Das IoT in der Messtechnik- und Sensorikbranche Das IoT wird Business-Modelle massiv verändern

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Für einen Sensoranbieter wie Pewatron wird das IoT dazu führen, Business-Modell langfristig massiv zu verändern.

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Thomas Röttinger, CEO von Pewatron: „Business Modelle für das IoT entwickeln sich immer mehr zu einer der Schlüsselfragen für die Zukunft von Technologieunternehmen.“
Thomas Röttinger, CEO von Pewatron: „Business Modelle für das IoT entwickeln sich immer mehr zu einer der Schlüsselfragen für die Zukunft von Technologieunternehmen.“
(Bild: Inge Zinsli)

Wer im Umfeld der Sensorik unterwegs ist, kommt nicht um die Sensor+Test herum. Das trifft auch auf das Schweizer Unternehmen Pewatron zu. Wir sprachen mit dem CEO Thomas Röttinger über IoT, Sensorik und strategische Entscheidungen.

Was versprechen Sie sich von einer Teilnahme an der Sensor+Test und welche Bedeutung hat die Messe für Ihr Unternehmen?

Die Sensor+Test ist für uns als Sensoranbieter, der auf Industrie- und Medizinkunden ausgerichtet ist, die wichtigste Messe im deutschsprachigen Raum. Hier treffen wir sowohl viele unserer bestehenden Kunden als auch viele neue Interessenten. Jedes Jahr bestätigt sich für uns immer wieder, dass im Gegensatz zu anderen Messen die Mehrzahl der Besucher unsere hohe technische Kompetenz und die damit verbundene technische Beratung schätzen. Dabei werden sehr oft Lösungen für die konkrete Kundenanwendung besprochen. Unsere typischen Sensorprojekte dauern mehrere Jahre vom ersten Kontakt bis zur tatsächlichen Serienlieferung. Wenn wir bei unseren laufenden Serienprojekten zurückschauen, wo wir die ersten Kundenkontakte hatten, dann ist das bei einer Vielzahl der Projekte die Sensor+Test.

Auf der Messe präsentieren Sie verschiedene Sensoren: einen Drucksensor für die Medizintechnik, einen Stromsensor sowie einen Gassensor. Können Sie uns bitte die einzelnen Sensoren vorstellen.

In der Drucksensorik präsentieren wir AG3-Serie. Zusammen mit unserem Partner Fujikura haben wir hier eine Sensorfamilie entwickelt, die durch den Einsatz eines neuen ASICs und weiterer Optimierungen im Sensor ein sehr rauscharmes, analoges Ausgangssignal aufweist und damit sehr genaue Druckmessungen von 0,1 Prozent zu sehr attraktiven kommerziellen Konditionen. Die Sensoren werden leiterplattenmontiert und vor allem im Medizin- und Pneumatikbereich eingesetzt. Bei unseren Stromsensoren präsentieren wir neue Varianten unserer SW65-Serie. Die Sensoren zeichnen sich durch eine hohe elektrische Isolationsfestigkeit bei gleichzeitig attraktiven kommerziellen Konditionen aus. Bestes Beispiel sind unsere Projekte bei Anbietern von Smart Cables für Elektrotankstellen. Weiterhin werden wir auf der Messe unseren Feststoffelektrolytgassensor ES 1 vorstellen. Soweit wir wissen, der kleinste elektrochemische Sensor der Welt. Feststoffelektrolytgassensoren enthalten keine Flüssigelemente und sind damit im Gegensatz zu den klassischen elektrochemischen Nasszellen im Aufbau und Größe sehr flexibel und eignen sich für Industrie-, Gebäude- und hochvolumige, kostensensitive Consumer und Infrastrukturanwendungen. Unser Partner EC Sense führt gerade im Infrastrukturbereich große Projektierungen in China durch. Auf diesen Erfahrungen werden wir bei der Vermarktung in Europa aufbauen.

Sensoren spielen in der vernetzten Industrie – Stichwort IoT – eine zentrale Rolle. Welche Business-Modelle speziell für KMU sind hier denkbar und was denken Sie über das sensible Thema „Umgang mit Daten“?

