Continental will die Antriebssparte komplett abspalten

| Autor / Redakteur: Marco Engemann, dpa-AFX / Julia Schmidt

Continental schlittert in diesem Jahr wegen einer milliardenschweren Sonderbelastung voraussichtlich in die roten Zahlen. Conti will seine Antriebssparte nun als Ganzes abspalten und an der Börse notieren. Ein möglicher Teilbörsengang ist nach einem Beschluss des Vorstands keine Option mehr.
Continental schlittert in diesem Jahr wegen einer milliardenschweren Sonderbelastung voraussichtlich in die roten Zahlen. Conti will seine Antriebssparte nun als Ganzes abspalten und an der Börse notieren. Ein möglicher Teilbörsengang ist nach einem Beschluss des Vorstands keine Option mehr. (Bild: Julian Stratenschulte/dpa)

Seit längerem läuft es bei Conti nicht mehr rund, weil die Automärkte stottern. Nun muss der weltweit zweitgrößte Autozulieferer die Konsequenzen ziehen und wegen der schlechten Aussichten Milliarden abschreiben.

Continental gerät immer tiefer in die Krise. Eine Milliardenabschreibung im dritten Quartal reißt den Dax-Konzern nun sowohl im Quartal als auch im Gesamtjahr in die roten Zahlen, wie er am Dienstag in Hannover mitteilte. Weil Conti nicht damit rechnet, dass sich die derzeitige Flaute bei der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den kommenden fünf Jahren wesentlich bessert, verbuchte das Unternehmen 2,5 Milliarden Euro an Wertminderungen.

Derzeit kaum vorhersehbare Bedingungen für einen Teilbörsengang

Zudem will der Konzern seine Antriebssparte nicht mehr teilweise an die Börse bringen. Nach den Plänen des Vorstands wird der Bereich nun gleich ganz abgespalten. Continental verwies auf die derzeit kaum vorhersehbaren Bedingungen für einen Teilbörsengang, der zuletzt schon nicht mehr die alleinige Option war. Der Aufsichtsrat muss dem Vorhaben noch zustimmen, zudem soll der Plan den Aktionären bei der Hauptversammlung Ende April 2020 vorgelegt werden. Im Laufe des nächsten Jahres könnte die Abspaltung dann wirksam werden.

„Im kommenden Jahr soll unser Antriebsgeschäft die erforderliche Selbstständigkeit und Handlungsflexibilität für die anstehenden Wachstumsschritte erhalten“, sagte Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart. Das Geschäft unter dem Namen Vitesco Technologies leidet unter der unklaren Aussicht für Verbrennungsmotoren, verdient aber auch mit Komponenten für Elektromotoren noch kein Geld. Wie viel Geld ein Unternehmen in einem solchen Szenario mit einem normalen Börsengang einspielen würde, ist unsicher.

Handelsstreitigkeiten, Brexit und rückläufige Märkte

Seit über einem Jahr tut sich Conti schwer, sich gegen die Branchenkrise in der Pkw-Industrie zu stemmen, die vor allem die Zulieferer hart trifft. „Angesichts von ungelösten Handelsstreitigkeiten, unklarem Brexit und rückläufiger Märkte haben wir uns im dritten Quartal operativ vernünftig geschlagen“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer.

Conti hatte bereits einen Großumbau in der Organisation sowie bei der Ausrichtung des Konzerns angestoßen. Davon könnten bis 2023 weltweit rund 15 000 Arbeitsplätze betroffen sein, 5000 davon in Deutschland. Bis 2029 dürften sogar 20 000 Stellen betroffen sein, davon 7000 in Deutschland. Das soll unter anderem die jährlichen Bruttokosten um 500 Millionen Euro senken. In zukunftsträchtigen Bereichen wie der Softwareentwicklung will Conti hingegen Jobs aufbauen.

Der Umbau sorgte in den ersten neun Monaten des Jahres für erste Rückstellungen in Höhe von 97 Millionen Euro. Weitere Kosten aus dem Umbau- und Sparprogramm würden für das vierte Quartal erwartet, die Höhe stehe aber derzeit noch nicht fest. (dpa)

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