Continental, Commerzbank und Siemens testen erfolgreich Blockchain-Technologie

| Redakteur: Julia Schmidt

Continental, Commerzbank und Siemens haben in einem Pilotprojekt erstmalig ein Geldmarktwertpapier zwischen Unternehmen auf Basis der Blockchain-Technologie im Rahmen einer Testtransaktion abgewickelt.
Continental, Commerzbank und Siemens haben in einem Pilotprojekt erstmalig ein Geldmarktwertpapier zwischen Unternehmen auf Basis der Blockchain-Technologie im Rahmen einer Testtransaktion abgewickelt. (Bild: Clipdealer)

Continental, Commerzbank und Siemens haben in einem Pilotprojekt erstmalig im Rahmen einer Testtransaktion ein Geldmarktwertpapier zwischen Unternehmen auf Basis der Blockchain-Technologie abgewickelt. Commercial-Paper-Transaktionen können so dank Blockchain in Minuten statt Tagen abgewickelt werden.

Das gemeinsame Projekt von Continental, Commerzbank und Siemens ist ein großer Schritt hin zu vollständig blockchainbasiertem Wertpapiergeschäft. Die Testtransaktion wurde im Januar durchgeführt. Sie umfasste ein Volumen in Höhe von 100.000 Euro bei einer Laufzeit von drei Tagen. Continental trat als Emittent des Geldmarktwertpapiers auf, das aufgrund rechtlicher Vorgaben in Form eines in Euro denominierten elektronischen Commercial Papers nach luxemburgischem Recht aufgelegt wurde. Die Commerzbank stellte über ihre Forschungs- und Entwicklungseinheit Main Incubator die Corda-basierte Blockchain-Plattform zur Verfügung und agierte als Servicepartner. Siemens zeichnete das Geldmarktwertpapier als Investor. Die Wirtschaftskanzlei GSK Stockmann beriet die an der Transaktion Beteiligten rechtlich.

Mittel- bis langfristig auch bei regulären Finanzgeschäften

Hauptbeweggrund von Continental und Siemens für die Durchführung des Projekts war die Praxiserprobung der Blockchain-Technologie mit dem Ziel, diese mittel- bis langfristig auch bei regulären Finanzgeschäften nutzen zu können. In diesem Pilotprojekt erfolgte die Anbahnung und Abwicklung der Transaktion direkt zwischen den beiden Unternehmen. Ausgangspunkt war ein zwischen Unternehmen übliches Wertpapiergeschäft. Die beteiligten Unternehmen haben sowohl die Erzeugung des Geldmarktwertpapiers als auch dessen Handel (inklusive Zahlungsabwicklung) rechtsverbindlich über die Blockchain abgewickelt. Der Dokumentations- und Geldaustausch konnte so in Minuten statt Tagen vollzogen werden. Anders als bei herkömmlichen Transaktionen agierte die Commerzbank bei dieser Transaktion nicht mehr als Vermittler zwischen den Vertragsparteien, sondern als Plattformbetreiber und Servicepartner. Für die Transaktion stellte sie die Plattform mit allen technischen Voraussetzungen für den Blockchain-Handel, die juristische Struktur und das digitale Geld für den direkten Handel des Geldmarktwertpapiers (basierend auf besitzgebundenem E-Geld, sog. „cash on ledger“) bereit.

Stefan Scholz, Leiter Finance & Treasury von Continental, zeigt sich erfreut über den erfolgreichen Projektabschluss: „Noch schneller und effektiver dank Blockchain. Mit unseren Projektpartnern Siemens und der Commerzbank haben wir eine Möglichkeit der Anwendung von Blockchain im Finanzbereich getestet und genau das bewiesen.“ Der direkte Kontakt, auch zu Investoren in Schuldverschreibungen mit kurzer Laufzeit, sowie die große Flexibilität und hohe Effizienz bei erhöhter Sicherheit und gesteigerter Transparenz sind einige der Vorteile, die Continental in der Anwendung der Blockchain-Technologie im Finanzbereich sieht.

