequenzbändern (sogenannte White Spaces oder Weiße Räume) senden und der Cloud-Datenbank von Microsoft einen W-LAN-Breitbandzugang her. Indigo hat bereits zwei Basisstationen errichtet, die 20 Orten Internetzugang bieten, darunter Schulen, Krankenhäuser, Gemeindezentren und Regierungsstellen.

Afrika soll Zugang zu modernen Technologien bekommen

Dieses Pilotprojekt ist Teil von Microsofts Initiative „4Africa“, die die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents steigern soll. Ein Hauptziel besteht darin, den Zugang zu modernen Technologien für die Einwohner Afrikas zu erleichtern und es afrikanischen Studenten, Unternehmern und Entwicklern zu ermöglichen aktiv an der globalen Kommunikation und Entwicklung teilzuhaben.

Das Projekt kombiniert Basisstationen, die auf Weißen Räumen senden, mit Endgeräten (Verbindung bis zu 10 km Entfernung), 5-GHz-Backhaul-Verbindungen (ermöglichen bis zu 20 km Point-to-Point Verbindungen zwischen Basisstationen und Aggregationspunkten) sowie ein Langstrecken Glasfasernetzwerk.

Über die „White Space“-TV-Frequenz werden Endgeräte verbunden, die wiederum als Hotspot für andere Geräte dienen, die das herkömmliche W-LAN mit 2,4 GHz nutzen. Letztendlich soll die Super-W-LAN-Verbindung White-Space-Zugang mit einschließen, um einem neu entstehenden W-LAN-Standard für Frequenzen in den Weißen Räumen zum Durchbruch zu verhelfen.

TV-Frequenzen haben eine höhere Reichweite und durchdringen Hindernisse besser als herkömmliche Signale und erfordern daher weniger Basisstationen um eine Netzabdeckung zu erzielen.

Die Installation in der Nähe von Nanyuki umfasst fünf Standorte: die Krankenhausapotheke (eine Klinik) sowie die Grund- und Mittelschule für Jungen in Burguret, die Mittelschule in Gakawa und die Gemeindebücherei in Laikipia.

Die Installationen in Kalema begannen mit einer Basisstation, über die der Zugang zum kenianischen Landwirtschaftsministerium ermöglicht wird. Weitere 14 Standorte sollen in diesem Jahr zum Netzwerk hinzugefügt werden.

Indigo hat darüber hinaus sogenannte Computer-Labore an jeder Schule und Bibliothek eröffnet, in denen die aktuellen Windows-8-Tabletcomputer mit Windows-8-Anwendungen und Microsoft Office 365 genutzt werden, um mit Gemeinden und örtlichen Unternehmen die nützlichsten Dienstleistungen und Applikationen für jeden Standort herauszufinden. Dies schließt Bildung und Landwirtschaft ein.

Preisgünstiger Internetzugang für afrikanische Regionen

Das Projekt ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines preisgünstigen Internetzugangs für afrikanische Regionen. Es kommt für Kenia genau zum richtigen Zeitpunkt, da die Regierung die Effizienz von Behörden und Unternehmen im gesamten Land steigern und den Informationsfluss durch die Vernetzung der Verwaltungsbüros mit einem einzigen Datenzentrum gezielt vorantreiben möchte.

Microsoft will das Pilotprojekt Mawingu und ähnliche Projekte noch in diesem Jahr dazu nutzen, die afrikanischen Regierungen anzuspornen, die notwendigen rechtlichen und behördlichen Veränderungen durchzusetzen, die den Kontinent weiten Einsatz dieser Technologie ermöglichen.

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