Cybersecurity: Deutsche Industrie ist weniger digital – dafür aber sicherer

| Redakteur: Katharina Juschkat

Laut der Kaspersky-Studie liegt die deutsche Industrie bei der Digitalisierung hinter der internationalen zurück.
Laut der Kaspersky-Studie liegt die deutsche Industrie bei der Digitalisierung hinter der internationalen zurück. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Laut der aktuellen Kaspersky-Studie „State of Industrial Cybersecurity“ hinkt die deutsche Industrie in Sachen Cloudanbindung weit hinterher – doch gleichzeitig geht sie wesentlich besonnener mit Cybersecurity um.

Laut einer aktuellen Kaspersky-Studie haben bereits 41 Prozent der internationalen Industrie ihre OT(Operational Technology)- oder ICS(Industrial Control System)-Infrastruktur mit der Cloud verbunden. In Deutschland sind es dagegen nur 15,9 Prozent. Dass Deutschland in Sachen Digitalisierung hinterherhinkt, hat aber auch den Vorteil, dass es weniger Cyberangriffsflächen gibt, je weniger Schnittstellen eine Fabrik mit dem Internet aufweist.

Deutschland setzt auf Security

Wie steht es um die Cybersicherheit in deutschen Unternehmen? Mit Klick auf das Bild die Grafik vergrößern.
Wie steht es um die Cybersicherheit in deutschen Unternehmen? Mit Klick auf das Bild die Grafik vergrößern. (Bild: Kaspersky)

Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb die deutsche Industrie bei der Cybersecurity weit vorn liegt: Laut den von Kaspersky in Deutschland befragten Industrieunternehmen gehört Security zu den Top-Prioritäten und im internationalen Vergleich entstehen weniger unwillentlich durch Mitarbeiter verursachte Sicherheitsvorfälle.

Bei der Studie wurden weltweit 282 Unternehmen befragt, davon 44 aus Deutschland. Mehr als zwei Drittel (68,1 Prozent) der von Kaspersky befragten deutschen Industrieunternehmen sehen die Digitalisierung ihrer OT als wichtige oder sehr wichtige Aufgabe für dieses Jahr. Im internationalen Vergleich (81 Prozent) liegt Deutschland jedoch zurück.

Risiko Digitalisierung

Viele Vorteile, die eine vernetzte Infrastruktur mit sich bringt, können sich allerdings schnell als Cybersicherheitsrisiko entpuppen. Dies scheint den Industrieunternehmen durchaus bewusst zu sein: Denn fast zwei Drittel (63,6 Prozent) der deutschen befragten Industrieunternehmen sagen, dass OT-Security oberste Priorität habe. Um das erforderliche Schutzniveau zu erreichen, sollten sie jedoch in spezielle Maßnahmen investieren und über qualifizierte Fachkräfte verfügen. Obwohl dies als Priorität eingestuft wird und 61,3 Prozent angeben, dass fehlendes Interesse in Sachen ICS im Senior keine Herausforderung sei, verfügt nur etwa die Hälfte der Unternehmen (45,4 Prozent) über ein eigenes Budget für industrielle Cybersicherheit.

Größtes Hindernis ist die Komplexität

Die Hälfte der deutschen Industrieunternehmen sieht die Komplexität von ICS-Umgebungen und industriellen Netzwerken als eine große Herausforderung. Damit verbunden ist auch die Suche nach qualifiziertem Personal:

  • Etwas über die Hälfte der deutschen Industrieunternehmen gibt an, dass es eine große Herausforderung sei, ICS-Experten zu finden, die sich auch mit OT auskennen.
  • In fast einem Drittel der Unternehmen überwachen die für die Sicherheit der IT-Infrastruktur zuständigen Mitarbeiter auch die Sicherheit der OT/ICS-Netzwerke, 29,5 Prozent haben ein eigenes OT/ICS-Team.
  • Nur zwei Prozent hatten einen Sicherheitsvorfall zu beklagen, der auf ungewolltes Fehlverhalten eines Mitarbeiters zurückzuführen war – international geht mehr als die Hälfte (52 Prozent) auf menschliches Fehlverhalten zurück.

Die Studie The State of Industrial Cybersecurity 2019 kann online eingesehen werden.

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Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Elektrotechnik.

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Wie oft ich das schon erlebt habe: Einerseits wird gejammert, dass man keine Leute findet, und...  lesen
posted am 17.09.2019 um 09:08 von Olaf Barheine


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