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Coronakrise: Texas Instruments erwartet Rezession ähnlich zu 2008

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Unter anderem Hamsterkäufe bescherten TI im ersten Quartal 2020 bessere Umsatzzahlen als erwartet. Doch die Coronakrise droht im weiteren Geschäftsjahr die Umsätze spürbar zu drücken: Laut CEO Rich Templeton werde man sich auf ein Krisenjahr ähnlich wie 2008 einstellen.

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Zwar meldete Texas Instruments im ersten Quartal 2020 bessere Umsatzzahlen als erwartet . Dennoch bleibt auch der Halbleiterriese nicht von der aktuellen Coronakrise verschont, die aktuell den gesamten Chipmarkt in Mitleidenschaft zieht: Das Unternehmen bereitet sich auf deutlich geringere Absätze als von Analysten prognostiziert vor.
Zwar meldete Texas Instruments im ersten Quartal 2020 bessere Umsatzzahlen als erwartet . Dennoch bleibt auch der Halbleiterriese nicht von der aktuellen Coronakrise verschont, die aktuell den gesamten Chipmarkt in Mitleidenschaft zieht: Das Unternehmen bereitet sich auf deutlich geringere Absätze als von Analysten prognostiziert vor.
(Bild: TI signboard Dallas / TI signboard Dallas / Jacob.jose / CC BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0)

Chips von Texas Instruments sind in nahezu allen Gerätetypen vertreten, die Halbleiter benötigen, vom Smartphone bis hin zu Automobilen und in der Raumfahrt. Da das Unternehmen an der Börse zudem meist seine Gewinnerwartungen früher als viele Mitbewerber ausweist, nutzen Marktbeobachter den texanischen Chipkonzern gerne als Indikator für die Gesundheit der Chipindustrie im Allgemeinen.

Vor diesem Hintergrund wirkten die Prognose anlässlich des jüngst veröffentlichten Geschäftsberichts zum ersten Quartal 2020 wenig erfreulich. Zwar war das erste Jahresviertel mit einem Umsatz von 3,33 Milliarden US-$ und einem Netto-Gewinn von 1,17 Milliarden US-$ besser verlaufen als zunächst erwartet. Auch wenn das Analog-Geschäft im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um 2% nachließ und der Bereich Embedded Processing gegenüber dem ersten Quartal 2019 sogar um 18 zurückging, lagen die Zahlen letztendlich doch besser als man Ende 2019 erwartet hatte. Damals war man noch von einem erwarteten Umsatz von 3,12 Mrd. US-$ ausgegangen. Speziell bei Leistungshalbleitern legte das Geschäft im Analog-Bereich sogar zu.

Finanzkrise von 2008 als Modell für die weitere Marktentwicklung

Auch wenn das erste Jahresviertel überaus erfreulich war, lässt die aktuelle Coronakrise keine rosigen Aussichten für den weiteren Jahresverlauf zu. „Da eine COVID-19-Rezession wahrscheinlich vor uns liegt und die Kundennachfrage weniger sichtbar ist, nutzen wir die Finanzkrise 2008 als Vorbild, um daran unseren Ausblick auf das kommende Quartal zu modellieren,“ kündigte TI-CEO Rich Templeton anlässlich des kürzlich veröffentlichten Geschäftsberichts an. Die Gewinnerwartung für das zweite Jahresviertel 2020 wird demgemäß deutlich auf zwischen 2,61 Mrd. US-$ und bestenfalls 3,19 Mrd. US-$ gesenkt.

Das Unternehmen erklärte, es sei auf die durch die Pandemie verursachten Unterbrechungen aufgrund der hohen Lagerbestände vorbereitet. Auch verfüge man über genügend Finanzreserven, um der weiteren Krise einigermaßen entspannt begegnen zu können.

Es bestünden allerdings Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Nachfrage auf dem Markt. Hinzu kommt, dass derzeit weder das weitere Ausmaß noch die Dauer der aktuell anhaltenden Covid-19-Pandemie absehbar sind, ebenso wenig wie die Maßnahmen, die Regierungen weltweit noch erlassen werden. Die Halbleiterindustrie gilt in den USA zwar als eine „essentielle“ Industrie und wird entsprechend in der Krise von der US-Regierung unterstützt. In anderen Ländern entlang der globalen Lieferkette sieht die Lage allerdings anders aus. All dies mache eine Prognose über die weiteren Entwicklungen auf den diversen halbleiterverarbeitenden Märkten extrem schwierig.

Disruptionen in Lieferketten führten zu kurzfristigen Chip-Hamsterkäufen

Allerdings versicherte Templeton den Anlegern, dass er für die Chipindustrie keine langfristigen strukturellen Auswirkungen durch die aktuelle globale Krise erwarte. Zahlreiche Chiphersteller, darunter STMicroelectronics, Microchip oder NXP, mussten ihre Absatzprognosen drastisch zurückfahren oder gar komplett einkassieren, da ihre globalen Lieferketten durch die weltweite Pandemie nachhaltig beeinträchtigt wurden.

Diese Sorge um die globale Lieferketten hatte Anfang März wohl zu einer Art Hamsterkäufen bei Chips gesorgt, was die höheren Umsatzzahlen bei TI erklären könnte: Wie das Chipunternehmen angab, hätten die erwähnten Unterbrechungen der globalen Lieferketten bei Kunden Bedenken hinsichtlich der längerfristigen Liefersicherheit verstärkt. Das habe Anfang März in den meisten Halbleitermärkten zu einer kurzfristig gesteigerten Nachfrage und stärkeren Einkäufen geführt.

(ID:46529318)