Chipmarkt bricht 2019 stärker ein als bislang angenommen

| Redakteur: Michael Eckstein

Durchstarten: Derzeit holt der Chipmarkt Schwung, um im nächsten Jahr wieder an Höhe zu gewinnen.
Durchstarten: Derzeit holt der Chipmarkt Schwung, um im nächsten Jahr wieder an Höhe zu gewinnen. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Marktbeobachter WSTS korrigiert seine Frühjahrsprognose nach unten: 2019 werden Chiphersteller gut 60 Mrd. US-Dollar weniger umsetzen als im Rekordjahr 2018. Für 2020 sehen die Auguren Licht am Ende des Tunnels. Nicht zuletzt wegen Prozessoren, die für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen optimiert sind.

Die Umsätze des weltweiten Halbleitermarktes fallen dieses und nächstes Jahr voraussichtlich stärker als noch Anfang 2019 prognostiziert. Das zeigen aktualisierte Berechnungen der World Semiconductor Trade Statistics Organisation, kurz WSTS. Demnach rechnet die Organisation für 2019 jetzt mit einem Rückgang von 13,3% (zuvor 12,1%) und einem Wachstum von 4,8% (bislang 5,4%) im Jahr 2020. Laut der aktuellen Prognose wird der Halbleitermarkt 2019 auf ein Gesamtvolumen von 406,6 Mrd. US-Dollar schrumpfen, ausgehend von rund 469 Mrd. US-Dollar in 2018 – dem bislang höchsten ermittelten Jahresumsatz. Hauptgrund für diese Entwicklung sind die eingebrochenen Preise für Speicherchips.

2020 werde sich der Markt erholen auf dann 426 Mrd. US-Dollar. Interessant: WSTS erwartet, dass 2020 weltweit alle Regionen zulegen werden. In Zeiten von globalen Unwägbarkeiten wie den anhaltend angespannten Handelsbeziehungen zwischen den USA und China, militärischer Eskalation in Nahost oder einem drohenden No-Deal-Brexit sinkt die Halbwertszeit von Prognosen für die nahe Zukunft allerdings recht stark.

KI-Prozessoren mit starkem Wachstum

Zu den wenigen klaren Gewinnern im Halbleitergeschäft zählen integrierte Schaltungen für Maschinelles Lernen beziehungsweise Künstliche Intelligenz. Marktanalyst ABI Research erwartet, dass der Markt für KI-Chips noch 2019 die 20-Milliarden-Dollar-Marke überschreiten wird. In diesem Wert sind die Umsätze für Cloud- und Edge-KI-Prozessoren aggregiert.

Den mit Abstand größten Anteil an diesem Volumen haben daran die Prozessoren, die beispielsweise in Gateways, Router oder Endgeräten wie Smartphones oder IoT-Knoten im Netzwerkzugangsbereich, dem Edge, zum Einsatz kommen: Hier können die Anbieter von 2018 auf 2019 voraussichtlich einen Zuwachs von rund 74% verzeichnen, von ca. 10,6 Mrd. US-Dollar auf 18,4 Mrd. US-Dollar. Für die folgenden Jahre bis 204 prognostiziert ABI Research ein steiles Wachstum (CAGR) von durchschnittlich 31% pro Jahr. Am Ende des Zeitraums stünde demnach ein Umsatz von satten 71 Mrd. US-Dollar.

Für den Markt der Cloud-KI-Prozessoren erwarten die Marktforscher eine Zunahme von 3,5 Mrd. auf 4,6 Mrd. US-Dollar von 2018 bis 2019. Bis 2024 rechnen die Auguren ebenfalls mit einer über 30%-igen jährlichen Wachstumsrate und letztlich 19,1 Mrd. US-Dollar Umsatz.

Viele Anbieter von KI-Prozessoren ringen um Marktanteile

Edge-KI-Prozessoren übernehmen in der Regel Inferenzberechnungen, treffen also Entscheidungen auf Basis bereits angelernter neuronaler Netze. Maschinelles Lernen ist hingegen die Domäne der Cloud- und Data-Center-KI-Prozessoren. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es neben vielen proprietären herstellerspezifischen IP-Cores und Prozessorarchitekturen mittlerweile einige Start-Ups gibt, die einen Open-Source-Ansatz verfolgen und KI-Prozessoren auf Basis der offenen Befehlssatzarchitektur RISC-V entwickeln.

Im Cloud-KI-Umfeld besetzt Nvidia nach wie vor die Pole-Position vor Intel. Auch, weil der Hersteller früh das Potenzial des Marktes erkannt und mit seinen GPU-gestützten Lösungen besetzt hat. Doch die Konkurrenz erstarkt: Cloud Service Provider wie Google, Facebook, Huawei, Alibaba, Baidu und Amazon entwickeln mittlerweile eigene KI-Chips, die sie genau auf ihre spezifischen Anforderungen abstimmen. Auch haben laut ABI Research auf Maschinelles Lernen spezialisierte Firmen wie Cerebras Systems, Graphcore, Habana Labs und Wave Computing weitere KI/ML-Beschleuniger angekündigt.

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