Connected Cars: Erstmals DSRC und C-V2X auf einem Chipsatz vereint

| Redakteur: Michael Eckstein

Sprachtalent: Der Craton2-Chipsatz von Autotalks vereint DSCR- und C-V2X-Kommunikationsstandards für Connected-Car-Applikationen.
Sprachtalent: Der Craton2-Chipsatz von Autotalks vereint DSCR- und C-V2X-Kommunikationsstandards für Connected-Car-Applikationen. (Bild: Autotalks)

Der israelische Chip-Entwickler Autotalks bringt einen Chipsatz, der per Software zwischen den beiden wichtigen V2X-Kommunikationstechniken wechseln kann. Das erleichtert Fahrzeugherstellern den weltweiten Einsatz.

Wer im Umfeld von autonomem oder assistiertem Fahren aktiv ist, stößt unweigerlich auf den Begriff V2X. „Vehicle to Everything“ steht für die Vernetzung von Fahrzeugen mit ihrer Umgebung – die Grundvoraussetzung für intelligente Fahrzeug- und Verkehrssteuerung. Weltweit steht die V2X-Kommunikation vor der Einführung in den Massenmarkt, da immer mehr Hersteller ihre neuen Fahrzeugmodelle mit dieser Technologie ausstatten wollen oder dies bereits tun.

Doch es gibt ein Problem: In den letzten Jahren hat sich V2X in zwei verschiedene Technologien, DSRC (Dedicated Short Range Communication) und C-V2X (Cellular Vehicle to Everything) aufgeteilt. Diese basieren auf grundlegend unterschiedlichen Architekturen, was es schwierig macht, eine einzige globale Lösung zu entwickeln.

Genau das will das in Israel basierte Unternehmen Autotalks nun geschafft haben – und stellt gleich einen passenden Chipsatz dafür vor, der aus Modem und Funksystem besteht. Im Modem des „Craton2“ genannten Produkts kommen die Prozessorkerne Cortex M3 und Cortex A7 von ARM zum Einsatz. Die nach Angaben des Unternehmens voll funktionsfähige und für Automotive-Anwendungen qualifizierte Lösung sei die einzige, die – per Software umschaltbar – eine Kommunikation sowohl per DSRC als auch C-V2X über das PC5-Protokoll „auf höchstem Sicherheitsniveau“ unterstützt. Der Chipsatz unterstützt demnach DSRC basierend auf 802.11p/ITS-G5-Standards und C-V2X basierend auf 3GPP-Spezifikationen. 3GPP ist das Germium, dass auch den kommenden Mobilfunkstandard 5G entwickelt.

Unterschiedliche Technologien teilen die Welt

Während in den USA, Europa und Japan DSRC-basiertes V2X eingesetzt wird, gewinnt C-V2X in anderen Regionen an Dynamik. Die PC5-Lösung von Autotalks nutzt das weltweit festgelegte 5,9-GHz-ITS-Spektrum für V2X und funktioniert unabhängig vom Mobilfunkprovider. „Es ist keine spezifische Mobilfunk-SIM-Karte oder Netzabdeckung eines spezifischen Providers erforderlich“, erklärt Hagai Zyss, CEO von Autotalks. „Unser Chipsatz funktioniert ohne oder auch mit jedem 3G/4G/5G-Mobilfunkmodem.“

Eine Aufgabe von V2X-Systemen ist es, den Fahrer vor Gefahren auf der Straße zu warnen und möglicherweise automatisch darauf zu reagieren. Zyss ist überzeugt, dass das Trennen von V2X und Infotainment im Fahrzeug dazu beiträgt, dass diese Funktion nicht beeinträchtigt wird. Darüber hinaus würde das Isolieren von V2X in Kombination mit den starken Cybersicherheitsfunktionen von Autotalks das Chipset zu einer sehr sicheren Plattform machen. Dies ist ohne Frage eine grundlegende Voraussetzung und Notwendigkeit für den breiten Einsatz V2X. Darüber hinaus gibt Autotalks an, dass sich durch das Trennen von V2X und dem Netzzugangsgerät (NAD) auch die Wirtschaftlichkeit beim Einsatz von Telematiksteuergeräten (TCU) verbessern ließe.

Autotalks Versprechen: Schnellere Time-to-Market

Laut Zyss hat Autotalks seine „Chipsätze von Grund auf so entwickelt, dass sie den strengen Anforderungen und Standards des V2X-Marktes gerecht werden.“ Dies würde der C-V2X-Option unmittelbar einen Vorsprung beim Einhalten von Sicherheits-, Umwelt-, Qualitäts-, Wärme- und anderen Vorgaben verschaffen.

„Die DSRC- und C-V2X-Dual-Mode-Funktionalität auf automobiltauglichen Chipsätzen vom Typ AEC-Q100 Klasse 2 in Kombination mit serienreifer Software und vorhandenen APIs ermöglicht die kürzeste Time-to-Market für eine globale Dual-Mode-V2X-Plattform“, ergänzt Zyss. Die Autotalks-Lösung soll demnach den Entwicklungs-, Test- und Zertifizierungsaufwand für ein V2X-System verringern, das über ein softwaregestütztes Umschalten zwischen den V2X-Technologien überall eingesetzt werden kann.

Laut Zyss arbeitet Autotalks mit Unternehmen wie Bosch und Hyundai zusammen und erwartet, dass die eigenen Chipsätze ab 2020 auf breiter Front zum Einsatz kommen. Hyundai hatte 2018 in einem „beträchtlichen Umfang“ in Autotalks investiert. Beide Firmen verbindet eine strategische Partnerschaft mit dem Ziel, zukünftige Chipsätze für „Connected Cars“ zu entwickeln und damit eine führende Rolle einzunehmen.

Silicon Valley in Wolfsburg – was VW an Elektronik selbst entwickelt

Silicon Valley in Wolfsburg – was VW an Elektronik selbst entwickelt

27.08.18 - Google, Apple oder Amazon. Die US-Internetriesen machen auf ihrem weltweiten Eroberungsfeldzug auch vor dem High-Tech-Produkt Auto nicht halt. Automobilhersteller wie VW sind aufgewacht und entwickeln Software oder elektronische Systeme immer mehr auch im eigenen Haus. Ein Ortstermin in der Halle 90 B in Wolfsburg lesen

Warum Security by Design im IoT noch nicht angekommen ist

Warum Security by Design im IoT noch nicht angekommen ist

03.02.18 - Schon vor Meltdown und Spectre wurde deutlich, dass Mikrorechner in industriellen Steuerungsanlagen und Embedded-Systeme durch Cyberattacken bedroht werden. Wie sieht ein vernünftiger Schutz aus? lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45484314 / 5G Mobilfunk)