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Overlay-Netz Darknet – Hort der Kriminalität oder der Freiheit?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Mit dem Begriff Darknet verbinden viele dunkle Geschäfte mit Drogen, Waffen und anderen illegalen Aktivitäten, die in den dunklen Ecken des Internets stattfinden. Doch ist dem wirklich so oder ist die Wirklichkeit wesentlich banaler?

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Das Darknet ist per se weder gut noch böse, es verspricht den Nutzern im Wesentlichen eines: Anonymität.
Das Darknet ist per se weder gut noch böse, es verspricht den Nutzern im Wesentlichen eines: Anonymität.
(Bild: Clipdealer)

„Zunächst einmal bezeichnet der Begriff Darknet lediglich einen Teil des Internets, bei dem die Identität der Teilnehmer im Dunkeln bleibt und dessen Inhalte die meisten Suchmaschinen nicht kennen“, sagt Dr. Roland Bless vom Karlsruher Institut für Technologie.

Dieser Bereich werde auch keineswegs ausschließlich für illegale Machenschaften genutzt, so der Internet-Experte. Das Darknet sei per se weder gut noch böse, es verspreche den Nutzern im Wesentlichen eines: Anonymität.

Das Darknet besteht aus Web-Servern, die über anonymisierende Netze wie Tor erreichbar sind. Gewöhnliche Webbrowser wie Firefox, Safari oder Google Chrome können darauf gar nicht erst zugreifen. So wird verhindert, dass Dritte Informationen über den Standort beziehungsweise die Identität des Nutzers und seine Surfgewohnheiten abgreifen.

„Das Tor-Netz bildet als sogenanntes Overlay-Netz ein eigenes logisches Netz oberhalb der normalen Internetinfrastruktur und verschleiert durch die Verkettung von mehreren Tor-Servern (auch Tor-Knoten genannt) von welchem Rechner oder Smartphone aus auf welche Inhalte zugegriffen wird, ebenso wie den Server- Standort.

Dazu werden die Informationen entsprechend verschlüsselt, so dass ein Abhören der Kommunikation im Netz keine Rückschlüsse auf Absender oder Empfänger zulassen“, erklärt Bless. Betrieben werde das Tor-Netz von Freiwilligen, welche die nötige Infrastruktur bereitstellen.

Interesse daran, sich anonym im Netz zu bewegen, haben keineswegs nur Kriminelle, sondern neben gewöhnlichen Nutzern, die Wert auf Datensparsamkeit legen, insbesondere Journalisten, Whistleblower oder auch Menschen, die in Ländern mit repressiven Regierungen leben. In der Türkei etwa nimmt sich die Regierung das Recht heraus, Webseiten zu sperren, wenn die „nationale Sicherheit“ bedroht ist.

Unlängst hat es nach Sperrungen bei Twitter, Facebook, Youtube, WhatsApp oder Skype sogar die Internet-Enzyklopädie Wikipedia getroffen. Das Darknet bietet Nutzern dann die Möglichkeit, trotzdem auf die Seiten zuzugreifen.

„Die Nutzer tauschen sich durch die Anonymität ungezwungener aus, insofern wird die Meinungsfreiheit dort geschätzt und Themen diskutiert, die für das normale Web zu risikoreich sind“, sagt der Informatiker, der am KIT regelmäßig Vorlesungen zu Themen wie „Next Generation Internet“, „Netzsicherheit“ und „Multimediakommunikation“ hält.

Einen hundertprozentigen Schutz biete aber auch das Darknet weder Dissidenten noch Gangstern: Denn die ersten beziehungsweise letzten Tor-Server der Kette haben Kenntnis über zumindest einen der Teilnehmer. „Staatliche Stellen können daher versuchen, Tor-Knoten zu unterwandern oder zu kontrollieren“, sagt Bless.

Tor-Knoten werden daher regelmäßig nach ihrer Vertrauenswürdigkeit beurteilt und verdächtige Knoten aus dem Netz ausgeschlossen. Andererseits werde es durch die Anonymisierung auch schwerer, festzustellen, welche Informationen, Angebote oder Dienste vertrauenswürdig sind, da die Identität der Teilnehmer „im Dunkeln“ bleibt.

„Natürlich gibt es auch kriminelle Plattformbetreiber, die versuchen, Kunden zu prellen und dann beispielsweise Waren, die schon bezahlt sind, nicht liefern.“ Ähnlich wie bei normalen Handelsplattformen im Internet, hülfen aber Reputationslisten und Wiki-Seiten um betrügerische Angebote zu entlarven.

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