Strategien im Kampf gegen den Elektroschrott



  • Geplante Obsoleszenz, Teil 1
    Strategien im Kampf gegen den Elektroschrott

    Dem Elektroschrott den Kampf ansagen – das war ursprünglich das Ziel einer Studie zur sogenannten geplanten Obsoleszenz des Umwelt-Bundesamtes. Eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte soll die Lösung sein. Ein umsetzbarer Vorschlag?

    zum Artikel



  • … natürlich wünschen wir uns, dass die Geräte möglichst lange laufen. Auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass bei dann doch noch anfallenden Reparaturen ersten diese möglich sind, zweitens die Ersatzteile nicht so teuer sind und drittens die Lebensdauer tatsächlich verlängert wird. Auch dürfen Verbrauchsartikel oder Verschleißartikel beim Gerät nicht verwendet werden den Wunsch nach neuen Geräten zu steigern. Wenn ich nach zwei Jahren eine Rolle für weniger als zehn Euro auswechseln muss, eine Dichtung ersetzen - für weniger als 5 Euro - oder einen zerbrochenen Deckel - vielleicht auch nur wegen einer abgenutzten Rastnase - für maximal 20 Euro ersetze, ist das sicherlich in Ordnung. Pauschal mehr als 20 Euro für eine Dichtung zu verlangen und dann 3 gleiche im Beutel zu liefern, obwohl nur eine benötigt wird ist überzogen. Um die sog. Lagerkosten für Ersatzteile niedrig zu halten oder die Verfügbarkeit zu garantieren sollten genormte Bauteile verwendet werden, die möglichst kompatibel sind. Fazit, lange Lebensdauer ist okay. Der Wunsch danach kommt aber aus einer anderen Richtung.



  • Nicht nur Produkte sollten langlebig sein, sondern auch Übertragungsstandards. Schönes Beispiel sind DAB und DVBT. Beide Standards wurden oder werden weiterentwickelt, jedoch ohne Abwärts Kompatibilität zur Vorgängerversion. Folge: Die Empfänger werden dazu degradiert, Elektroschrott zu werden. Bei UKW und analogem Fernsehen wurde die Einführung von Stereophonie und Farbübertragung so realisiert, dass die Sendungen weiterhin mit Mono- oder Schwarzweiß-Geräten möglich war. Die Einführung von Videotext hat nicht dazu geführt, dass die Geräte ohne Videotext Decoder unbenutzbar wurden. Haben digitale Übertragungsverfahren keinen Spielraum für Abwärts Kompatibilität, oder will man es nicht?



  • Abwärts-Kompatibilität würde bloß denen ihren Gewinn schmälern.



  • … also Entschuldigung, aber dieses Beispiel mit DVB-T und DAB passt nicht so ganz. Die Frequenzbänder sollen leergeräumt werden für die ganzen Smartphone-Daddeleien. Der UHF-Bereich für TV-Übertragungen wird oben beschnitten usw. Da nun mehr Fernsehsender auf eine geringere Zahl von Frequenzbouquets verteilt werden sollen und gleichzeitig die HD-Auflösung vorangetrieben werden soll, kann man nicht gleichzeitige Kompatibilität anbieten. Wem diese Erklärung nicht ausreicht, bitte googlen unter Wikipedia. Ähnlich verhält es sich bei DAB. Auch sollte man klassisches DAB im GHz-Bereich nicht mit Digitalradio bei 180 MHz verwechseln. Bei UKW-Stereo wurde damals ein zusätzliches Audio-Band bei etwa 38 kHz dazugesetzt, Links-Rechts-Information (Minus). Im normalen Frequenzband wird Links+Rechts übertragen. Bei Einführung des Farbfernsehens wurde ebenfalls ein Band in das Videosignal eingefügt. Dies erfolgt über den Farbhilfsträger bei etwa 4,4 MHz, auf den die Farbinformation moduliert wird. Die sog. Abwärtskompatibilität wird also in beiden Fällen anders erreicht, als bei DVB-T.

    Was zeigt diese Diskussion in den Zeilen oben? Wenn wir von komplexen Merkmalen in Sachen Obsoleszenz sprechen, dürfen wir dies nicht mit wirklichen technischen Weiterentwicklungen verwechseln, die wir haben wollen. Wir müssen manchmal wirklich in die Tiefe gehen, um das oder die Themen zu verstehen. An diesem Beispiel kann ich nicht erkennen, dass aus dem Wunsch nach mehr Bandbreite oder mehr Frequenzbändern für unsere Mobilfunknetze eine beabsichtigte Reduzierung der nutzbaren Lebensdauer für TV oder Radio resultiert. Übrigens hat das Militär ebenfalls Frequenzen abgegeben, auch für GPS, etc.


Log in to reply