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Das Dilemma mit den komplexen Fahrzeug-Assistenzsystemen

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Sicherheit und Komfort in einem Fahrzeug werden von Fahrerassistenzsystemen garantiert. Wesentlich dabei ist eine einfache Bedienung aller Systeme. Doch Fahrzeughersteller können nicht alle Kompetenzen vorhalten.

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Fahrerassistenz- und Infotainment-Systeme sind für Käufer ein wichtiges Auswahlkriterium. Dabei kommt es auf eine einfache Bedienung aller Systeme an.
Fahrerassistenz- und Infotainment-Systeme sind für Käufer ein wichtiges Auswahlkriterium. Dabei kommt es auf eine einfache Bedienung aller Systeme an.
(Bild: Bittium)

Mehr als ein elektronisches Display und oft ein an Informationen überforderter Fahrer. Eine komplexere Technik sorgt zwar auf der einen Seite für Sicherheit und bessere Vernetzung. Doch außer Acht gelassen werden darf auf keinem Fall eine übersichtliche und einfache Bedienung. Zu viele Informationen lenken vom Fahren ab und werden schnell zu einem Sicherheitsrisiko.

Erste Fahrzeugmarken bieten bereits Systeme für die Fahrererkennung an. Die nachgelagerten Funktionen können jedoch noch sehr viel weiter ausgebaut werden. Das Fahrzeug der Zukunft erkennt mithilfe von Passagier-Erkennungssystemen Fahrer und Mitfahrer. Dazu helfen biometrische Merkmale wie Fingerabdruck- oder Iris-Scan. Ebenso lässt sich erkennen, ob Fahrzeugsitze belegt sind und die Steuerung des Airbags richtet sich automatisch auf die Größe und Sitzposition der Passagiere aus.

Sicherheit und Komfort mit persönlichem Profil

Ein persönliches Profil dient nicht nur der Sicherheit, sondern auch dem Komfort. So kann das Fahrzeug Sitze, Spiegel, Temperatur und weitere Systeme automatisch auf den jeweiligen Fahrer anpassen. Das gilt beispielsweise auch für die Infotainment-Systeme im Fahrzeug. Die Lieblingsradiosender, die meistgenutzten Apps und eine Datenfreigabe für persönliche Informationen können über die sichere Identifikation der Passagiere automatisch aktiviert werden. Ein entscheidender Faktor dabei ist auch, dass persönliche Daten und Informationen anderer Nutzer jeweils für keinen anderen Anwender sichtbar sind bzw. nach der Nutzung gelöscht werden.

Besonders interessant wird das auch in Bezug auf Car-Sharing-Konzepte. Dass Car Sharing beliebt ist, zeigt eine Bitkom-Studie [1]: Das eigene Auto vor allem für die jüngere Generation an Bedeutung. Vier von zehn Befragten sagten aus, dass für sie persönlich das Auto im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln künftig deutlich an Bedeutung verlieren wird. Für sechs von zehn Studienteilnehmern ist der Besitz eines eigenen Autos kein Statussymbol. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während 58 Prozent der über 65-Jährigen der Aussage zustimmen, sind es bei den 16- bis 29-Jährigen sogar 70 Prozent – ein Trend also, den die Automobilbranche kaum ignorieren kann.

Kognitive Systeme und Künstliche Intelligenz

High-End Driver-Monitoring-Systeme verfügen heute bereits über eine integrierte Eye-Tracking-Funktion, um die Blickrichtung des Fahrers zu erfassen. Eine bekannte Anwendung erkennt, wenn ein Fahrer ermüdet und kann ihn dann warnen, um das Unfallrisiko zu verringern oder sicherstellen, dass er Straße und Fahrbereich im Blick behält. Mithilfe von Funktionen auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI), werden solche Systeme vielseitiger. Durch Gesichtsanalyse können sie beispielsweise erkennen, wann ein Fahrer unaufmerksam oder von einer Verkehrssituation gestresst ist.

Ist der Fahrer abgelenkt, kann das System seine Aufmerksamkeit auf wichtige Informationen zurückleiten. Ist der Fahrer hingegen in einer kritischen Verkehrssituation, die seine volle Aufmerksamkeit erfordert, kann das Infotainment-System (kurz IVI) in einen ablenkungsfreien „Focus Mode“ versetzt werden. Dabei zeigt das System nur noch die absolut notwendigen, für die Situation relevanten Informationen an. Wenn sich die Situation und das Gesicht des Fahrers entspannt haben, wechselt das System wieder zur personalisierten Anzeigeauswahl.

Da Infotainment-Systeme heute immer mehr Informationen anzeigen – vom Radiosender, Liedtitel und Interpreten über die meist genutzten Apps, das aktuelle Wetter – können sie in bestimmten Situationen selbst zu einer Ablenkungsquelle werden. Kognitive Systeme wirken der Gefahr entgegen, indem sie situationsbedingte Modi umsetzen. Sie können zudem in einen energiesparenden „Sleep Mode“ wechseln, wenn der Fahrer gerade nicht auf das Display blickt. Das System erkennt, wenn er seine Aufmerksamkeit auf die Anzeige richtet und aktiviert sofort alle gewünschten Informationen ohne, dass der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen muss.

Hard- und Software für Fahrzeuge

Komplexe Informationen im Fahrzeug übersichtlich darstellen. Hier sind Kompetenzen sowohl in Hard- als auch Software gefragt.
Komplexe Informationen im Fahrzeug übersichtlich darstellen. Hier sind Kompetenzen sowohl in Hard- als auch Software gefragt.
(Bild: Bittium)

Indem Fahrassistenz- und Infotainment-Systeme sowie deren Handhabung zu einem immer wichtigeren Auswahlkriterium für zukünftige Fahrzeuge werden, tragen sie auch entscheidend zur Markenidentität von Fahrzeugen und Fahrzeugsystemen bei. Das Spektrum an Dienstleistungen und Anwendungen für die Automobilindustrie wächst immer weiter. Die Entwicklung der passenden Hard- und Software ist zeit- und kostenintensiv. Gleichzeitig kann nicht jeder Systemhersteller Kompetenzen in allen Bereichen entwickeln, die für die immer stärker vernetzten Systeme notwendig sind. Dazu gehören manipulationssichere Hardware sowie zertifizierte Sicherheitslösungen, Geräteverwaltung, Cloud-Backend, Anwendungsverwaltung und sicheres VPN auf der Softwareseite. Hinzu kommen Spezialanwendungen wie Tools zur biometrischen Identifikation, Gesichtsanalyse oder Videoauswertung.

„Hersteller sollten daher genau abwägen, auf welche Bereiche sie ihre Kernkompetenzen konzentrieren“, erklärt Thomas Zieger, Geschäftsführer Bittium Germany. „Die Zusammenarbeit mit professionellen R&D-Partnern, die Spezialwissen in Themen wie Datenübertragung, Software-Anpassung und -Optimierung sowie Anwendungsverwaltung haben oder fertige Toolkits anbieten, die für verschiedene Plattformen optimiert sind, kann die Entwicklung neuer Anwendungen enorm beschleunigen und Kosten sparen.“

Bisher gibt es nur wenige für Fahrzeuge geeignete Systeme, die mehrere Funktionen, wie Gesichtserkennung und -analyse, in einer einzigen Lösung bieten. Aber OEMs sollten nicht vergessen, dass gerade eine solche Systemzusammenführung einen Wachstumsmarkt mit hohem Potenzial darstellt.

Referenz

[1] Bitkom: Das Auto der Zukunft spaltet die Deutschen.

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