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Günther Spelsberg Das Gehäuse als Systemlösung

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Die Anforderungen an ein Gehäuse in der Fertigungsindustrie variieren stark mit der Funktion der Endanwendung und dem geplanten Einsatzort der fertigen Baugruppe. Sie zu erfüllen und hierfür notwendige Anpassungen vorzunehmen, wird zunehmend dem Gehäusehersteller übertragen.

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Immer mehr Hersteller lagern die Bearbeitung benötigter Gehäuse und die Fertigstellung der gesamten Baugruppe aus.
Immer mehr Hersteller lagern die Bearbeitung benötigter Gehäuse und die Fertigstellung der gesamten Baugruppe aus.
( Archiv: Vogel Business Media )

Aufgrund unzureichender Ressourcen, mangelndem Know-how, hohem Arbeits- und Organisationsaufwand sowie knappen Budgets ist die Just-in-Time-Lieferung aus einer Hand für den Hersteller häufig einfacher und profitabler als die In-House-Produktion. Individuelle Anforderungen, die sich aus der konkreten Anwendung ergeben, wie unübliche Abmessungen oder besondere Ansprüche an das Material Gehäusehersteller können ausgehend von ihrem Standardsortiment leicht und schnell passende Lösungen erstellen.

Änderungen schnell und preisgünstig umgesetzt

Die schnellste, schlichteste und günstigste Form der Anpassung an individuelle Anforderungen ist das Fräsen, Bohren oder die Positionierung von metrischen Vorprägungen an Standardgehäusen. Und so entscheiden sich Unternehmen im produzierenden Gewerbe immer häufiger für den Kauf bearbeiteter Gehäuse. Denn notwendige Veränderungen bei größeren Stückzahlen können vom Gehäusehersteller mit der geeigneten maschinellen Ausrüstung und dem größeren Know-how schneller und kompetenter umgesetzt werden. Dies gilt insbesondere bei bestehendem Risiko der Beschädigung des Gehäuses, etwa dem Ausschlagen von Seitenteilen.

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Während der Markt zunehmend vom Gehäuse als Standardbauteil in Richtung Applikationen und Systemlösungen umdenkt, haben einige Gehäusehersteller wie Günther Spelsberg schon lange in entsprechende Bearbeitungszentren investiert und sich als Entwicklungspartner für ihre Kunden positioniert. Mit neuesten Technologien und eigens angefertigtem Werkzeug lassen sich hier individuelle Lösungen entwickeln und intern fertig stellen.

Die Firma Rixen beispielsweise benötigte zur Produktion eines neuen Feindruck-Manometers ein schlagfestes Gehäuse, einschließlich Sichtfenster zur analogen Anzeige des Messwertes und Schutz vor unbefugtem Zugriff. Spelsberg modifizierte hierfür ein Standardgehäuse mit den geforderten Abmessungen mit hohem Deckel und verschiedenen Ausbrüchen für Fenster und Kabelverschraubungen. Der Deckel kann durch kleine Bohrungen an den Befestigungsschrauben mit Draht verplombt werden, wodurch Manipulationen ausgeschlossen sind. Diesen Anpassungsservice erbrachte Spelsberg innerhalb kürzester Zeit und hat mit Rixen mittlerweile einen jährlichen Liefervertrag abgeschlossen.

Schnelle Umsetzung dank Spritzgießtechnik

Bei Anwendungen, die auf Basis des umfassenden Standardsortiments von Spelsberg nicht machbar sind, werden entsprechende Gehäuse auch als Sonderanfertigungen hergestellt. Für die Umsetzung solcher Aufträge und die Herstellung von Kunststoff-Bauteilen mit geringen Toleranzen eignet sich insbesondere das Spritzgießen. Modular aufgebaute Spritzgießformen ermöglichen die millimetergenaue Herstellung des gewünschten Gehäuses ohne nachträgliche Bearbeitung und können pro Form aus vielen einzeln auswechselbaren Werkzeugeinsätzen bestehen. Die Berücksichtigung besonderer Spezifikationen des Gehäuses wie Löcher oder Durchbrüche lassen sich somit bereits bei der Produktion einbeziehen, ohne eine weitere Bearbeitung zu erfordern. Auf diese Weise lassen sich auch für den Auftraggeber Risiko, Aufwand und Kosten der Produktion minimieren.

