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Chromium-OS-Port macht Raspberry Pi zum abgespeckten Chromebook

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Performance im Praxistest: Stabil, aber noch recht hakelig

Chromium OS: Egal ob Raspberry Pi oder Chromebook, das Betriebssystem behandelt oberflächlich alle Geräte erst einmal gleich. Im aktiven Betrieb merkt man aber, dass es in Version 0.5 noch an ein paar Stellen hakt. Der Zugriff auf Google Drive und Google-Docs-Dokumente funktioniert allerdings bereits.
Chromium OS: Egal ob Raspberry Pi oder Chromebook, das Betriebssystem behandelt oberflächlich alle Geräte erst einmal gleich. Im aktiven Betrieb merkt man aber, dass es in Version 0.5 noch an ein paar Stellen hakt. Der Zugriff auf Google Drive und Google-Docs-Dokumente funktioniert allerdings bereits.
(Bild: Sebastian Gerstl)

Der erste Eindruck geht in Ordnung: Für die Versionsnummer 0.5 ist der Chromium-Port augenscheinlich recht vollständig. Nach Wahl der Region und der zugehörigen Tastaturbelegung fragt das Betriebssystem nach einem Google-Konto. Wer bereits Apps in seinem Chrome Browser nutzt, ein Chrome-OS-Gerät wie Chromebook oder Chromecast verwendet oder ein Google-Konto für sein Android-Smartphone oder Tablet nutzt, kann seinen Account auch mit dem Chromium OS auf dem Raspberry Pi vernetzten und – zumindest theoretisch – die gleichen Web-Apps auch auf dem Einplatinenrechner nutzen.

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Dabei wird der an das eigene Konto angehängte Cloudspeicher Google Drive automatisch gleich mitverwendet – lokal wird unter Chromium OS auch auf dem Raspberry Pi nichts gespeichert, nach dem nächsten Systemstart ist alles, was nicht in der Cloud gesichert wurde, wieder weg. Der Synchronisierungsvorgang dauert allerdings noch recht lang – in unserem Test mussten wir fast 90 Minuten warten, bevor wir mit Chromium OS auf einem Raspberry Pi 2 loslegen konnten. Dann allerdings konnten wir gleich loslegen und beispielsweise unter Google Docs abgelegte Dokumente gleich direkt im Browser weiterbearbeiten.

Bei allem guten ersten Eindrücken gibt es allerdings einige Stellen, an denen bei dem RasPi-Port von Chromium OS noch nachzubessern ist. So unterstützt das System beispielsweise noch lange nicht alle Monitortypen. Bei TV-Geräten oder Monitoren, die nicht auf genau 1920 x 1080 Pixel Auflösung kommen, bleibt der Bildschirm beim Start oft schwarz. Hier kann allerdings ein kleiner Trick helfen: Verweigert ein Monitor beim Systemstart wegen eines Signalfehlers den Dienst, starten Sie das Raspberry Pi mit Chromium OS zuerst an einem HDTV - an einem Sony Smart TV funktionierte es in unserem Praxistest zweifelsfrei. Hängen Sie den Einplatinenrechner dann im laufenden Betrieb an den zuvor verwendeten Monitor um, sollte es dann auch mit der Bilddarstellung klappen.

Chromium OS sollte eigentlich ein schnell startendes, leichtes Betriebssystem sein. In seiner aktuell für das Raspberry Pi 2 vorliegenden Form ist es allerdings noch ein wenig hakelig: Fenster öffnen und schließen recht langsam, der Systemstart dauert auch im Vergleich zu anderen RasPi-Betriebssystemen relativ lange. Die Hardwarebeschleunigung muss hier noch optimiert werden. Ein weiteres Manko, dass mit dem Einplatinenrechner zusammenhängt: Nicht alle als „Native Apps“ für Chrome OS / Chromium OS gekennzeichneten Apps funktionieren auf dem RasPi. Web-Apps, die eine aktualisierte Fassung von Flash benötigen, versagen mit dem aktuell verwendeten Chromium-OS-Build (49.0.2623.112) den Dienst. Netflix, Spotify oder der Online-TV-Dienst Zattoo lassen sich damit noch nicht nutzen. Wer Online-Videos ansehen möchte, der muss sich zunächst noch mit YouTube begnügen. Auch das Hochladen von Screenshots in ein vorhandenes Google Drive Konto wollte im Test nicht so recht klappen; nach dem System-Neustart waren die Bilder wieder weg. Mit ein paar Tricks und den passeden Web-Apps sollte dies allerdings machbar sein.

Von einem „echten“ Chromebook-Ersatz oder einer kostengünstigen Chromecast-Alternative ist der Port von Chromium-OS für das Raspberry Pi zumindest in der aktuellen Version 0.5 noch ein ganzes Stück entfernt. Er gibt aber einen guten Vorgeschmack darauf, was prinzipiell mit dem System möglich ist. Mit WiFi-Unterstützung und verbesserter Videoperformance könnte Chromium OS in Zukunft eine interessante Betriebssystemalternative für das Raspberry Pi abgeben.

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