Mutmacher „Das frühe Handeln hat sich bewährt“

Redakteur: Gerd Kucera

Bereits Mitte Februar hat Stromversorger Traco Power mit Notfallplanungen begonnen und sie ab Anfang März konzequent umgesetzt. Die Lage Ernst zu nehmen und vorausschauend zu handeln, war die richtige Strategie.

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Vorbereitet: Florian Haas, Traco Power
Vorbereitet: Florian Haas, Traco Power
(Bild: Florian Haas)

Der Stromversorgungsexperte Traco Power beschäftigt 120 Mitarbeiter in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich, Irland und den USA. Über ein weltweites Vertriebsnetz mit lokalen Lagern offeriert er ein Produktsortiment mit über 5000 Artikeln und trägt damit auch die Verantwortung für einen umfassenden Abnehmerstamm in Schwerpunktanwendungen wie Medizin, Bahntechnik, Industrieautomation und Robotk. Wie kommt Florian Haas, Direktor Marketing & Produktmanagement und Mitglied der Geschäftsleitung von Traco Power, mit dieser völlig neuartigen Krise zurecht?

Welche Probleme traten im bisherigen Verlauf der Krise auf?

Wir haben in der Traco Power-Gruppe bereits Mitte Februar mit den Notfallplanungen angefangen und diese dann ab Anfang März umgesetzt. Im Prinzip waren unsere Maßnahmen wie Hygienekonzept, Home-Office-Lösungen und anderes mehr die ersten Auswirkungen, die wir aber dank des hervorragenden Engagements und den Investitionen in Digitalisierung der letzten Jahre gut gemeistert haben. Die größten Herausforderungen lagen in der Logistik. Es gab schon zum Teil deutlich gestiegene Frachtraten und auch längere Transportzeiten im Bereich einiger Wochen.

Konnten die Lieferketten aufrechterhalten werden?

Bei Traco Power haben wir die gute Situation, dass wir eines der größten Stromversorgungslager in Europa haben. Dadurch können wir, wie vor Corona auch, die Lieferfähigkeit an unsere Kunden sicherstellen und haben für unsere Kunden bislang auch die gestiegenen Transportkosten übernommen.

Wann erwarten Sie eine Normalisierung des Geschäfts?

Wir denken, dass zum Ende des zweiten Jahresquartals oder zum Anfang des dritten Quartals zunächst einmal der Boden der schlechten Entwicklung erreicht wird. Die wirtschaftliche Erholung wird aus unserer Sicht aber eher erst nach dem Sommer beginnen. Wenn man sich die weltweite Entwicklung der Pandemie ansieht, was gerade für die sehr exportorientierte deutsche Industrie wichtig ist, dann muss man ja leider feststellen, dass sich zwar die Schwerpunkte der Pandemie verschoben haben, global gesehen diese aber weiter voranschreitet. Von daher gehe ich nach dem Sommer eher von einer langsamen Erholung aus. Bei Traco haben wir von unseren Kunden tatsächlich gerade in den letzten Monaten zahlreiche tolle kundenspezifische Aufträge erhalten. Aufgrund der in diesem Bereich typischen Entwicklungs-, Zulassungs- und Erprobungszeiten wird sich das aber in der Geschäftsbilanz erst ab 2021 niederschlagen.

Diesen Beitrag lesen Sie auch in der Fachzeitschrift ELEKTRONIKPRAXIS Ausgabe 15/2020 (Download PDF)

Gibt es ein Zurück zur Normalität oder werden sich die Prozesse beständig ändern?

Wir denken nicht, dass sich unser Kernprozesse und Abläufe grundlegend verändern, da wir diese in den letzten zwei Jahren Stück für Stück digitalisiert und optimiert haben. Dies kam und kommt uns, unseren Partnern und Kunden während der Krise natürlich zugute. Den Zeitpunkt einer Normalisierung zu nennen, ist nicht möglich.

Was ist für Sie die Lehre aus der bisherigen Krise?

Das frühe Handeln nach der Weisung der Schweizer Bundesregierung hat sich bewährt. Wir würden und werden das auch heute wieder tun. In der Zeit des Lockdowns war eine häufige und transparente Kommunikation, etwa mit Live-Videos, motivierend und sinnstiftend für Mitarbeitende und Partner. Durch rechtzeitige Investitionen und den Fokus auf Digitalisierungsprojekte hatten wir glücklicherweise die richtigen Werkzeuge und Prozesse, um effizient zu arbeiten.

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