Herausforderung Kleinstserie

Die wichtigsten Faktoren für eine zügige Umsetzung der geforderten Spezifika der Gehäuse sind ein hoher Automatisierungsgrad, die Verfügbarkeit maschineller Kapazitäten, Werkzeuge und qualifiziertes Personal, sowie kurze betriebsinterne Kommunikations- und Lieferwege sowie zum Netzwerk der Partner, die an der Umsetzung einzelner Projekte beteiligt sind. Im Zusammenhang mit Bearbeitungsschritten, die von solchen Produkten wie Aufklebern, Drucken, Tastaturfolien, Klemmen, Kabeln usw. abhängen, arbeitet Spelsberg deshalb mit einer Reihe kompetenter Partner zusammen, die dem Gehäusehersteller eine Wertschöpfung für den Kunden ermöglichen.

Auf diese Weise ließ sich ein Projekt für ein Vorkassesystem für Wärme- Wasser oder Strom bei Enerlyt realisieren. Den Anforderungen entsprechend entwarf und lieferte Spelsberg innerhalb von nur drei Wochen eine Gehäuselösung, welche die gesamte Steuereinheit des Vorkassesystems Enerlytor umschließen und schützen sollte. Ein Standardgehäuse wurde hierfür mit Bohrungen und einem Zugang für den Chipkartenleser versehen, sowie der Polycarbonat-Deckel mit einer Klebefolie beschriftet. Um diesen Service aus einer Hand anzubieten, wurde die individuelle Folie von einem externen Anbieter zugekauft und bei Spelsberg auf dem Gehäusedeckel aufgebracht. Die schnelle Bearbeitung im Werk und die pünktliche Lieferung des Zulieferteils ermöglichte es Spelsberg, dieses 500 Gehäuse umfassende Projekt schneller als gefordert zu realisieren.

Einbaufertige Baugruppen und Systemlösungen

Anwendern, deren Vorgaben mit solchen Anpassungen und Bestückungen noch nicht erfüllt sind, werden neben bearbeiteten auch vorkonfektionierte Lösungen angeboten. So lassen sich beispielsweise nicht nur Klemmen einfügen oder Aufdrucke anbringen, sondern auch Verdrahtungen durchführen, sowie Platinen oder Stecker integrieren, die dann mit einer Kabelverschraubung eingeführt und auf Klemmen oder Leiterplatten aufgelegt werden. Mit präzisen Vorgaben ist Spelsberg in der Lage, jede gewünschte Baugruppe fertig zu stellen.

Für die dachintegrierten Photovoltaik-Anlagen des auf Flachdachsysteme spezialisierten Unternehmens alwitra entwickelte Spelsberg beispielsweise einen Reihenklemmen-Kasten mit Überspannungsschutz in Zusammenarbeit mit dem Kunden. In das fertige Gehäuse wurde ein Klemmenbock zur Befestigung sämtlicher Verkabelungen, sowie eine Normschiene montiert. Bei der Spelsberg-Schwester els wurde die Normschiene anschließend mit einem Überspannungsschutz von Dehn+Söhne versehen, bestückt und verdrahtet. Die einbaufertigen Reihenklemmen-Kästen konnten einschließlich Montageanleitung binnen drei Wochen geliefert werden.

Spelsbergs Umorientierung in Richtung Systemlösung geht deutlich über den allgemeinen Markttrend hinaus und hat sich als gute Investition erwiesen. Als einer der Anbieter mit dem breitesten Angebot und den kürzesten Lieferfristen kann das Unternehmen vom Prototypenbau über die individuelle Anpassung bis hin zum Einbau elektronischer Komponenten und der Bestückung kundenspezifischer Komplettgehäuse alle erforderlichen Schritte im eigenen Haus durchführen. Ein Service der von den Kunden aus gutem Grund immer häufiger in Anspruch genommen wird: Geringerer zeitlicher und finanzieller Aufwand, ein Ansprechpartner für alle Fragen und eine einbaufertige Lösung zum festgelegten Liefertermin.

Halle 5, Stand 367

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