Daimler testet automatisierte LKW-Kolonnen auf US-Highways

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Daimler Trucks fährt digital gekoppelte Lkw auf ausgewählten Highways in Oregon und Nevada.
Daimler Trucks fährt digital gekoppelte Lkw auf ausgewählten Highways in Oregon und Nevada. (Bild: Daimler AG)

Der Lastwagen-Bauer Daimler testet in den USA automatisierte Kolonnenfahrten von Sattelschleppern. Die zuständige Behörde im US-Bundesstaat Oregon habe die Erlaubnis für die Fahrten auf öffentlichen Fernstraßen gegeben, teilte Daimler am Montag bei einer Messe in Atlanta mit. Erprobt wird hierbei das sogenannte Platooning, bei dem Laster digital vernetzt werden und dicht hintereinander fahren.

Daimler erprobt als erster Lkw-Hersteller in den USA den Einsatz von digital gekoppelten Trucks – das sogenannte Platooning - auf öffentlichen Straßen. Dies gab der Hersteller anlässlich der North American Commercial Vehicle Show (24.09. – 28.09.) in Atlanta bekannt. Beim Truck Platooning erhöhen Konnektivität und automatisiertes Fahren die Sicherheit bei hintereinander fahrenden Lkw, entlasten die Fahrer und verbessern die Kraftstoffeffizienz durch verringerte Fahrzeug-Abstände.

Nach erfolgreichen Tests auf der Teststrecke von Daimler Trucks North America (DTNA) in Madras, Oregon hat DTNA von der regionalen Regulierungsbehörde Oregon Department of Transportation (ODOT) die Erlaubnis erhalten, die Erprobung auf öffentlichen Straßen fortzuführen. In einem ersten Schritt testet DTNA seine Platooning-Technologie in zwei gekoppelten Freightliner New Cascadia Sattelschlepper-Kombinationen („Pairing“).

DTNA kann hierbei auf erprobte Systeme zurückgreifen, die innerhalb des Daimler-Konzerns bereits bei Mercedes-Benz Lkw zum Einsatz gekommen sind, so etwa bei der European Truck Platooning Challenge 2016. DTNA reagiert damit auf ein wachsendes Kundeninteresse an Lösungen für automatisiertes und vernetztes Fahren im Nutzfahrzeug und untersucht in den USA gemeinsam mit Flottenkunden, wie sich Platooning-Lösungen auf den Flottenbetrieb auswirken können, z.B. im Hinblick auf Disposition, Frachtsteuerung oder Fahrerschulung. Ab 2018 wird Daimler Trucks North America das digitale Koppeln von Lkw im realen Transportalltag gemeinsam mit großen Flottenkunden testen. Mit seinen Marken Freightliner und Western Star ist Daimler Trucks mit rund 40 Prozent Marktanteil in den Gewichtsklassen 6-8 der unangefochtene Marktführer in Nordamerika.

Roger Nielsen, Präsident und CEO Daimler Trucks North America: „ Unsere Kunden interessieren sich zunehmend für Platooning. Diese Technologie sorgt für mehr Effizienz und Sicherheit. Platooning ist nicht dazu da, den Fahrer zu ersetzen – sondern ihn auf langen Fahrten zu entlasten. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können wir eine erprobte Lösung anbieten. Unsere Freightliner sind schon jetzt täglich als Platoons unterwegs. Ich habe selbst einen unserer Trucks im gekoppelten Modus gefahren – eine tolle Erfahrung!“

Weltweit hat Daimler Trucks inzwischen rund 500.000 Lkw mit dem Internet der Dinge vernetzt – nach eigenen Angaben mehr als jeder andere Hersteller. Die automatisierten LKW-Kolonnen stellen nun die nächste Stufe in dieser fortschreitenden Entwicklung dar.

Die von Daimler eingesetzte, WLAN-basierte Vehicle-to-Vehicle-Kommunikation (V2V) interagiert mit Fahrerassistenzsystemen, die im Freightliner New Cascadia unter dem Produktnamen Detroit Assurance 4.0 verbaut sind. Hierzu zählen Abstandshalte-Assistent (Adaptive Cruise Control), Spurhalte-Assistent (Lane Departure Assist) und Notbremsassistent (Active Brake Assist 4). Auf diese Weise lassen sich die Freightliner Trucks zu Fahrzeug-Konvoys zusammenkoppeln, die in deutlich geringerem Abstand fahren. Das soll dem Endkunden helfen, durch die hieraus resultierende verbesserte Aerodynamik – vergleichbar dem Windschatten-Fahren beim Radrennen - helfen, Kraftstoff einzusparen.

Hinzu kommt eine im gekoppelten Modus erhöhten Sicherheit: Während die Reaktionszeit eines Kraftfahrers bei durchschnittlich einer bis zwei Sekunden liegt, verringert die V2V Kommunikation die Reaktionszeit auf 0,2 bis 0,3 Sekunden. Nach Berechnungen der amerikanischen National Highway and Transportation Safety Administration (NHTSA) lassen sich rund 94 Prozent aller Unfälle im Straßenverkehr auf menschliches Versagen zurückführen. Hier lassen sich durch automatisierte und vernetzte Bremsvorgänge zwischen Führungs- und Folgefahrzeugen künftig Unfälle vermeiden.

Wie auch in Europa spricht die Nutzfahrzeug-Branche in den USA beim Thema Platooning nicht nur über technische Aspekte, sondern auch über regulatorische Fragestellungen. Grundsätzlich gilt: Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen sind, werden Kunden von Daimler Trucks ihre Lkw im Platooning-Modus fahren können.

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Davon wird leider das marode, über Jahrzehnte totgesparte Netz um keinen Deut besser.  lesen
posted am 28.09.2017 um 21:42 von ibw-oberhaching

In Europa fusionieren gerade die Hersteller schneller...  lesen
posted am 28.09.2017 um 09:19 von Unregistriert

Eisenbahn könnte das tatsächlich. Nur tut zumindest die Deutsche Bahn alles in ihrer Macht...  lesen
posted am 28.09.2017 um 08:23 von Unregistriert

Gibt schon seit 200 Jahren und heisst Eisenbahn, und braucht noch weniger Energie  lesen
posted am 26.09.2017 um 16:51 von Unregistriert


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