Halbleiterkrise Chipmangel bedroht Weihnachtsgeschäft

Von Henrik Bork

Washington blockiert weiterhin die Lieferung von Maschinen zur Chipproduktion nach China und das dortige Engagement von US-Firmen. Die Folge: Viele Produkte – vom Smartphone über Spielekonsolen bis zum Auto – können nicht produziert werden.

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Möglicherweise liegen dieses Jahr weniger Geschenke unter den Weihnachtsbäumen: Für viele (Consumer-)Produkte fehlen Halbleiter wie Speicherchips.
Möglicherweise liegen dieses Jahr weniger Geschenke unter den Weihnachtsbäumen: Für viele (Consumer-)Produkte fehlen Halbleiter wie Speicherchips.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Technologiezwist zwischen den USA und China verlängert die globale Chipkrise. Das jüngste Opfer der Auseinandersetzung ist ein Plan von Intel für eine neue Halbleiterfabrik in China, berichtet die Zeitung South China Morning Post in Hongkong.

Intel habe geplant, eine leerstehende Chipfabrik in Chengdu in der chinesischen Provinz Sichuan zu übernehmen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Insider. Die verlassene Fabrik war ein Joint-Venture zwischen GlobalFoundries und chinesischen Partnern, und Intel hatte gehofft, dort seine Produktionskapazitäten in China auszuweiten und so den globalen Mangel an Halbleitern zu lindern, hieß es.

Chip-Fabs in China: Weißes Haus steht auf der Bremse

Doch das Weiße Haus in Washington habe diesen Plan von Intel zurückgewiesen, berichtet die Zeitung. Tage zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass ein Plan von lntel zur Erweiterung seiner Produktionskapazitäten in Chengdu von der Regierung Biden verhindert worden sei, allerdings ohne in dem Bericht den genauen Standort, also die frühere GlobalFoundries-Fabrik, zu benennen.

Die US-Regierung habe Bedenken geäußert, dass eine neue Chipfabrik von Intel in China die nationale Sicherheit des Landes gefährden könne, heißt es in den Berichten.

Weitere Chip-Projekte stehen derzeit auf „Hold“

Auch andere Projekte zur Chipproduktion in China werden derzeit aktiv von der US-Regierung torpediert. So seien gerade auch Pläne der südkoreanischen Firma SK Hynix in Gefahr, eine seiner größten Fabriken zur Herstellung von DRAM-Speicherchips im chinesischen Wuxi auf den neusten technologischen Stand zu bringen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters vor wenigen Tagen.

Hynix könnte „das nächste Opfer des geopolitischen Tauziehens zwischen China und den USA werden,“ schreibt Reuters. SK Hynix habe geplant, sein Werk in Wuxi mit „Extreme Ultraviolet Lithography (EUV)“-Maschinen des niederländischen Herstellers ASML zur Chipherstellung auszurüsten.

Keine EUV-Maschinen für China

Doch die fortschrittlichen EUV-Maschinen stehen ebenfalls auf der Verbotsliste der US-Regierung für China. Wie schon sein Vorgänger Trump hofft Joe Biden, den weiteren Aufstieg Chinas zu einer technologischen Weltmacht durch solche Boykotte verhindern zu können.

Die Fabrik von SK Hynix in Wuxi an der chinesischen Ostküste ist von einiger Bedeutung für die globale Chip-Industrie. Sie produziert etwa die Hälfte aller Memory-Chips von SK Hynix. Die südkoreanische Firma hat einen globalen Marktanteil von 15% an diesen Halbleitern, die in einer Unzahl von Elektronikgeräten von Smartphones über Kameras bis hin zu Servern in Datenzentren zum Einsatz kommen.

Chipmangel wird Weihnachtsgeschäft stören

In der Zwischenzeit zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Halbleiterkrise das Weihnachtsgeschäft in den USA und Europa stören wird. Von elektronischen Spielzeugen wie der Playstation 5 von Sony über Produkte von Apple bis hin zu Autos können weltweit viele Produkte nicht an potentielle Kunden verkauft werden, weil nicht genügend Halbleiter vorhanden sind.

„Das Lieferketten-Fiasko, dass uns Weihnachten vergeigt, wird von einem Biden-Xi-Konflikt angetrieben, den viele übersehen“, titelte das Wirtschaftsmagazin Business Insider schon im Oktober. Und momentan gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass das virtuelle Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Biden und seinem chinesischen Gegenüber Xi Jinping vor einigen Tagen Fortschritte zur Beilegung des Konfliktes gebracht haben könnte.

„Die Feiertage kommen näher, und die Lieferketten-Krise wird das Einkaufen zu einem traurigen Erlebnis machen,“ schrieb Business Insider. Wer gehofft hatte, dass die mögliche Beeinträchtigung des Weihnachtsgeschäftes und die immer größer werdenden Produktionsausfälle in der Autoindustrie die Regierung Biden zum Umdenken bewegen könnten, sieht diese Hoffnungen nun schwinden.

* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den chinesischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.

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