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Gastkommentar Damit Unternehmen nicht im Strudel des digitalen Wandels untergehen

| Autor / Redakteur: Marc Ennemann / Eilyn Dommel

Um die gravierenden Umwälzungen des Digitalen Wandels zu meistern, sind in allen Bereichen vorausschauendes Denken und die Entwicklung intelligenter Lösungen auf verschiedenen Unternehmensebenen gefragt.

Marc Ennemann leitet als Partner den Bereich „Telecommunications“ bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und berät Kunden bei der Transformation ihrer Unternehmen ins digitale Zeitalter.
Marc Ennemann leitet als Partner den Bereich „Telecommunications“ bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und berät Kunden bei der Transformation ihrer Unternehmen ins digitale Zeitalter.
(Bild: Stefan Durstewitz / KPMG )

Der digital vernetzte Kunde ist bereits Realität – und äußerst anspruchsvoll: Er erwartet Fairness und Wertschätzung, hohe Servicequalität und ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Er möchte personalisierte, maßgeschneiderte Angebote und erwartet in der Kommunikation kurze Reaktionszeiten – und dies alles unabhängig von Zeit, Raum, Kanälen und Endgeräten.

Für Unternehmen wird es deshalb zunehmend überlebenswichtig, aus auf den ersten Blick wenig zusammenhängenden Kundendaten wertvolle Informationen zu generieren. Dazu benötigen Unternehmen nicht nur das Vertrauen der Kunden und klare digitale Geschäftsmodelle, sondern auch eine angepasste Infrastruktur und digitale Managementkompetenz.

Der Wandel ist da

Durch die digitale Transformation verschwimmen die Grenzen zwischen verschiedenen Märkten, Tätigkeitsfelder weiten sich aus und überlagern sich. Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, die bisher parallel nebeneinander existiert haben, treten plötzlich in Konkurrenz zueinander oder kooperieren. Themen wie Big Data, Connected Car, E-Health, Internet-of-Things, Online-Security, Wearables, Connected Home, Smart Cities oder Industrie 4.0 geistern als Schlagwörter durch die Geschäftswelt und sind Ausdruck der Transformation hin zu einer vollständig vernetzten Welt.

Schon heute werden durch Digitalisierung und Vernetzung in völlig neuem Tempo etablierte Strukturen, Geschäftsmodelle und Produktportfolios auf den Prüfstand gestellt. So führt ein Modeunternehmen eine eigne Mitarbeiter-App ein, um Fahrgemeinschaften in die 70km entfernt der nächsten Metropole gelegene Firmenzentrale zu bilden. Oder ein Stahlbauer, der durch eine Kooperation mit einem Software-Anbieter zukünftig nicht auf Störungen reagieren muss, sondern auf Echtzeit-Daten für einen Service-Einsatz zugreifen kann. Aber auch im Consumer-Bereich bietet ein hochpreisiger Hemdenausstatter seine Produkte per Kreditkartenzahlung mit M2M Funktionalität am Automaten „to Go“ an.

Ergänzendes zum Thema
Fünf Erfolgsfaktoren

Um die gravierenden Umwälzungen des Digitalen Wandels zu meistern, sind in allen Bereichen vorausschauendes Denken und die Entwicklung intelligenter Lösungen auf verschiedenen Unternehmensebenen gefragt.

1. Ökosysteme schaffen

Die Wertschöpfungskette ist häufig zu kurz. Unternehmen sollten versuchen, mithilfe der aus Daten gewonnenen Erkenntnisse in angrenzende Bereiche vorzustoßen, um eine umfassendere Bindung der Konsumenten zu erzeugen. Dies erfordert mehr und mehr Kooperationen und Kooperationsfähigkeit auch mit branchenfremden Anbietern, um Kunden einen erlebbaren Mehrwert bieten zu können.

2. Digitale Geschäftsmodelle entwickeln

Ziel muss es sein, ein klares Alleinstellungsmerkmal als Basis für die künftige Unternehmensstrategie herauszuarbeiten. Es geht darum, den Bedarf des Kunden zu identifizieren, entsprechende Produkte zu entwickeln und die Ansprache über alle Kanäle zu optimieren. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, strategische Partnerschaften mit Technologie-Unternehmen einzugehen, um frühzeitig neue Trends zu identifizieren und gegebenenfalls gemeinsam neue Geschäftsfelder zu entwickeln.

3. Mit Daten Werte schaffen

Viele Unternehmen verfügen bereits über Informationstechnologien zur Speicherung und Verarbeitung von Daten. Diese müssen ergänzt werden um Komponenten, die es ermöglichen, Daten zu aggregieren und darin Muster zu erkennen, die Anhaltspunkte für neue, lukrative Produkte liefern. Business Intelligence und Predictive Analytics sind zur Unterstützung des Geschäftsmodells unabdingbar.

4. Vertrauen bilden und sicherstellen

Für Unternehmen ist das Vertrauen der Kunden die wichtigste Währung. Wer große Datenmengen auswertet, muss dies verantwortungsvoll tun. Digitale Geschäftsmodelle funktionieren nur in geschützten und zuverlässigen Systemen, die Sicherheit und Integrität von Daten gewährleisten sowie Schutz vor Missbrauch und unberechtigtem Zugriff bieten.

5. Ökosysteme aufbauen

Unternehmen müssen heute nicht mehr versuchen, alles alleine zu stemmen. Durch die Zusammenarbeit in digitalen Ökosystemen erfährt die partnerschaftliche Zusammenarbeit zur Innovation einen besonderen Schub. In der digitalen Welt entstehen viele neue Ideen nur auf Basis vertikaler Kooperationen und Lösungsansätze. Unterschiedliches Know-how, verschiedene Erfahrungswerte und Open Source-Technologien generieren Wettbewerbsvorteile durch neue »Intellectual Property«.

Digitale Reifeprüfung

Angesichts eines solch fundamentalen Umbruchs spielt es für die Wachstumschancen eines Unternehmens eine zentrale Rolle, die eigene digitale Reife zu ermitteln und auf den neuesten Stand zu bringen. Eine Selbsteinschätzung ist hier ebenso systematisch vorzunehmen wie ein Vergleich mit ähnlichen Unternehmen innerhalb der betreffenden Branche. Auf diese Weise werden für Investitionsentscheidungen langfristig tragfähige Grundlagen geschaffen, was nicht nur die digitalen Strukturen des Unternehmens, sondern auch sein Produkt- und Leistungsportfolio betrifft.

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