Aktuell üblicherweise bis zu zwei Tage

Peter Rathgeb, Corporate Treasurer bei Siemens, ergänzt: „Für uns war es wichtig, die Technologie in einer frühen Phase zu testen und daraus für die Zukunft Handlungsfelder abzuleiten. Mit den deutlich kürzeren Durchlaufzeiten und schnellerer Time-to-Market zeigen sich klare Vorteile dieser Technologie. Die großen Herausforderungen liegen unter anderem bei Sicherheits- und Performanceaspekten sowie im rechtlichen Bereich, wie der notwendigen Schaffung eines durchgängigen europäischen Standards und Rechtsverständnisses zu blockchainbasierten Transaktionen.“

Geldmarktwertpapiere dienen der kurzfristigen Finanzierung von Unternehmen. Besonders wichtig bei dieser Form der kurzfristigen Liquiditätssteuerung sind traditionell Aspekte wie günstige Finanzierungskosten und Flexibilität. Verändern werden sich Gesichtspunkte wie Transparenz, der direkte Kontakt zu den Investoren sowie eine zeitnahe Abwicklung der Transaktion, letzteres vor allem wegen der für gewöhnlich sehr kurzen Laufzeiten von Geldmarktwertpapieren. Üblicherweise nehmen die Zahlung und deren Abwicklung zwei Tage in Anspruch. Grund hierfür sind Clearingsysteme, die der Saldierung von Konten dienen, die eine zeitliche Verschiebung bedingen.

Die Blockchain ist eine spezielle Form der Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Sie ist eine dezentrale Datenbank, in der replizierte, gemeinsam genutzte und synchronisierte digitale Daten gespeichert werden. Alle Teilnehmer eines DLT-Netzwerks halten parallel den gleichen Datenbestand und haben gemeinsame Schreib- und Leserechte auf die Daten und somit eine geteilte gemeinsame Transparenz. Die zentrale Vermittlerrolle – üblicherweise ausgeübt von Banken im Rahmen von Finanztransaktionen – verlagert sich. Es werden aktuelle, auf asymmetrischer Kryptographie basierende Verschlüsselungs- und Signaturverfahren verwendet, die derzeit als nahezu fälschungssicher gelten.

Erstmalig dematerialisiert abgewickelt

Erstmals konnte eine digitale Geldmarkwertpapier-Transaktion rechtsverbindlich abgewickelt werden. Dadurch wurde die Transaktion auch wesentlich schneller und effizienter durchgeführt als bisher. Möglich wurde dies, da es sich im Unterschied zu ähnlichen bisher getätigten Blockchain-Transaktionen um ein vollständig in der Blockchain abgebildetes Wertpapier handelt. Das Geldmarktwertpapier wurde ausschließlich digital begeben, die Euro-Kaufpreissumme, mit der Siemens das Geldmarktwertpapier von Continental erworben hat, wurde durch die Commerzbank, die eine E-Geld-Lizenz besitzt, in digitales Geld umgewandelt, um diese Zahlung auf der Blockchain vornehmen zu können. Mithilfe der Blockchain-Technologie konnten alle Ansprüche, die sich aus dieser Transaktion ergeben, digital und rechtlich verbindlich gehandelt werden. Auch eine unmittelbare Wertstellung und Abwicklung in Echtzeit wurde so möglich. Dies wird als der erste Schritt hin zu einer technischen Skalierung automatisierter Wertpapieremissionen gesehen.

In der Pilottransaktion war das Wertpapier nach Luxemburger Recht begeben worden. So konnte das Wertpapier mittels qualifizierter elektronischer Signatur digital begeben, signiert und gehandelt werden. Um den Handel des Wertpapiers auch unmittelbar und digital in einem Zug-um-Zug-Geschäft (sog. „delivery vs. payment“) abzubilden, wurde das besitzgebundene E-Geld von der Commerzbank digital über die Blockchain zur Verfügung gestellt, sodass die Unternehmen unmittelbar Wertpapier gegen E-Geld tauschen konnten.

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