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Computer-Pionier Commodore-Gründer Jack Tramiel stirbt mit 83 Jahren

Redakteur: Franz Graser

Er war eine der prägenden Figuren der frühen Heimcomputer-Ära und gilt als Vater des C64 sowie später des Atari ST: Jack Tramiel starb am Ostersonntag.

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Jack Tramiel, eine der prägenden Figuren der frühen Heimcomputer-Ära, starb am Osterwochenende im Alter von 83 Jahren. (commodore.ca)
Jack Tramiel, eine der prägenden Figuren der frühen Heimcomputer-Ära, starb am Osterwochenende im Alter von 83 Jahren. (commodore.ca)

Der im polnischen Lodz geborene Jude Jacek Trzmiel überlebte den Holocaust und wanderte nach Kriegsende nach Amerika aus, wo er sich in Jack Tramiel umbenannte.

Nach seiner Dienstzeit bei der US-Armee gründete er ein Geschäft für die Instandsetzung von Schreibmaschinen, das er Commodore Portable Typewriter nannte. Der Firmenname Commodore war von einem militärischen Dienstgrad abgeleitet und erklärt sich aus Tramiels Respekt für das US-Militär. Mitte der fünfziger Jahre begann Tramiel, Schreibmaschinen aus der Tschechoslowakei zu importieren.

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Als Schreibmaschinen aus Japan in den sechziger Jahren den US-Markt überschwemmten, sattelte Tramiel auf mechanische Rechenmaschinen um. Als auch hier die Konkurrenz zu groß wurde, setzte Commodore auf Taschenrechner und schließlich auf Computer.

Angeblich war Tramiel sogar daran interessiert, die junge Computerfirma Apple aufzukaufen. Der Deal soll lediglich daran gescheitert sein, dass der Commodore-Gründer versuchte, den Kaufpreis zu weit zu drücken. Um von fremden Chip-Lieferanten unabhängig zu sein, kaufte Commodore 1976 MOS Technology, ein eigenes Halbleiterwerk, das damals auch Apple mit Prozessoren belieferte.

Ende der siebziger Jahre entwickelte MOS einen Videochip namens VIC für Spielkonsolen und Computerterminals, der aber keine Abnehmer fand. Darüber hinaus hatte sich ein gewaltiger Vorrat an Speicherchips angesammelt.

Tramiel machte aus der Not eine Tugend und befahl die Entwicklung eines Heimcomputers, der 1981 erschien und unter dem Namen VIC-20 (in Deutschland VC 20) bekannt wurde.

Kurz darauf wurde sein großer Bruder, der C64, vorgestellt, der alle Rekorde brechen und zum meistverkauften Home-Computer der Geschichte werden sollte.

Firmengründer Tramiel überwarf sich allerdings 1984 mit dem kanadischen Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzenden Irving Gould und verließ Anfang 1984 das Unternehmen.

Wenige Monate später stieg der Manager jedoch wieder in das Heimcomputer-Geschäft ein und kaufte den Konsolen- und Computerhersteller Atari von Warner Communications auf. Atari war in die Krise geraten, da der Markt für Videospielkonsolen in den USA innerhalb kurzer Zeit fast zusammenbrach. Tramiel holte auch Shiraz Shivji, den Entwickler des C64, zu Atari. In kürzester Zeit entstand unter dessen Leitung mit dem Atari ST die nächste Heimcomputer-Generation. Angelehnt an Apples Macintosh, verfügte der ST über einen Motorola 68000 als Hauptprozessor, 512 Kilobyte RAM sowie eine grafische Benutzeroberfläche, die mit einer Maus gesteuert wurde. Dass es Tramiel dabei nicht an Selbstbewusstsein fehlte, zeigt die Tatsache, dass das Betriebssystem den Namen TOS trug, was laut Insidern für "Tramiel Operating System" stand.

Damit setzte Tramiel nicht zuletzt seine alte Firma Commodore gehörig unter Druck, die nun ebenfalls einen adäquaten Nachfolger für den C64 zu entwickeln suchte. Commodore kaufte deshalb eine kleine kalifornische Firma namens Amiga Corporation, die eigentlich eine Videospielkonsole entwickeln wollte. Die jedoch wurde in aller Eile zum Amiga-Computer umgewidmet. Damit waren die beiden großen Heimcomputer-Konkurrenten geboren, deren Besitzer Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre nicht müde wurden, über die Vor- und Nachteile ihrer jeweiligen Systeme zu debattieren.

Der Atari ST und die daraus abgeleitete Computerfamilie waren sehr erfolgreich, konnten letztlich jedoch den Siegeszug der IBM-kompatiblen PCs nicht stoppen. 1996 verkaufte Tramiel die Firma Atari und zog sich ins Privatleben zurück.

Tramiels Führungsstil war autoritär. Bei einer Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Commodore 64 erklärte er in einem Interview: „Meine Aufgabe war es, meinen Mitarbeitern zu sagen, was sie falsch machten und nicht, wie gut sie waren.“ Darüber hinaus war er ein Kostendrücker: Für das Microsoft-BASIC bezahlte er lediglich 2500 Dollar Lizenzgebühren. „Bill Gates wollte hinterher nicht mehr mit mir reden“, erinnerte sich Tramiel.

Er war außerdem einer der Mitbegründer des United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. Tramiel hinterlässt eine Frau sowie drei Söhne.

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