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Aufgeschraubt Commodore 64 – 30 Jahre alt und ewig jung

Redakteur: Franz Graser

Im Januar 1982 erblickte der Commodore 64 auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas das Licht der Welt. Niemand weiß genau, wie oft der Heimcomputer-Veteran verkauft wurde – Schätzungen liegen zwischen 12 und 17 Millionen.

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Soundchip SID:
Der Baustein vom Typ MOS 6581 verfügte über drei unabhängige Tongeneratoren, die in zahlreichen Spielen voll ausgereizt wurden.

Der SID (das Kürzel steht für Sound Interface Device) war seiner Zeit weit voraus; der Tonumfang der drei Stimmen betrug acht Oktaven.

Komponisten wie Rob Hubbard, Chris Hülsbeck oder Martin Galway, die die Musikuntermalung für zahlreiche Videospiele lieferten, genossen unter C64-Fans zum Teil kultische Verehrung.

Prozessor:
Der 8-Bit-Prozessor MOS 6510 ähnelte der CPU des Apple II und war in Europa mit 985 Kilohertz getaktet. Die US-Version war geringfügig schneller.

Der Unterschied erklärt sich daraus, dass die europäischen Geräte auf die Bildwiederholrate des PAL-Systems abgestimmt wurden, während die US-Modelle an das NTSC-System angepasst waren – schließlich musste in der Regel das heimische Fernsehgerät als Monitor herhalten.

Interessant ist, dass Commodore damals über eine eigene Chipfabrik namens MOS Technologies verfügte. Firmengründer Jack Tramiel war es ein zentrales Anliegen, die komplette Herstellungskette in einer Hand zu behalten.

Denn vor dem Einstieg ins Computer-Geschäft hatte Commodore elektronische Taschenrechner hergestellt. Der Erzrivale Texas Instruments schlug Commodore jedoch aus dem Feld, da TI damals eine eigene Chipherstellung besaß und die Einkaufspreise für die Bauteile drücken konnte. Aus dieser Erfahrung heraus hatte Commodore den Chiphersteller MOS Technologies gekauft.

MOS belieferte nicht nur Commodore, sondern auch andere Kunden wie zum Beispiel Apple. Das Prozessor-Herz des Apple II stammte also letztlich von Commodore.

Kassetten-Port:
 Da das Commodore-Diskettenlaufwerk 1541 anfangs sehr teuer war, benutzten vor allem Einsteiger Audiokassetten als Speichermedium. Dazu war die sogenannte Datasette, ein spezieller Kassettenrecorder, notwendig.

Die Datenübertragungsrate betrug magere 300 Bit/Sekunde. Um diesen Engpass zu entschärfen, entwickelten viele Spielehersteller Komprimierungsverfahren, die den Datentransfer von der Datasette zum C64 beschleunigten.

9-Pin-Buchsen:
Die Joystick-Buchsen kopierten das Anschlusslayout des Atari-Videospielcomputers 2600. Somit konnten Atari-Joysticks verwendet werden.

Echte Spieleprofis bevorzugten jedoch anstatt der schwammigen Atari-Steuerknüppel die nahezu unzerstörbaren Joysticks vom Typ Competition Pro des britischen Herstellers Kempston. Sie waren mit Mikroschaltern ausgestattet und arbeiteten deshalb viel präziser.

VIC II (Grafik): 
Der Grafikchip des C64 liegt unter einer Blechabdeckung. Er verfügte über 16 KB Speicher und erlaubte eine Auflösung von bis zu 320 x 200 Pixeln. Das Standard-BASIC des C64 verfügte jedoch über keinerlei Grafikbefehle.

Wer zum Beispiel Sprites (also bewegliche Spielfiguren) nutzen wollte, musste die Daten über den POKE-Befehl direkt in den Videospeicher schreiben. Die vielen Spiele, die für den Commodore 64 verfügbar waren, wurden daher bevorzugt in Maschinencode programmiert.

Der erste VIC (Video Interface Chip) war im sogenannten "Volkscomputer" VC 20 von Commodore verbaut worden, dem unmittelbaren Vorläufer des C64, der 1980 erschienen war. Der Grafikchip des C64 trug deshalb den Namen VIC II.

RAM-Speicher:
38911 Bytes des 64-KB-Hauptspeichers waren für BASIC-Programme verfügbar. Von den 64 KB RAM-Speicher leitete sich auch die Typbezeichnung des Commodore 64 ab. Der BASIC-Interpreter stand komplett im ROM (20 KB).

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