Chip- und Automotive-Krise Daimler-Chef: Fehlende Chips auch 2022 ein Problem

Von dpa

Der Versorgungsengpass bei Halbleitern macht der Autobranche schwer zu schaffen. Daimler-Chef Källenius gibt keine Entwarnung. Der Konkurrent aus München warnt unterdessen vor einem Ausstiegsdatum bei Verbrennern.

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Unersetzlich: Ohne Logik- und Leistungs-ICs – hier ein Portfolio von Elektroniktriese Bosch – fährt heute kaum noch ein Auto.
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(Bild: Bosch)

Ganz im Gegensatz zu VW-Chef Diess, der bereits Licht am Ende des dunklen Lieferengpass-Tunnels sieht, gibt Dailmer-Chef Ola Källenius keine Entwarnung. Seiner Einschätzung nach werden Halbleiter auch im gesamten kommenden Jahr knapp bleiben. Die Lage bei den Chips sei „sehr volatil“ und mitunter von Unsicherheit und Sprunghaftigkeit geprägt, warnte Källenius bei einer „Handelsblatt“-Branchenkonferenz. „Es wird uns im Kalenderjahr 2022 definitiv auch beschäftigen.“

Die Chipkrise sorgt in der Branche weltweit für Verzögerungen und Turbulenzen. So schränkte Daimler von Juli bis Ende September vor allem wegen des Mangels mehrfach die Produktion ein. Auch stehen Autos auf Halde, da Chips fehlen. Einen Teil der Schuld haben sich die Hersteller selbst zuzuschreiben, weil sie im Corona-Tief 2020 Verträge storniert hatten.

Ladesäulen und Ökostrom fehlen

BMW-Chef Oliver Zipse warnte bei der Online-Veranstaltung davor, ein Datum für das Ende von Benzin- und Dieselfahrzeugen festzulegen. „Wir glauben, das ist schädlich fürs Klima.“ Nicht einmal in Deutschland und Europa gebe es genug Ladesäulen für Elektroautos. Es sei auch nicht genug Ökostrom da. Bei einem Zulassungsverbot für neue Verbrenner würden alte Autos noch länger gefahren. „Hier sind die Dinge nicht zu Ende gedacht“, kritisierte Zipse.

Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow wollen sich 24 Staaten und sechs große Autohersteller auf ein Enddatum für Verkauf und Zulassung von Autos mit Verbrennermotor festlegen. In den führenden Märkten sollen demnach 2035 nur noch emissionsfreie Autos und Vans auf die Straße kommen. Zu den beteiligten Unternehmen gehören dem britischen Gastgeber zufolge Mercedes, Ford und General Motors. Der deutsche Staat beteiligt sich zunächst nicht an der Allianz, wie ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte.

Trinity als Revoluzzer in Wolfsburg

VW-Chef Herbert Diess will mit dem angepeilten Neubau eines eigenen Werks für die kommende Elektroauto-Generation den Umbruch am gesamten Hauptsitz Wolfsburg antreiben. „Trinity wird den Automobilbau in Wolfsburg revolutionieren“, kündigte er bei der Branchenveranstaltung an.

Der VW-Chef wies auf die „kürzeren Produktionszeiten und effizienteren Arten der Zusammenarbeit“ hin, die eine solche Fabrik ermöglichen könne – auch im Rückblick auf die jüngsten Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat über die Transformation von Jobs und Prozessen.

Diess: „Baldiges Aufschließen zu Tesla ist unerlässlich“

Diess hält ein baldiges Aufschließen zu Tesla und eine verbesserte Produktivität für unerlässlich, wenn VW weiter eine dominierende Rolle in der Branchen spielen will. Dafür müsse sich nicht zuletzt die Konzernzentrale verändern. Ein neuer Standort für Trinity soll in der Nähe des VW-Stammwerks entstehen und auch dessen Umbau mit vorbereiten. Tesla steht kurz vor dem Start einer Fabrik für E-Autos und Batteriezellen bei Berlin.

Daimler plant auch ein neues Werk – aber für Recycling, um wertvolle Rohstoffe zu sichern und neu zu nutzen, wie Källenius sagte. „Wir werden auch selber eine Recycling-Fabrik bauen, damit wir diese Technologie beherrschen und auch können.“ Einzelheiten nannte der Topmanager nicht. Daimler wolle den Anteil von wiederverwerteten Teilen in seinen Autos erhöhen. Källenius sprach dabei auch Batteriezellen an. Bei Elektroautos solle es möglich sein, diese neu zu nutzen oder wiederzuverwerten.

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