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Nachruf Eric Lidow Das Ende einer wahren Tellerwäschergeschichte

| Redakteur: Gerd Kucera

Am 18. Januar 2013 verstarb Eric Lidow, der als junger Emigrant zusammen mit seinem Vater 1947 in Amerika den heutigen Halbleiterkonzern International Rectifier etablierte. Bis Mai 2008 führte er als Chairman das Board of Directors. Im Dezember 2013 hätte er seinen hundertsten Geburtstag gefeiert.

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Eric Lidow vor dem Bildnis seines Vaters Leon, mit dem er 1947 International Rectifier gründete
Eric Lidow vor dem Bildnis seines Vaters Leon, mit dem er 1947 International Rectifier gründete
(Bild: Gerd Kucera)

„Eric Lidow war ein hochgeschätzter Pionier der Leistungshalbleiter-Industrie”, konstatiert Oleg Khaykin, President and Chief Executive Officer von IR, „es erfüllte ihn mit Stolz, zu sehen, wie sich sein Unternehmen stetig fortentwickelte. Das Vermächtnis seiner Führerschaft im Laufe von über 60 Jahren wird im Unternehmen weiterleben.“

Von Vilnius nach New York: Ein Anfang mit Hindernissen

1937 macht der 23-jährige Student Eric Lidow an der Universität Berlin im Fach Fotovoltaik sein Diplom. Der allerschlechteste Ort zu der Zeit für einen jungen Juden. So emigriert der aus Vilnius/Litauen stammende Jungtechniker wohlweislich, aber mit nur 14 US-$ Barvermögen und ohne Englischkenntnisse nach Amerika. Sein ganzes Talent, fünf Sprachen (außer Englisch) zu beherrschen, und auch sein Technikdiplom sind ihm bei der Suche nach Arbeit anfänglich wenig nütze. Doch als Reifenstapler und Tellerwäscher über die Runden gekommen etabliert er schließlich 1947 mit eisernem Willen ein Unternehmen, das einmal in der Welt führend sein und einen Börsenwert von über 3 Mrd. US-$ haben soll.

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Die Ursprünge reichen bis ins russische Zarenreich zurück. Im Dezember 1912 wurde Eric Lidow in Vilnius, der heutigen Hauptstadt Litauens, geboren. Zu dieser Zeit stand Vilnius unter russischer Führung. Weil Erics Vater, Leon Lidow, sich in der russischen Armee verpflichtete, zog die jüdische Familie nach Russland. Neun Jahre später kehrte sie schließlich ins, inzwischen polnische, Vilnius zurück. In seiner Geburtsstadt besuchte Eric Lidow nun das Gymnasium, das erstmals sein Interesse für das Ingenieurwesen weckte.

„Die meisten meiner Freunde wollten ja eher wohlhabende Anwälte, Ärzte oder Geschäftsmänner werden“, erinnerte sich Eric Lidow 2006 in einem Interview mit ELEKTRONIKPRAXIS .Nach Abschluss des Gymnasiums 1931 verließ Eric Lidow seine Geburtsstadt, um sich in Berlin an der Technischen Universität für das Ingenieurstudium mit Schwerpunkt Fotovoltaik zu immatrikulieren. Obwohl seine Eltern nur vage Vorstellungen von einem Elektroingenieur hatten, unterstützten sie ihn bei seiner Entscheidung.

„Venture Capital“ anno 1940

Nach Abschluss des Studiums 1937 in Berlin waren die Möglichkeiten einer weiteren Ausbildung in der Nazi-Diktatur, deren Hauptbestreben, die Vorbereitung auf einen Krieg, längst in vollem Gange war, zunehmend begrenzt. Für ausländische Studenten wurde etwa technische Literatur mit einem Mal unzugänglich.

Angesichts all der schwindenden Möglichkeiten emigrierte Eric Lidow schließlich nach New York: „Als ich ankam, besaß ich 14 Dollar in bar und sprach kein Wort Englisch. Aber wenn du überleben willst, dann musst du die Landessprache lernen.“ Weder seine ansonsten große Sprachvirtuosität noch das Technikdiplom halfen ihm bei der Suche nach Arbeit.

Die Wende zum Guten trat ein, als er im Mai 1938 bei Automatic Winding (Hersteller von Spulen) eine Stelle als Dolmetscher für wichtige deutsche Besucher bekam. In dem Job perfektionierte er seine Englischsprachkenntnisse. Von Eric Lidows Fähigkeiten beeindruckt bot der Chairman ihm eine Management-Position an, in der Eric Lidow anfangs für neun, später für 120 Mitarbeiter verantwortlich war.

Doch der junge Emigrant glaubte an seine brachliegenden Technik-Talente und investierte im Herbst 1939 schließlich 34 US-$ seiner Ersparnisse in ein Stellengesuch als Fotovoltaik-Experte. Das führte ihn in die erste viel versprechende Stelle in den Universal Studios, Hollywood, um dort fotoelektrische Ausrüstungen für die Filmvervielfältigung zu entwickeln. Bevor er diesen Job aber annehmen konnte, verstarb der verantwortliche Manager. Dennoch sollte die Reise nach Los Angeles nicht vergebens sein, denn ein Universal-Mitarbeiter stellte Eric Lidow 2000 US-$ Startkapital zur Verfügung, um seine eigene Firma zur Entwicklung fotoelektrischer Zellen zu ermöglichen. Damit etablierte er 1940 die Selenium Corporation of America.

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