Business Modelle für das IoT entwickeln sich immer mehr zu einer der Schlüsselfragen für die Zukunft von Technologieunternehmen. Nicht nur KMUs sondern beinahe alle großen Technologienanbieter aus der Fertigungstechnik, der Elektronik oder der Sensorik stellen sich diese Frage. So richtig überzeugende und vor allen in der Praxis auch funktionierende Modelle sind soweit mir bekannt noch sehr rar. Wir haben im Rahmen des AMA Fachverbandes einen Arbeitskreis gegründet, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Bei der Pewatron gehen wir davon aus, dass das Thema IoT unsere Business-Modelle langfristig massiv verändern wird. Damit einhergehend die Standardisierung der Sensoren, Vereinheitlichung von Schnittstellen, Eintritt der großen IT-Multinationals in den Markt der Automatisierungstechnik oder flächendeckende Ausstattung von Städten mit Luftgüteüberwachungssystemen. Wir müssen unsere Sensoren noch näher an den Bedürfnissen unserer bestehenden Kunden ausrichten und gleichzeitig in bestimmten Segmenten beim Thema Vernetzung von Sensoren mit Start-ups zusammenzuarbeiten.

Das Thema Umgang mit Daten spielt dabei eine Rolle. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass ein KMU allein hier eine Lösung anbieten kann. Dieser wird aus meiner Sicht technisch von den großen Multinationals oder von Partnerschaften einzelner KMUs bestimmt werden. Wie jeder einzelne als Person oder als Firma mit den eigenen Daten umgeht, wäre dann wieder ein anderes Thema.

Worin sehen Sie einen entscheidenden Unterschied bei Sensoren für die Industrie und für Automobil-Anwendungen?

Die Unterschiede in der reinen Funktionalität sind in vielen Anwendungen relativ gering. Drucksensoren in Industrie- und Automobilanwendungen haben beispielsweise oft sehr ähnliche Anforderungen hinsichtlich Genauigkeit, Robustheit des Signals gegen Umgebungseinflüsse und Langlebigkeit. Der große Unterschied liegt im zugrundeliegenden Business-Modell. Automobilanwendungen erreichen in der Regel 100- bis 1000-mal höhere Stückzahlen. Damit können durch entsprechende Investitionen in Fertigungsmittel und Volumeneffekte sehr günstige Kostenstrukturen für den einzelnen Sensor realisiert werden. Industrieanwendungen erfordern ebenfalls kostengünstige Lösungen, gleichzeitig muss der Sensoranbieter hier relativ zum Projektvolumen eine viel höhere Anzahl von Schnittstellen, wie mechanisch oder elektrisch, eine kompetente Beratung und technischer Flexibilität bieten. Daneben sind in der Industrie langjährige Beziehungen zu Kunden verbunden mit einer großen Verlässlichkeit der handelnden Personen unersetzlich.

Sie haben den Kauf der IS-LINE durch Ihre Muttergesellschaft Angst+Pfister angekündigt. Welche Strategie verbirgt sich dahinter?

Die IS-LINE ist ein im deutschen Markt sehr angesehener Anbieter von Sensoren. Das Produktportfolio und die Kundenstruktur der IS-LINE zusammen mit der Pewatron ergänzen sich aus unserer Sicht sehr gut. In den letzten Jahren haben wir uns mit Herrn Kleye, dem Eigentümer und Geschäftsführer, öfters über die für unsere Kunden, unsere Lieferanten und unsere Mitarbeiter zukünftige, bestmögliche Aufstellung unserer Unternehmen unterhalten. Dabei sind wir zum Schluss gekommen, dass eine Zusammenführung verschiedener Aktivitäten der beiden Unternehmen viele Vorteile bietet. Wir können unseren Kunden zukünftig ein noch breiteres Portfolio an applikationsspezifischen Sensoren verbunden mit einer kompetenten Beratung bieten. Unseren Lieferpartnern ermöglichen wir Zugang zu einer noch breiteren Kundenbasis verbunden mit der Beratung durch unsere erfahrenen Mitarbeiter, die seit Jahren im Sensorumfeld beratend tätig sind. Für unsere Kollegen eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, ihre Aktivitäten und Entwicklungen in einem größeren und motivierten Team voranzutreiben.

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