3-D-Druck

„Da kommt etwas, was sich noch niemand vorstellen kann“

| Redakteur: Kristin Rinortner

Adrian Bowyer, Vater des RepRap-Projekts: "Jeder hat zukünftig seine eigene Fabrik, die mehr Fabriken produziert."
Adrian Bowyer, Vater des RepRap-Projekts: "Jeder hat zukünftig seine eigene Fabrik, die mehr Fabriken produziert." (Foto: Kristin Rinortner)

3-D-Druck ist hip – oder doch ein Hype? Wir trafen Adrian Bowyer, den Vater des 3-D-Drucks für Heimanwender und Erfinder des RepRap-Projektes. Er erzählte uns seine Vision.

Das Thema 3-D-Druck erfährt derzeit eine enorme Aufmerksamkeit, dazu hat nicht zuletzt die MakerBot-Szene beigetragen. Das betrifft in erster Linie die immer preiswerter werdenden 3-D-Drucker für Privatanwender. In Teilbereichen jedoch, wie z.B. der Medizintechnik, hat der 3-D-Druck durchaus das Potenzial zu einer disruptiven Technologie – einer Innovation, die nach Clayton M. Christensen von der Harvard Business School [1] eine bestehende Technologie oder Produktionsform vollständig verdrängt. Einzug hat die Technik bereits in viele Industriebereiche gehalten, angefangen von der Automobilindustrie über die Luft- und Raumfahrttechnik bis zur Medizintechnik und Konsumgüterindustrie.

So soll laut einer Marktstudie von Canalys [2] der Gesamtmarkt für den 3-D-Druck bis zum Jahr 2018 auf 16,2 Mrd. US-Dollar wachsen. Auch das Marktforschungsunternehmen Freedonia [3] kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Das größte Wachstum prognostizieren die Analysten im medizinischen Bereich. Größte Wachstumsregion ist die Volksrepublik China, wo die Regierung den 3-D-Druck seit 2012 radikal fördert.

Aktuell dominieren vier Hersteller von 3-D-Druckern den Markt: 3D Systems, Stratasys, EOS und Arcam. Daneben gibt es in Europa immer mehr kleine Unternehmen und eine steigende Zahl Dienstleister [4].

Die Vision der Anbieter im Consumer-Bereich

Die Anbieter im Consumer-Bereich haben die Vision, dass zukünftig in jedem Haus ein 3-D-Drucker steht oder zumindest in jedem Copy-Shop um die Ecke ein solcher verfügbar ist. Adrian Bowyer, Director des Herstellers RepRap Professional Ltd. glaubt, dass sich 3-D-Drucker in den nächsten Jahren verbreiten werden wie PCs.

Der Brite Bowyer gilt als Vater des 3-D-Drucks für Heimanwender. Sein Open-Source-3-D-Drucker RepRap (Replicating Rapid Prototyper) ist in der Lage, die Kunststoffteile, die zu seinem Bau erforderlich sind, selbst zu produzieren, wie schon der Name sagt.

Mit konventionellen zerspanenden Verfahren könne man nicht alles machen, was man möchte, erklärt Bowyer. Beim 3-D-Druck hingegen sei man nur durch die Physik des Druckers eingeschränkt. Verbessere man diese Maschine elektronisch, mechanisch und softwaretechnisch, könne man Dinge tun, die mit konventionellen Produktionsverfahren nicht möglich sind. Deswegen sei er vom großen Potenzial des 3-D-Drucks überzeugt.

Man müsse sich nur die Logistikketten heutiger Produkte anschauen, führt Bowyer weiter aus, welchen Aufwand man da betreibe. Dagegen seien nur wenige Schritte notwendig, wenn ein einzelner Mensch oder eine Gruppe mit einem 3-D-Drucker ein Produkt fertigt. Die ganze Lieferkette reduziere sich quasi auf null.

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Wenn jeder seine „eigene kleine Fabrik“ betreibt, wird es große Veränderungen geben, da ist sich der Brite sicher. Nicht nur für den Verbraucher, sondern auch für den Hersteller und den Produzenten von Verbrauchsmaterialien. Das werde man vielleicht in 20 Jahren in den Industriebetrieben sehen.

Für Kleinteile wären dann auch keine Standards mehr notwendig, da der Drucker alles passgenau fertigt und man Details in beliebiger Weise ändern oder skalieren kann. „Das ist dann eine neue Art von Freiheit, die Freiheit nicht hineinzupassen.“ 3-D-Copy-Shops wären eine Stufe in dieser Entwicklung.

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Trotzdem würden momentan die Kosten noch die Massenverbreitung hemmen. Obwohl sie laut Bowyer noch fallen werden und eigentlich auch schon fast dort sind, wo sie seiner Meinung nach sein sollten. Denn ähnlich wie bei Bürodruckern bereits passiert, würden in die 3-D-Drucker immer mehr technische Funktionen implementiert, für die der Anwender dann auch schon 400 Euro bezahlen würde. Einzig die Bedienbarkeit müsse noch deutlich besser werden.

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