Kundenspezifische Display-Lösungen

Das Display nach Maß

| Autor / Redakteur: Wilfried Reeh * / Hendrik Härter

Maßgeschneiderte Displays: Die Preise für einen kundenspezifischen Open-Frame-TFT-Monitor bewegen sich je nach Aufwand für Backlight, Gehäuse und Ansteuerung bei wenigen tausend Euro
Maßgeschneiderte Displays: Die Preise für einen kundenspezifischen Open-Frame-TFT-Monitor bewegen sich je nach Aufwand für Backlight, Gehäuse und Ansteuerung bei wenigen tausend Euro (Archiv: Vogel Business Media)

Displays gibt es in den verschiedensten Größen. Alles beginnt mit dem Mutterglas. Doch worauf muss beim Schneiden kundenspezifischer TFT-Displays geachtet werden?

Jeder kennt heute die gängigen Größen von TFT-Displays aus der Welt moderner Smartphones, Tablet-Rechner, Navi, Notebook, Monitoren und Fernsehern. Dabei entstehen diese teils willkürlich erscheinenden Formate aus dem kommerziellen Bedürfnis heraus, die sogenannten Muttergläser mit möglichst geringem Verschnitt auszunutzen.

Diese Muttergläser sind Tafeln zwischen 1 und 9 m², je nach Alter oder auch Generation der Fabriken, die weltweit von einer übersichtlichen Anzahl an Herstellern betrieben werden, denn die Investition in eine neue Fertigungsstätte ist hoch. Was tun, wenn technische Vorgaben oder Designvorstellungen andere Formate fordern?

Die kundenspezifische Fertigung von TFT-Gläsern ist möglich, hat aber zwei empfindliche Rahmenbedingungen: entsprechenden Bedarf und Initialkosten von einigen hunderttausend Euro. Jedoch gibt es eine Alternative, die für industrielle, automotive und Luftfahrt-Anforderungen gleichermaßen interessant ist und in kleinen Mengen ab einem Stück realisierbar ist. Der Prozess erfolgt in fünf Stufen:

  • einen vorhandenen Open-Frame-TFT-Monitor auseinandernehmen
  • die Leiterplatten durchschneiden
  • das TFT-Panel in die gewünschten Größe schneiden
  • die Kanten versiegeln
  • Test des TFT-Panels

Zunächst erscheint dieser Prozess unmöglich. Dennoch wird er bereits seit mehr als 10 Jahren erfolgreich angewendet und die veränderten TFTs wurden unter anderem auch für den Luftfahrtbereich zugelassen. Denn moderne AMLCDs weisen typischerweise Zeilentreiber nur an einer Seite auf und erlauben die Entfernung von Displaybereichen an der gegenüberliegenden Seite. Die Spaltentreiber zeigen sich in Gruppen, die problemlos entfernt werden können, ohne Einfluss auf die Funktion der restlichen Gruppen zu nehmen. Welche Regeln müssen beachtet werden und wie sehen die einzelnen Prozesse aus?

Da die Schnitte durch das TFT-Panel nur zwischen den Treibern für Zeilen und Spalten erfolgen dürfen, muss erst die Anschlusskonfiguration des Herstellers bekannt sein. Die Spezifikationen sind diesbezüglich oftmals wenig hilfreich. In den Blockschaltbildern sind meist pauschal Horizontal- und Vertikaltreiber ausgewiesen und die mechanische Zeichnung zeigt nur Maße mit Bezug auf das Display selbst.

Es bleibt nicht mehr übrig, als ein vermeintlich passendes Display zu beschaffen und zu öffnen. Oder ein auf das Schneiden spezialisierter Betrieb stützt sich auf seine Erfahrung und Dateien von bereits erfolgreich veränderten Displaygrößen. Jedes verbleibende Pixel braucht je einen Spalten- und Zeilentreiber. Daraus ist ersichtlich, dass auch diagonale Schnitte möglich sind und sich somit interessante Designmöglichkeiten ergeben.

Was läuft bei kundenspezifischen Größenwünschen für Displays ab?

Der Prozess des Schneidens wurde beispielsweise von Tannas Electronics aus Orange, CA. patentiert. Zunächst wird die ursprünglich um das Display und Backlight nach hinten herum geklappte Leiterplatte in dem Bereich durchtrennt, der für die Ansteuerung des entfallenden Pixelbereiches nicht mehr nötig ist. Erkennbar ist das durch voneinander getrennte Flexbereiche. Nur in den freien Bereichen darf geschnitten werden. Das Gleiche gilt für die horizontalen Treiber.

Wird mit einem Controllerboard die ursprüngliche Größe angesteuert, bleibt der unerwünschte Displaybereich schwarz und die Schnittkanten des Glases definieren sich von selbst. Der Schnittprozess des Glases ist proprietär, dürfte aber durch Diamant- oder Laserschnitt erfolgen. Zuvor muss der Polarizer im Schnittbereich entfernt und zurückgesetzt werden. Der Schnitt selbst führt durch das Glas, die TFT-Struktur, Kompensationsfilm, Farbfilter und den Fluid. Dieser ist hochviskos und tritt nicht aus, solange nicht auf das Display gedrückt wird.

Beim Öffnen der Kanten tritt Luft ein und die Zelle kann sich ausdehnen oder zusammenziehen. Die Einhaltung des Zellabstandes beim Schnitt und die Vermeidung des Austritts von LC-Fluid ist die kritischste Operation bei der Größenanpassung. Es ist darauf zu achten, dass die Bildung von Glaspartikeln beim Schnitt auf ein Minimum begrenzt wird.

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Monitor nach Maß finde ich total Ideal, gerade weil ich selbst nach einem Monitor in 4:3 suche der...  lesen
posted am 22.04.2016 um 22:11 von Unregistriert


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