Suchen

Infineon & Intel Chipkonzern verkauft Handychip-Sparte an Intel

| Redakteur: Holger Heller

Infineon verabschiedet sich aus der Telekommunikationstechnik. Nach gut fünf Monate dauernden Verhandlungen verkauft das Unternehmen seine Mobilfunkchip-Sparte für 1,4 Mrd. US-Dollar (1,1 Mrd. Euro) an den US-Chiphersteller Intel.

Firmen zum Thema

Infineon will sich auf den Ausbau seiner drei verbleibenden Kernbereiche konzentrieren: Automotive-, Leistungselektronik- und Sicherheits-/Smartcard-Chips
Infineon will sich auf den Ausbau seiner drei verbleibenden Kernbereiche konzentrieren: Automotive-, Leistungselektronik- und Sicherheits-/Smartcard-Chips
( Archiv: Vogel Business Media )

Infineon-Chef Peter Bauer betonte, der Verkauf sei eine strategische Entscheidung. Es sei eine Win-win-Situation für Infineon und für Intel. Alle Seiten würden von dieser Transaktion profitieren, so Bauer. Wireless Solutions (WLS) sei unter der Führung Intels in der Lage, weiter zu wachsen.

Die Mobilfunkchip-Sparte ist eines von vier Geschäftsfeldern von Infineon. Mit dem Verkauf an Intel will sich Infineon auf den Ausbau seiner drei verbleibenden Kernbereiche konzentrieren: Automotive-, Leistungselektronik- und Sicherheits-/Smartcard-Chips.

Die früher verlustbringende Handychip-Sparte ist mittlerweile aus den roten Zahlen herausgekommen. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2009 trug der Bereich zu rund einem Viertel der Gesamterlöse von Infineon bei. Nach dem Abschluss des Verkaufs, der im ersten Quartal 2011 geplant ist, kann sich Infineon dann auf sein einträglicheres Geschäft mit seinen verbleibenden Bereichen konzentrieren.

Hart umkämpftes Mobilfunkgeschäft

Mit dem Verkauf der Sparte entzieht sich Infineon dem harten Konkurrenzkampf im Mobilfunkgeschäft. Da hier aufgrund hoher Forschungs- und Entwicklungskosten sowie immer kürzerer Produktzyklen ein spürbarer Wettbewerbsdruck herrscht, wäre ein Ausbau des Segments mit hohen Kosten und deutlichen Risiken verbunden gewesen. Infineon hätte sich in der Handysparte durch Übernahmen deutlich verstärken müssen. Daher entschied sich der Infineon-Vorstand für den Verkauf der Sparte.

Neben Intel waren gerüchteweise auch Unternehmen wie Broadcom und Samsung Electronics im Gespräch. Intel galt in Branchenkreisen aber seit längerem als wahrscheinlichster Käufer für die Sparte. Nach dem Abschluss der Transaktion soll der bisher für die Sparte zuständige Infineon-Vorstand Hermann Eul dann ebenfalls zu Intel wechseln und weiter für WLS verantwortlich sein.

Intel erweitert WiFi- und 4G-WiMAX-Angebot um 3G-Technik

Gemeinsame Pressekonferenz von Infineon und Intel, 30. August 2010: „Infineon verkauft Wireless Solutions-Geschäft an Intel“ (v.l.n.r.)Dr. Reinhard Ploss, Mitglied des Vorstands, Infineon, Anand Chandrasekher, Senior VP und General Manager, Ultra Mobility Group, Intel, Prof. Dr. Hermann Eul, Mitglied des Vorstands, Infineon, Arvind Sodhani, Executive VP bei Intel und President Intel Capital, Peter Bauer, Vorstandsvorsitzender, Infineon, Ralph Driever, Unternehmenskommunikation, Infineon (Archiv: Vogel Business Media)

Mit Infineons Technik will Intel vor allem das Geschäft mit mobilen Geräten wie Laptops und Netbooks ausbauen. Die WLS-Sparte wird laut Intel-Vertretern eine eigenständige Konzerneinheit, die an die Intel Architecture Group berichtet. Die Bestandskunden von Infineon übernimmt Intel gleich mit, angeblich damit auch Apple. Dorthin liefert Infineon laut Branchenkreisen Bauteile für das iPhone.

Technisch öffnet die Übernahme Intel den Markt zu den europäischen Standards. Bisher hatte Intel bei der mobilen Kommunikation auf Technologien wie WiFi und WiMAX gesetzt. WiMAX eignet sich für die Sprach- und Datenübermittlung über große Entfernungen. Die Technik wird vorwiegend in den USA, Indien oder Afrika genutzt, in Europa hatte sie sich kaum durchgesetzt.

Hierzulande setzten die Mobilfunkkonzerne dagegen auf die auf UMTS-aufbauende Technologie LTE (Long Term Evolution). Die Bauteile von Infineon sind auf diese Technologie ausgelegt. „Wir wollen künftig die gesamte Bandbreite abdecken, um Geräte mobil mit dem Internet zu verbinden“, erklärte Arvind Sodhani, Executive Vice President bei Intel.

Mit der Übernahme will sich Intel laut Sodhani auch Know-how erwerben, um Plattformen mit niedrigem Strombedarf zu entwickeln. Intels Prozessoren waren bislang für den mobilen Einsatz etwa in Smartphones viel zu stromhungrig. Vor allem auch Atom-CPU-basierte Einrichtungen wie Netbooks, Tablets und Embedded-Systeme sollen von der erworbenen Technik profitieren.

Konzentration auf Kernkompetenzen

Infineon wird sich auf die verbleibenden Sparten konzentrieren. Vor allem die Kernbereiche Auto und Industrie (Leistungselektronik) sollen von der Aktion profitieren. Dort verdient der Konzern besser und auch hier dürfte der Aufschwung noch einige Zeit anhalten. Zudem: mit den von Intel kommenden 1,1 Mrd. € lässt sich eine Menge anstellen.

In welche Bereiche Vorstandschef Bauer die Summe stecken will, sagt er allerdings nicht konkret. Zukäufe und Kooperationen seien vorstellbar, derzeit aber nicht geplant. Das Geschäft sei ein Erfolg. „Das bietet eine hervorragende Perspektive für alle Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre von Infineon“, so Bauer. Er macht mit dem Deal seinen Konzern kleiner und – so hofft er – auch besser.

(ID:358772)