Visio.M der TU München Das Geister-Auto: Ferngesteuert Elektroauto fahren

Redakteur: Sariana Kunze

Die Forscher des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik der TUM haben in einem Projekt gezeigt, dass das ferngelenkte Fahren im öffentlichen Straßenverkehr sicher funktioniert.

Das E-Mobil Visio.M fährt ferngesteuert auf dem Vorplatz der Fakultät für Maschinenwesen der TU München.
Das E-Mobil Visio.M fährt ferngesteuert auf dem Vorplatz der Fakultät für Maschinenwesen der TU München.
(Andreas Heddergott / TUM)

Dafür haben sie das Elektroauto Visio.M mit sechs Videokameras ausgerüstet und sämtliche Funktionen über ein zentrales Steuergerät schaltbar gemacht. Die Videobilder laufen in einem Computer zusammen und werden dann codiert über LTE zu der Fernsteuerung, dem Operatorarbeitsplatz, gesendet.

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Dort sitzt der Fahrer wie in einem Fahrsimulator mit Lenkrad, Schalttafel und Pedalen vor drei riesigen Monitoren. Diese zeigen die Bilder von bis zu fünf nach vorn und zur Seite gerichteten Kameras, die in der Mitte der Windschutzscheibe vor dem Rückspiegel angebracht sind. Eine weitere Kamera zeigt den Blick nach hinten.

Das Lenkrad ist ein Force-Feedback-Wheel, das über Stellmotoren Haltekräfte zurückmeldet und so ein sehr realistisches Fahrgefühl vermittelt. Ebenso echt fühlt sich die Bremse an, die ganz wie im Auto auf den ausgeübten Druck am Pedal anspricht. Neben einer kompletten Rundumsicht wird dem Fahrer an seinem Operatorplatz auch der Ton aus dem Wageninneren über Dolby 5.1 räumlich korrekt dargestellt.

Ferngesteuerte Fahrzeuge stehen vor juristischen Hürden

In vielen Großstädten ist das LTE-Netz inzwischen großräumig ausgebaut, so dass schon heute ausreichend Bandbreite für die Übertragung der Videobilder, des Tons und der Steuerdaten zur Verfügung steht. Außerdem schreitet der Ausbau der Mobilfunknetze weiter fort. Die Kapazitäten nehmen zu und gleichzeitig steht mit dem nächsten Video-Codec H.265 eine noch effizientere Komprimierung der Bilder auf nur noch 50 Prozent der jetzigen Größe bevor.

Notfalls wäre aber auch heute schon eine Übertragung über das viel langsamere UMTS-Netz möglich. Auch die Verzögerung liegt dabei immer noch weit unter einer halben Sekunde. Sollte die Bandbreite aber tatsächlich einmal nicht ausreichen oder die Verbindung sogar ganz abreißen, wird das Fahrzeug automatisch bis zum Stillstand abgebremst. Trotz aller technischen Machbarkeit müssen vor einem möglichen regulären Einsatz solcher Systeme noch juristische Hürden genommen werden.

TUM-Forscher sehen Straßentauglichkeit in 5 bis 10 Jahren

Dennoch sind die Forscher der TU München davon überzeugt, dass das sogenannte teleoperierte Fahren schon innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre Realität werden könnte. Denn die Kosten sind überschaubar. Kamera und Elektronik für die Fernsteuerung kosten inzwischen nicht mehr als manch anderes Ausrüstungspaket. Und Anwendungsmöglichkeiten gibt es genug. Vom Car Sharing Fahrzeug, dass vor die Haustür bereitgestellt wird über Parkservices in Innenstädten bis hin zur ferngelenkten Fahrt von Elektroautos zur nächsten Ladesäule.

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