Das IIoT-Potenzial ist hoch, wird aber bislang kaum ausgeschöpft

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Die jüngste IDC-Studie „Industrial IoT in Deutschland 2021“ zeigt, dass fast 40 Prozent der rund 250 befragten deutschen Unternehmen wegen COVID-19 ihre Investitionen in das IIoT erhöhen wollen. Nur 18 Prozent der Befragten planen, sie zu senken. Technologische Entwicklungen bei Edge Computing, 5G und KI/ML fördern neue Anwendungsszenarien und eine IIoT-Adaption.

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IDC hat die Studie „Industrial IoT in Deutschland 2021“ veröffentlicht.
IDC hat die Studie „Industrial IoT in Deutschland 2021“ veröffentlicht.
(Bild: © j-mel-stock.adobe.com)

Unter IIoT versteht das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC „die Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen, Werkzeugen und Produkten zur Erzeugung von Daten, beispielsweise für Automatisierung und Analysen“. Hier kommen die unterschiedlichen Kulturen von Informationstechnik (IT) und Operativer Technik (OT) zusammen, was mitunter zu Missverständnissen und Konflikten führen kann.

„Bei den Anwendungsfällen steht wegen der aktuellen Corona-Krise die Optimierung von Prozessen mehrheitlich im Vordergrund“, sagte Marco Becker, leitender Berater bei IDC bei der kürzlichen erfolgten Präsentation der Studie, deren Durchführung er leitete. 53 Prozent wollen demnach interne Prozesse optimieren (siehe Bildergalerie) und Kosten sparen. 47 Prozent erhoffen sich bessere und schnellere Entscheidungen aufgrund genauerer Daten. Insgesamt planen 59 Prozent der Befragten neue Projekte. „Neue Geschäftsmodelle haben bisher nur knapp ein Viertel der Befragten umgesetzt und bleiben damit hinter ihren eigenen Planungen aus dem vergangenen Jahr zurück.“ Es gibt noch viel zu tun.

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Neben der Integration von IIoT-Datenquellen mit Standardsoftware wie ERP und CRM im Hinblick auf Kundenservice und neue Produkte beobachtet Becker, „dass rund 39 Prozent der Unternehmen mit IoT-Plattformen im Einsatz sogenannte Business-Ökosysteme mit Innovationspartnern aufbauen“. Die Basis der Innovation ist der Erwerb von Know-how, der Austausch von Erfahrungen und die Vernetzung mit hilfreichen Partnern. In einer öffentlichen Diskussion zu den Aussagen der Studie wurden auch die Vorteile von offener Software, offenen Plattformen und Schnittstellen (APIs) hervorgehoben, die in einem solchen Ökosystem für Innovation notwendig seien.

5G-Netze als Beschleuniger

Rund 42 Prozent der Befragten haben Edge Computing produktiv oder in Pilotprojekten im Einsatz, weitere 29 Prozent haben Pilotprojekte geplant. Einsatzszenarien seien u .a. Remote Tracking und Monitoring sowie Predictive Maintenance.

Durch die Nutzung von 5G-Netzen könnten die Unternehmen denjenigen Technologiebaustein erhalten, der IIoT und insbesondere die Weiterentwicklung von Edge Computing am stärksten fördere, so Becker. „Insgesamt setzen momentan bereits 13 Prozent der befragten Unternehmen 5G in Projekten und Pilotprojekten ein, weitere 46 Prozent planen es.“ Der Standard 5G NR-U erlaubt es, ein privates 5G-Netz aufzubauen. IDC hat vielfach schon 5G-basierte Campus-Netzwerke beobachtet, v. a. bei großen DAX-Konzernen. „Insgesamt 66 Prozent derjenigen, die 5G einsetzen oder in der Planung sind, wollen ein privates 5G-Netz aufbauen“, berichtet Becker.

Aus Künstlicher Intelligenz und IoT wird AIoT

Am Edge erzeugen Maschinen, Sensoren und Endgeräte wie etwa Fahrzeuge ausreichend große Datenmengen, um Machine-Learning-Modelle zu füttern, die damit schnell angepasst werden können. Artificial Intelligence (AI) und ML seien momentan bei 49 Prozent der Befragten produktiv oder in Pilotprojekten im Einsatz. Für viele Use Cases wird vor allem die Verschiebung der KI/ML-Algorithmen in die Endgeräte mithilfe von Edge Computing interessant – etwa in Fahrzeuge oder Kameras und Computer-Vision-Systeme.

„Rund 11 Prozent der Befragten planen, in Zukunft ihre Betriebsdaten hauptsächlich direkt am Edge in AI/ML-Algorithmen zu verarbeiten“, berichtet Becker. „Das Internet of Things wird dadurch zum Artificial Internet of Things (AIoT), das die unternehmensweiten Entscheidungen im zentralen Rechenzentrum um dezentrale Entscheidungen in den Endgeräten ergänzt.“

Hohes Potenzial

Wie eingangs erwähnt, wird das hohe Potenzial von IIoT für höhere Effizienz, mehr Innovation und verbesserte Wettbewerbsfähigkeit bislang unzureichend ausgeschöpft. „Obwohl die vorausschauende Wartung ein häufig genutzter IIoT-Anwendungsfall im eigenen Betrieb ist, haben nur rund 27 Prozent der Befragten darauf basierend einen Service für ihren eigenen Kunden umgesetzt oder sind dabei einen solchen umzusetzen“, beklagt Becker.

Ähnliches gelte für die Monetarisierung der Daten (25 Prozent), Product as a Service (22 Prozent), On-demand-Hyperlocal Manufacturing (3D-Druck; 21 Prozent) sowie Outcome-basierte Geschäftsmodelle (18 Prozent). Immerhin befänden sich zahlreiche dieser Modelle in der Planung (siehe die Fotogalerie).

Becker warnte im Hinblick auf die lange Vorlaufzeit bei solchen datenbasierten Modellen. Dem hielten jedoch Vertreter der IT-Anbieter in der Diskussion entgegen, dass für das Aufsetzen eines Proof-of-concepts nur geringe Investitionen nötig seien. Am meisten Sorgen scheinen den Anwendern indes die Datensicherheit und der Datenschutz zu machen, denn viele IIoT-Plattformen lassen sich nur in der Cloud betreiben, besonders die der Hyperscaler. Das Gegenargument lautete, auf lokale Rechenzentren kleinerer Provider mit lokaler Compliance zu setzen. Auch dort sei durchgängige Datenverschlüsselung realisierbar.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal Bigdata-Insider.de.

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